In einem anderen Beitrag habe ich den Gender Pay Gap an sich bearbeitet. Die Unterschiede zwischen dem bereinigten und unbereinigten Gender Pay Gap und die Erklärungsansätze, die es dafür gibt. Hier schreibe ich zu der darauf aufbauenden politisch-medialen Diskussion und ihre ideologische Färbung. Vor Allem dazu, was allzu oft bei den Aktivisten unbeachtet bleibt.

ideologische Färbung des Gender-Pay-Gap

Wortwörtlich ist der Gender Pay Gap die Lohnlücke zwischen den sozialen Geschlechtern. Es wird also von sozialen, also „anerzogenen“ Geschlechtern gesprochen. Wenn man nämlich biologische Geschlechter meinen würde, müsste es „Sex Pay Gap“ heißen. Dadurch zeigt sich aus welcher politischen Ecke dieser Begriff stammt.

Das Gender-Thema, welches im Alltag durch die Gender-Sprache auffällt, ist allerdings eine größere Geschichte. Dabei geht es hauptsächlich um die Einteilung von Menschen in Gruppen von „Tätern“ und „Opfern“. Biologische Männer, die sich auch als Mann identifizieren, sind hier die Täter. Sie sollen angeblich, bewusst und unbewusst, alle anderen Gruppen zur eigenen Machterhaltung diskriminieren und unterdrücken. In dieser Gedankenwelt ist festgeschrieben, dass Privilegien immer Männer haben und Frauen immer benachteiligt sind. Wenn der „Gender Pay Gap“ aufzeigen würde, dass Männer durchschnittlich weniger verdienen, würde er nicht thematisiert werden. Lokal gibt es auch negative Gender Pay Gaps. In Cottbus, Frankfurt/Oder und Schwerin erhalten Frauen durchschnittlich mehr Geld als Männer 12. Das wird aber ignoriert, um nicht das eigene Weltbild hinterfragen zu müssen. Weitere Beispiele sind der mit Abstand höhere Männeranteil bei Obdachlosigkeit, Suiziden oder Gefängnisaufenthalt. Es sind keine medienwirksamen Themen, weil sie „nicht ins Bild“ passen.

Niedrigere Durchschnittseinkommen bei Frauen passen dagegen ins Bild. Dadurch gibt es die Diskussion, welche durch Empörung und Anklage geprägt ist. Sie wird forciert vom linken Spektrum der Politik, Vereine und Medien. Namentlich SPD, Linkspartei, Grüne, Gewerkschaften, feministischen NGOs, dem Öffentlich-Rechtliche Rundfunk und andere Medien des linken Spektrums.

Vorreiter und Mitläufer in der politmedialen Diskussion

Ich sehe zwei Gruppen bei denen, die das Thema auf die Agenda setzen. Einerseits die „Mitläufer“ und andererseits die „ideologischen Vorreiter“. Bei den Vorreitern geht es ans Eingemachte. Dort ist der Gender Pay Gap nur ein Aspekt in der Weltsicht, die nur Täter (Mann) und Opfer (Frau) kennt. Hier stehen üblicherweise Themen der Sexualität im Vordergrund. Um die angebliche Unterdrückung darzustellen wird „Man Spreading“ (also das breitbeinige Sitzen von Männern in Bussen und Bahnen) beschrieben oder Prinzessinnenkostümen für Mädchen zu einem gesellschaftlichen Problem gemacht. Diese Dinge sind in der breiten Bevölkerung nicht anschlussfähig. Beim Gender Pay Gap kann man aber ganz leicht den „Gerechtigkeitssinn“ ansprechen.

Hier kommen dann die „Mitläufer“ ins Spiel, denn jeder versteht die einfache Formel: Gruppe 1 (Frauen) verdient X% weniger als Gruppe 2 (Männer). Heruntergebrochen auf eine einfache Prozentzahl von 18% sieht es auch tatsächlich wie eine willkürliche Ungerechtigkeit aus. Der „Gender Pay Gap“ ist ein leicht zu merkendes Schlagwort und erst bei näherem Hinsehen relativiert sich vermeintliche Skandal. Mitläufer kennen meist selbst nur die vereinfachte Darstellung und wiederholen und verbreiten die Geschichte.

