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Deutschland für Anfänger Geschichte und Sightseeing

Die Hyper-Inflation in Deutschland 1923

Die Hyperinflation 1922/1923 ihre Beendigung durch die Rentenmark in Deutschland ist etwa 100 Jahre her und prägt aber immer noch die Gesellschaft. Die Angst vor steigenden Preisen und Wertverlust des ersparten Geldes ist besonders groß.

1922/1923, wenige Jahre nach dem Zusammenbruch der Monarchie zum Ende des Ersten Weltkrieges war die Zeit der Hyperinflation. Die Ursache der Geldentwertung waren massive Staatsausgaben aufgrund der Reparationszahlungen für die Siegermächte, Kriegsschulden und der allgemeinen wirtschaftliche Notlage. Der Staat hat das durch das Drucken von Geld bei der Notenbank finanziert.

Geldschein 1 Milliarde Mark

Ein 1000-Mark-Schein wurde überstempelt

Reichsbanknote 1922_1923 Inflation 1 Milliarde Mark

Höhepunkt der Inflation

Im November 1923, beendete die Einführung der Rentenmark die verheerende Hyperinflation in Deutschland. Die Ursache für die Hyperinflation lag in den hohen Ausgaben des Staates, um die Kriegslasten zu finanzieren, insbesondere die Reparationsforderungen der Siegermächte nach dem Ersten Weltkrieg. Die Situation verschärfte sich, als französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet besetzten und Deutschland zum passiven Widerstand aufrief. Die Arbeiter streikten und die Regierung zahlte ihre Löhne weiter, indem sie einfach Geld drucken ließ. Diese massiven Staatsausgaben führten zu einer Extremen Inflation.

Preisentwicklungen vor, während und nach der Inflation:

Eier:

Vor dem Krieg (1914)9 Pfennige pro Ei0,09 Reichsmark
Kriegsende (1918)36 Pfennige0,36 Reichsmark
Mitte 19211,55 Mark1,55 Reichsmark
Höhepunkt der Inflation (1923)440 Milliarden Mark440.000.000.000 Reichsmark
Nach der Währungsreform23 Rentenpfennige0,23 Reichsmark
Preisentwicklung für ein Ei

Straßenbahnfahrkarte (Berlin):

Vor dem Krieg (1914)10 Pfennige0,10 Reichsmark
Kriegsende (1918)15 Pfennige0,15 Reichsmark
Mitte 19214,00 Mark4,00 Reichsmark
Höhepunkt der Inflation (1923)150 Milliarden Mark150.000.000.000 Reichsmark
Nach der Währungsreform15 Rentenpfennige0,15 Rentenmark
Preisentwicklung eine Straßenbahnfahrkarte

Roggenbrot (Berlin):

Vor dem Krieg (1914)66 Pfennige0,66 Reichsmark
Kriegsende (1918)1,09 Pfennige1,09 Reichsmark
Höhepunkt der Inflation (1923)840 Milliarden Mark840.000.000.000 Reichsmark
Nach der Währungsreform64 Rentenpfennige0,64 Rentenmark
Preisentwicklung eins Roggenbrot in Berlin

Diese Zahlen veranschaulichen drastisch die extremen Preissteigerungen während der Inflationsperiode in Deutschland, gefolgt von einer drastischen Währungsreform, die zu einer erheblichen Entwertung der Mark führte.

Quelle: www.inflation1923.de

Mecklenburg-Strelitz Notgeld 1 Billion Mark
Mecklenburg-Strelitz Notgeld 1 Billion Mark

Beendigung der Inflation

Erst mit der Regierung unter Reichskanzler Gustav Stresemann im August 1923 wurden radikale Reformen eingeführt, um die Hyperinflation zu stoppen. Der passive Widerstand wurde beendet, die Erwerbslosenfürsorge reformiert, und es wurden drastische Sparmaßnahmen ergriffen. Diese Maßnahmen führten zu einem ausgeglichenen Haushalt und legten den Grundstein für die Einführung einer neuen Währung.