Übergehen von Kontext in der Diskussion

In der heutigen Medienlandschaft zählen oft nur die Überschriften. In der Flut in Informationen kann man auch nicht alles lesen. Man bewertet danach, ob man etwas für glaubwürdig hält oder nicht – und dann ist die Überschrift ein Fakt. Jedoch relativiert sich das Narrativ, das in der Überschrift transportiert wird bei näherer Beschäftigung mit dem Thema. Beim Gender Pay Gap wird der Hintergrund vom der bereinigten und unbereinigten Zahl oft weggelassen oder nur „im Kleingedruckten“ erwähnt. Meistens liest man nur die unbereinigte Zahl, die oft auch mit „gleicher oder gleichwertiger“ Arbeit in Verbindung gebracht wird.

noch ein altes Schild auf dem man aus der 19 eine 18 gemacht hat?

Von gleicher Arbeit kann man aber kaum sprechen. Dass bei gleicher Qualifikation, Berufserfahrung und Job/Branche der Unterschied nur 6% ausmacht wird in den Überschriften und Social Media Posts praktisch nie erwähnt. Auch in manchen kurzen Medienartikeln taucht der Unterschied gar nicht auf. Je mehr Wissen man dazu hat, desto schwächer ist die Wirkung. Und auf die Wirkung kommt es an, wenn es um Aktivismus geht. Mit der Verkürzung bleibt in den Köpfen der Überschriftenleser eines hängen: 18% Lohnunterschied für gleiche Arbeit.

Auch gleichwertige Arbeit anzunehmen, halte ich für irreführend. Den Wert von Arbeit bestimmt keine staatliche Kommission oder Behörde, sondern Angebot und Nachfrage. Dazu kommt, dass einen guten oder schlechten Arbeitsplatz bei weitem nicht nur das Geld ausmacht. Arbeitsklima bzw. Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten, Pendelzeit, Spaßfaktor, Home-Office- und Gleitzeitmöglichkeiten, Urlaubstage oder Erfüllung bei der Arbeit. Wenn das Gehalt zum Leben reicht, dann ist die Höhe für die meisten wahrscheinlich gar nicht so wichtig. Gleichwertigkeit lässt sich also nicht in Geld und Prozenten ausdrücken. Beim Gender-Pay-Gap wird aber einzig und allein der Stundenlohn in Geldwert betrachtet! (Auch ein Hinweis auf linkes Gedankengut. Schließlich wird im klassischen linken Weltbild alles und jeder Aspekt des Lebens letztendlich auf Ökonomie reduziert.)

Selbst, wenn man nur das erzielbare Einkommen betrachtet, kommt man aber schnell wieder aus der Mann-Frau-Frage heraus. Hier wird nämlich die Eigenverantwortlichkeit in der Berufswahl außer Acht gelassen. Wer sich für eine akademische Ausbildung als „Genderforscher“, Kunsthistoriker oder Germanist entscheidet darf nicht erwarten wirtschaftlich wie ein Informatiker, Elektro- oder Maschinenbauingenieur nachgefragt und bezahlt zu werden. Wer die Empörung um den Gender Pay Gap von 18% aber unhinterfragt mitmacht meint genau das mit. Frauen entscheiden sich häufiger für diese „weniger nachgefragten“ Berufe.

Ich behaupte, auch die Empörten beim Gender Pay Gap entscheiden sich im realen Leben lieber 200€ für den Klempner auszugeben, damit die Toilette wieder funktioniert, anstatt 200€ auszugeben, um den Vortrag des Genderforschers anzuhören. (Vorträge über Probleme wie z.B. fehlende Menstruations-Hygieneprodukte auf Männertoiletten.)

Auf dem freien Markt wären Genderthemen ein Nischenprodukt. Sie müssen deshalb mit Steuergeld und Gebühren finanziert werden (Forschung an Universitäten und Ideen-Verbreitung in öffentlich-rechtlichen Medien). Dagegen muss die Instandhaltung von Sanitäreinrichtungen nicht über staatliche Gelder finanziert werden. Die Frage, nach welchen Kriterien der Staat die Steuergelder seiner Bürger ausgibt wird viel zu selten gestellt.

Bereiche, die stark nachgefragt, aber trotzdem nur langsam im Einkommen steigen (Pflege, Erziehung) sind ein anderes Thema. Hier verdienen auch Männer weniger. Übrigens ist hier fraglich, ob der „Markt“ mit Angebot und Nachfrage das Problem ist. Gesundheitsberufe und Erziehung sind in Deutschland sehr stark von staatlichen Regeln geprägt. Angebot und Nachfrage, also „der Markt“ wirken hier zwar, aber weniger als in der Baubranche oder im Automobilsektor.

Der langsame, aber stetige Abbau in den letzten Jahren wird nur nebenbei erwähnt. Fast immer mit dem Zusatz, dass es nicht schnell genug passiert. 2018 waren es 20% geschrieben, 2019 noch 19%. Bei jungen Frauen ist der Lohnunterschied geringer als bei Älteren. Weder wird die stetige Abnahme des GPG genannt noch die gesellschaftliche Entwicklung beachtet. Renten heute bilden die Arbeitswelt vor Jahrzehnten ab. Dass heute Frauen weniger Rente erhalten als Männer liegt daran, dass im Durchschnitt in Deutschland Frauen früher seltener erwerbstätig waren. Im aktivistischen Bereich wird kein Unterschied zwischen der heutigen Durchschnittsfrau und der Durchschnittsfrau der 1950er Jahre gemacht.

Bei Studentenjobs gibt es keinen Gender-Pay-Gap (nur 0,6% 10). Auch im akademischen Bereich kommt der Unterschied nach der Familiengründung. Gleichzeitig haben Akademikerinnen aber die niedrigste Kinderzahl. Auch hier zeigt sich, dass die Berufswahl wesentlich ist. In Studentenjobs arbeiten nämlich Männer und Frauen in den selben Bereichen. Erst später, nach dem Abschluss zeigt sich der Unterschied durch die Wahl des Studienfaches. Darüber hinaus erwarten, bzw. verlangen Frauen im akademischen Bereich weniger Gehalt als Männer 10.

In den letzten 10 Jahren ist der Frauenanteil im Erstsemester in der Informatik, wo Mangel herrscht, von 14% auf 20% gestiegen 11. Das ist immer noch ein kleiner Teil. Die Geisteswissenschaften sind von Frauen dominiert. Dort gibt es aber keinen Mangel. Die großen, gut bezahlenden Unternehmen haben keinen Mangel an Soziologen, Politologen, Sprachwissenschaftler, Gender- und Buddhismus Studies-Absolventen. Hier wird der statistische Gender Pay Gap weiter existieren, aber aufgrund der Entscheidungen zur Wahl der Bildung.

Equal Pay Day und seine Verschiebung

Der „Equal Pay Day“ ist die politmediale Kampagne zum „Gender Pay Gap“. Dadurch, dass 2021 das Durchschnittsgehalt aller Frauen 18% niedriger als das der Männer war, fiel „Equal Pay Day“ 2022 auf den 7. März. Es ist der Tag, bis zu dem die Durchschnitts-Frau rechnerisch länger arbeiten muss, um auf den gleichen Verdienst wie der Durchschnitts-Mann zu kommen.

So soll auf die Lohnlücke aufmerksam gemacht werden, da eine abstrakte Prozentzahl nicht wirklich griffig ist. Die Gewerkschaften, linke Parteien und Organisationen begehen jährlich diesen Tag zwischen „Gedenken“ und Aktivismus. Dabei werden sie bereitwillig medial unterstützt, denn viele Journalisten machen sich die Sache zu eigen. Deshalb erscheinen um diesen Tag herum in allen größeren Medien Artikel dazu. Über die vermeintliche Benachteiligung aufzuklären sieht man in den Redaktionen als genauso wichtig an, wie bei den Politaktivisten. Nur eben in der Form von Berichterstattung. Wenn die politische Ausrichtung stimmt, dann machen mittlerweile auch Ministerien mit.

Tweet des Bundesministerium für Arbeit uns Soziales zum sogenannten Equal Pay Day 2022
Tweet des Bundesministerium für Arbeit uns Soziales zum sogenannten Equal Pay Day 2022

Das Bundesministerium für Arbeit uns Soziales schreibt zum Equal Pay Day 2022 über Benachteiligung von Frauen. Und nennt dabei sogar noch lediglich 18%, den unbereinigten Gender Pay Gap.