Die Rentenmark wurde im November 1923 eingeführt, basierend auf einem innovativen Konzept. Die Währung wurde nicht von der Reichsbank, sondern von einer neuen privatwirtschaftlich organisierten Notenbank, der Rentenbank, herausgegeben. Daher auch der Name „Rentenmark“. Sie war durch einen echten Wert, das Pfand auf den Grundbesitz, gedeckt. Dies und die drastischen Sparmaßnahmen schufen Vertrauen in die neue Währung.

Die Rentenmark stoppte die Hyperinflation praktisch über Nacht. Die Preise stabilisierten sich, und die neue Währung wurde zu einem vollen Erfolg. Später wurde eine neue Reichsbank gegründet und eine neue Reichsmark eingeführt, die aber an die Rentenmark gekoppelt war. Die Scheine wurden noch bis 1948 genutzt, als die D-Mark eingeführt wurde.

Die Hyperinflation hatte jedoch langfristige Auswirkungen auf die deutsche Bevölkerung. Ersparnisse wurden vernichtet, und der wirtschaftliche Niedergang der Mittelschicht verstärkte soziale Unzufriedenheit. Dies könnte zu den politischen Umwälzungen der 1930er Jahre beigetragen haben. Die Angst vor Inflation prägt auch heute noch die deutsche Mentalität.

Siehe auch: Aktien und Aktienkultur

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UNESCO Weltnaturerbe Grube Messel

Die Fossilienlagerstätte Grube Messel gehört zum Weltnaturerbe. Hier beschreibe ich kurz was es damit auf sich hat und gebe praktische Tipps für einen Besuch.

Lage und Erreichbarkeit

Messel ist eine Kleinstadt im Bundesland Hessen. Ca. 30 km von Frankfurt/Main und 10 km von Darmstadt entfernt. Die Grube Messel liegt außerhalb der Stadt, in einem Industrie- und Bergbaugebiet. Das kann auf einen Besucher erst einmal komisch wirken, wenn man einen besonderen Ort der Natur erwartet. Der Bergbau ist aber der Grund, weshalb die bedeutenden Naturschätze überhaupt gefunden wurde. Die Grube hat ein Besucherzentrum. Mit dem Auto ist es leicht erreichbar. Mit der Bahn ist es nicht ideal aber auch erreichbar. Der Bahnhof von Messel liegt im Industriegebiet und es gibt auch einen Bus. Vom Bahnhof zum Besucherzentrum kann man aber auch in einer halben Stunde zu Fuß gehen. Man muss nur den Schilder folgen.

Bedeutung als Weltnaturerbe

Die Grube Messel wird das „Pompeji der Archäologie“ genannt. Hier werden sehr viele Fossilien ausgegraben, die in einem sehr guten Erhaltungszustand sind. Auf der ganzen Welt gibt es so etwas kaum. Die Tiere und Pflanzen sind Millionen Jahre alt. Es sind aber keine Dinosaurier darunter, weil die Fossilien aus der Zeit danach stammen. Sie kommen uns ziemlich bekannt vor, allerdings vermutet man sie nicht in Mitteleuropa. Es sind Tiere aus den Tropenwald. Krokodile, Urpferde, Schildkröten, Insekten, Fische und kleine Säugetiere. Sie sind alle in einen See hineingefallen, den es vor Millionen Jahren gab und wurden konserviert. Den See gibt es nicht mehr. Heute wir Forschung betrieben, an der prähistorischen Tier, Pflanzenwelt und dem früheren Klima.

1995 wurde die Grube Messel von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt.

Besucherzentrum, Besuch und Führungen

Die Grube Messel ist ein „Forschungsbergwerk“. Sie ist abgesperrt und kann nicht einfach betreten werden. Man kann aber eine Führung mitmachen. Diese finden aber nur ein paar Mal am Tag statt. Die längeren Touren gibt es am Wochenende. An den Wochentagen kann man eine Kurztouren von ca. 1 Stunde mitmachen. Man sollte sich vorher aber informieren wann diese stattfinden, um den Besuch zu planen.

Im Besucherzentrum gibt es eine moderne Ausstellung zum Weltnaturerbe. Sie ist multimedial, es gibt Filme, Audiostationen und interessante Ausstellungsstücke. Die Texte an den Tafeln sind in Deutsch und Englisch. Hier ist alles auf das Wesentliche reduziert und gut verständlich. Hier kann man einer bis eineinhalb Stunden verbringen. Sie ist ein guter Einstieg, bevor man eine Tour macht.

Warum die Weltnaturerbestätte fast eine Müllkippe geworden wäre

Die jüngere Geschichte des Ortes ist auch interessant. In der Grube wurde ab 1859 Erz und Ölschiefer abgebaut, aus dem man Öl gewinnen konnte. Nebenbei hat man immer wieder Fossilien gefunden. 1970 wurde der Rohstoff-Abbau eingestellt. Es gab Pläne das große „Loch“ als Mülldeponie zu nutzen. Bürger wehrten sich aber gegen die Pläne und wollten die Fossilienforschung weiter ermöglichen. Am Ende hatten sie Erfolg, aber es war eine sehr knappe Entscheidung. Dort wo man später das Besucherzentrum gebaut hat waren schon erste Bauarbeiten für die Mülldeponie abgeschlossen. Eine Betonkante wo LKWs Müll ankippen wurde, wurde in das Gebäude des Besucherzentrums integriert.

Der Ort Messel

Wer sich für Fossilien interessiert, der findet im Ort Messel noch ein Museum. Messel hat nur ca. 4000 Einwohner. Es ist ein sehr ruhiger Ort, in dem es nur wenige Möglichkeiten zum Einkaufen oder Essen/Trinken gibt. Ich war an einem Dienstagnachmittag dort. Ich habe kein offenes Restaurant oder Biergarten gefunden. Zum Einkaufen oder um etwas zu erleben fahren die meisten Leute sicher in das große Darmstadt, das nur 10 km entfernt ist. Nur am Marktplatz gab es mehrere Leute zu sehen. Man kann in der Umgebung etwas wandern, aber darf keine Besonderheiten erwarten. Ich habe am Ende einen Döner in der Nähe des Bahnhofes gegessen.

Fazit

Ein Besuch im Weltnaturerbe Fossilienlagerstätte Grube Messel lohnt ich für Menschen, die sich für Natur interessieren. Es gibt keine aufregenden Dinosaurierknochen, aber man erhält trotzdem einen Einblick in das Leben vor Millionen von Jahren. Auch über Industriegeschichte kann man Einiges erfahren. Man darf keinen Freizeitpark erwarten, sondern sollte Freude an Natur und Wissenschaft habe.

Die eigentliche Grube. Das Gelände in dem nach Fossilien gegraben wird.
Besucherzentrum
Im Inneren des Besucherzentrums
Im Inneren des Besucherzentrums
Fossil eines Fisches
Fossil eines Fisches
Die Grube ist am Bahnhof ausgeschildert
Die Grube ist am Bahnhof ausgeschildert
In Messel
Welterbe Grube Messel Urpferd Logo
Welterbe Grube Messel Urpferd Logo
Prähistorisches Reptil
Prähistorisches Reptil
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Deutschland für Anfänger Politik und Gesellschaft

Schrebergarten-Phänomen

Schrebergärten“ oder „Kleingärten“ sind für manche Ausländer, aber besonders für nichteuropäische erklärungsbedürftig. Davon habe ich nicht nur gelesen, sondern diese Erfahrung auch persönlich gemacht.

Scheinbar ist es für Beobachter von außen nicht ganz klar, ob es dauerhaft bewohnte kleine Häuser sind oder etwas anderes. Dabei sind keine Wohnungen für Arme und auch nicht einfach Wochenendhäuser. Es steht dahinter ein Phänomen, dass es Mitteleuropa weit verbreitet ist.