Der Tag steht nicht fest. Da der Gender Pay Gap über die Jahre kleiner wird, verschiebt sich seit Jahren auch der Equal Pay Day nach vorne. Anstatt auf diese positive Entwicklung hinzuweisen beisst man sich immer weiter in das Thema fest. Selbstverständlich wird meist nur die unbereinigte Zahl genannt, um den größten Effekt zu erzielen.

JahrEqual Pay Day
(bezieht sich auf den Vorjahres-GPG)
Gender Pay Gap
201125.3.22,2
201223.3.22,4
201321.3.22
201421.3.22
201519.3.22
201619.3.21
201718.3.20
201818.3.20
201918.3.19,2
202017.3.18,3
202110.3.18
20227.3.
Verschiebung des Equal Pay Day über die letzten Jahre 9

Regionale Komponente

Der für mich persönlich größte Augenöffner beim Gender Pay Gap war die regionale Komponente. Die „Auffälligkeit“ beim Gender Pay Gap in den ostdeutschen Bundesländern, die kaum Erwähnung findet und hat mich auch dazu gebracht hat diesen Artikel zu schreiben.

In den ostdeutschen Bundesländern beträgt der unbereinigte GPG nicht 18%, sondern 6% und ist genauso groß wie der bereinigte. Wenn man glaubt, dass die 18% die Realität zeigen, dann müsste es demnach in Ostdeutschland keine strukturellen Unterschiede im Arbeitsleben von Frauen und Männern geben! Aber auch dort arbeiten im Altenheim überwiegend Frauen und auf der Baustelle fast ausschließlich Männer. Entweder „stimmt“ also die Realität nicht oder das „Modell Gender Pay Gap“ ist ungeeignet. Auch gibt es einzelne Regionen und Städte in denen der GPG negativ ist. Schwerin -0,5%, Frankfurt/Oder -3,2%, Cottbus -4,3% 12. Wenn man den GPG-Empörten glaubt, dann müssten dort Frauen die Männer diskriminieren und unterdrücken…

Es ist eine indirekte Folge der Berufswahl und Unterschieden in der Wirtschaft, die gar nichts mit Geschlechtern zu tun haben. Aber wenn mit dem Gender Pay Gap als Prozentzahl argumentiert wird, dann darf man auch die Zahlen nicht übergehen, die so gar nicht ins Bild passen.

Zur „Ostdeutschen Auffälligkeit“, speziell in meiner Heimat Mecklenburg-Vorpommern schreibe ich ein anderes Mal.

Interessant dabei ist, dass der GPG in Gegenden mit hohen Durchschnittseinkommen einen höheren Lohnunterschied haben, während Regionen mit niedrigerem Durchschnittseinkommen auch einen niedrigeren Gender Pay Gap haben.

19.3.2016
In Hamburg ist der Gender Pay Gap, aber auch das Einkommen überdurchschnittlich.

was bleibt

Insgesamt ist es ist die Frage um Gleichberechtigung, Gleichstellung und Gleichsein an sich. Wir haben gleiche Rechte. Menschen sind aber nicht gleich, sondern haben unterschiedliche Vorlieben und Fähigkeiten. Das führt zu unterschiedlichen Lebensstilen, aber auch zu unterschiedlichen Einkommen.

Das Geschlecht ist dabei nur eine Art es zu betrachten. Die Intelligenz wäre eine andere. Dass Menschen mit höherer Intelligenz ein höheres Einkommen haben – egal ob Mann oder Frau – dürfte einleuchten. Man könnte auch den „Intelligence Pay Gap“ berechnen: Den Verdienstabstand zwischen denen mit über- und unterdurchschnittlichen Intelligenzquotienten. Im Gegensatz zum Gender Pay Gap ist es aber kein politisch-mediales Thema. Vermutlich, weil es die Menschen nicht emotional abholt. Emotionen braucht es auch, denn ohne diese würde es beim Gender Pay Gap nur um statistische Berechnungen gehen.

Quellen

Consent Management Platform von Real Cookie Banner