Entwicklung

Um sie zu verstehen muss man in die Vergangenheit gehen. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert, zur Zeit der Industrialisierung, zogen viele Leute vom Land in die Städte. Diese waren vom schnellen Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum geprägt. Überall entstanden neue Fabriken, die aber das Leben in den Städten schmutzig und unangenehm machten. Zumindest in den Vierteln der Arbeiter. Die Massen von Fabrikarbeitern wollten frische Luft, konnten sich aber keinen Urlaub leisten. Bis auf die Sonn- und Feiertage hatten sie gar keine freien Tage. Die Leute waren auf ihre engen Stadtwohnungen beschränkt. Außerdem wuchs die Bevölkerung sehr stark – das führte auch zu großer Armut. Die Ernährung der Armen war ein Thema.

Die Lösung waren kleine Gärten, in denen man sich erholen konnte und auch Obst und Gemüse für die eigene Ernährung anbauen konnte. Dafür musste nur eine geringe Miete (Pacht) bezahlt werden. Die einzelnen Gärten waren wie heute noch umzäunt und nebeneinander gestellt. Auf dem Grundstück befinden sich meist kleine Häuschen („Lauben“). Die Kleingärtner organisierten sich in Vereinen. Die Kleingartenanlagen entstanden am Stadtrand. Später, durch das Wachstum der Städte wurden einige aber auch von ihr umschlossen.

Diese „Kolonien“ oder „Siedlungen“ waren viele nebeneinander liegende Gartenparzellen, mit gleicher Größe, Form und das Ganze war organisiert (in Vereinen). Sie passten also zur Moderne bzw. zur Industrialisierung. Man ist in der Masse aufgegangen – das war eine Entwicklung der Zeit. Gleichzeitig aber auch eine Art Gegenbewegung. Man hat ein Stück gesundes Landleben in der Industriestadt bekommen.

In der Mitte des 20. Jahrhunderts waren sie auch noch mal wichtig. Vor Allem nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Wohnungen knapp waren, durch Zuzug und Zerstörung, wurden manche Gärten auch dauerhaft genutzt. Die Phase des Wiederaufbaus war von großen Gebäuden für viele Bewohner geprägt. Auch da gab es ein Bedürfnis nach ein wenig Natur in der Großstadt…

Mit der Entwicklung der Wirtschaft/Gesellschaft und erweiterten Möglichkeiten wurden die Satzungen der Vereine immer wichtiger, denn mit der Individualisierung bestand auch die Gefahr, dass jeder sein eigenes Ding macht. Durch den Verlust der Gleichheit bestand die Gefahr, dass der Charakter der Siedlungen verloren geht. Dadurch werden die Satzungen streng durchgesetzt. Es mutet heute manchmal absurd kleinlich an die ganzen Regelungen durchzusetzen und aufrecht zu erhalten – Höhe von Hecken (damit man sich nicht abschottet…) und der Zwang Gemüse anzubauen (um den Charakter zu halten).

Die Bezeichnung „Schreber“-Gärten und andere Namen

„Schreber-“ kommt vom einem Arzt aus Leipzig, „Moritz Schreber“. Der hat Mitte des 19. Jahrhunderts eigentlich allgemein mit körperlicher Betätigung im Sinne der Gesundheit zu tun gehabt. Erst nach seinem Tod entwickelte sich aus seinen Ideen das Konzept des Schrebergartens. Kleingärten etc. Auch manchmal Datscha?

Gartenlaube -> das Haus darauf, manchmal aber auch Synonym zum Kleingarten.

Regeln

  • Kleingärten werden üblicherweise verpachtet und nicht verkauft.
  • man muss in einen Kleingartenverein eintreten. Dieser stellt Regeln auf
  • Man darf nicht dauerhaft darin wohnen.
  • Es gibt genaue Vorschriften wie groß das Garten-Haus ist, das man bauen darf.
  • auch ist oft vorgegeben wie viel Fläche mindestens mit Gemüse angepflanzt werden darf. Auch die Höhe der Hecken ist streng geregelt.

Manche Siedlungen haben sich gewandelt. Die Leute haben (trotz Verbot) ihre Häuser immer mehr ausgebaut, so dass sie eigentlich kleine Wohnhäuser sind.

Besonderheiten

Manchmal liegen sie dort wo man überhaupt keine Entspannung vermuten würde: direkt an Bahngleisen oder Schnell-Straßen etc. Ich vermute der Grund der Platzmangel in den Städten.

Mit Fahnenmasten kann man sich ausdrücken. So sieht man Deutschland-Fahnen oder andere Fahnen mit denen die Leute sich verbunden fühlen.

Bedrohungen der Kleingarten-Kultur

Als die bestehenden Kleingärten-Kolonien vor Jahrzehnten gegründet wurden lagen sie meist am Stadtrand. Die Städte sind oft um sie „herumgewachsen“ und liegen oft innerhalb der bebauten Flächen. Siedlungen in solchen Lagen sind heute oft begehrtes Bauland.

Früher, als Lebensmittel gemessen am Einkommen noch teurer waren hat das Selbst-Anbauen von Gemüse einen Vorteil gebracht. Heute kann man allerdings jedes Gemüse zu günstigen Preisen im Supermarkt kaufen. Auch ohne Gartenarbeit. Das Anbauen von eigenen Lebensmitteln ist heute also nicht mehr nötig, sondern ein Hobby. Es geht hauptsächlich um Erholung in den Gärten. Dadurch geht in manchen Regionen etwas von der ursprünglichen Kleingarten-Kultur verloren.

Allerdings muss man dabei bedenken, dass diese Kleingarten-Kultur eng mit der beschriebenen Industrialisierung verbunden ist. Die Kleingärten sind also ein Phänomen, das sich langsam wandelt.

Wie viele gibt es?

Es gibt in Deutschland fast 1 Million Kleingärten. In Ostdeutschland sind sie auf die Einwohnerzahl gerechnet aber 3 Mal so häufig wie in Westdeutschland. Das hat historische Gründe. Während der Teilung Deutschlands in zwei Staaten wurden in der DDR viele Wohnblöcke gebaut und für deren Einwohner wurden auch gleich Kleingarten-Kolonien angelegt. In den neuen Bundesländern gibt es rund 500 000 Gärten. In den alten Bundesländern genauso viele, obwohl dreimal so viele Menschen dort leben.

Weitere Infos:

https://www.gartenhaus-gmbh.de/magazin/schrebergarten-die-10-wichtigsten-zahlen-und-fakten/

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Deutschland für Anfänger Sprache

Kleines Lexikon der Beleidigungen

Beleidigungen oder Schimpfwörter – das sind oft die ersten Worte, die man in einer Sprache lernt. Ich bin nicht weit von der deutsch-polnischen Grenze aufgewachsen. Die ersten Worte, die ich auf polnisch gelernt habe waren „Kurwa“ und „spir dalay“. Mit einem türkischen Freund habe ich darüber diskutiert welche Gruppen unter „Kanaken“ bezeichnet werden. Nur Türken, oder auch Araber bzw. Perser?

Hier möchte ich ein paar geläufige Schimpfwörter bzw. Beleidigungen aufschreiben. Ich selbst benutze so gut wie keine davon. Ich kenne sie aber und schreibe die Wörter ohne Beschönigungen auf.

Stellt euch vor: Eine Französin, eine Dänin, ein Araber und ein Deutscher sitzen zusammen und tauschen sich über Beleidigungen aus. So bin ich einen Entwurf für dieses Lexikon durchgegangen. Erwachsene Leute haben kein Problem darüber zu sprechen.

Die Worte sind immer Kontextabhängig. Es gibt welche, die nach dem Wörterbuch neutral sind. Je nach Situation haben sie aber eine abwertende Bedeutung.

Diese Aufzählung ist rein wissenschaftlich und bildet nur die Realität ab.
Sie wird von mir subjektiv kommentiert und bewertet.

Diese Einteilung (Skala) zeigt den „negativen Respekt“ an.

Schwach Kann man mal benutzen. Ist in der Öffentlichkeit nicht als persönlich zu sehen.
MittelSchon böse. Menschen könnten daraufhin aggressiv werden.
StarkJe nachdem wer es hört kann das großen Ärger geben…

Beleidigungen von Personen bezogen auf:

Beleidigungen lassen sich in Kategorien einteilen. Übrigens: Ich verwende immer die männliche Form. Es gibt oft nur eine männliche Form des Wortes.

kognitive Fähigkeiten

„Idiot“Man kennt es in vielen Sprachen. Idiotie war ursprünglich ein medizinische Diagnose für Leute mit Denkstörungen. Heute benutzt, um jemanden als dumm zu beleidigen.
„Depp“Wie Idiot, aber etwas schwächer. Mit ironischem Unterton kann man auch einem Freund sagen „Du bist ein Depp!“, wenn man ehrlich sagen möchte, dass er etwas dummes getan hat.
„Trottel“Betont, dass jemand ungeschickt ist und Fehler macht.
„Hirni“
„Knallkopf“, „Knaller“im Sinne von „sehr auffällig dumm“. Knaller kann auch ironisch positiv sein.
„Heini“

soziale Gruppe

Wort/Varianten Info
„Horst“, „Vollhorst“Bezieht sich auf den Vornamen „Horst“, der aus der Mode gekommen ist.
„Bauer“(dieses Wort kann neutral oder als Beleidigung genutzt werden). Bezieht sich auf den Beruf Bauer oder Landwirt. Wird im Bezug darauf genutzt, dass Menschen aus ländlichen Gebieten ungebildet seien.
„Proll“, „Prolet“Von „Proletarier“, bezieht sich auch auf soziale Gruppen, denen man unterstellt sie seien ungebildet. Anders als beim „Bauer“ hat der Begriff seinen Ursprung bei einfachen Arbeitern (in der Stadt).
„Bonze“Genutzt für Menschen in höheren Positionen, um sie als arrogant und weit entfernt vom einfachen Menschen darzustellen. Z.B. „Parteibonze“
„Schnösel“Ähnlich wie „Bonze“. Aber eher für einen selbstgefälligen, reichen, arroganten Menschen. In anderen Sprachen: Google übersetzt es ins Englische als „prig“
„Penner“Das klassische Schimpfwort für obdachlose Menschen. Von „pennen“, einem umgangssprachlichen Begriff für schlafen. Ein Penner ist jemand, der auf der Straße pennt/schläft. In anderen Sprachen: Google übersetzt es ins Englische als „jerk“
„Hartzer“Ein dauerhaft Arbeitsloser. Meist im Kontext von ungebildeten Leuten, die zuhause sitzen, evtl. tagsüber trinken und rauchen. Kommt von „Hartz4“, dem umgangssprachlichen Begriff für das Arbeitslosengeld 2, welches Langzeitarbeitslose zur Unterstützung bekommen. „Einen auf Hartz IV machen“ ist die abfällige Umgangssprache für „Von Hartz 4 leben“. Kann aber auch selbstironisch genutzt werden.

sonstige Eigenschaften

Wort/Varianten Info
„Weichei“Wie ein weiches Ei… D.h. schwach, ängstlich, also jemand der sich etwas nicht traut. Man kann jemanden sagen „Du bist ein Weichei!“ wenn man jemanden dazu bringen möchte sich etwas zu trauen.
„Pussy“auch jemand „weiches“. Weich wie eine Frau, oder besonders weiche Frau
„Muttersöhnchen“Jemand Unselbstständiges. Jemand, der davon abhängig davon ist was die Mutter sagt. Gilt für Kinder und auch für erwachsene (Männer).
„Alki“Kurzform und Umgangssprache für „Alkoholiker“. Bei unteren soziale Schichten genutzt.
„Suffkopp“, „Suffi“Wie „Alki“, aber nicht in allen Regionen genutzter Ausdruck. Bezieht sich auf „Saufen“ als vulgäres Wort für „(Alkohol) trinken“. Aus dem hochdeutschen Sauf-Kopf (was niemand nutzt) wird Suff-Kopp.
„Schisser“Jemand, der besonders viel Angst hat. (Jemand, der sich vor Angst „in die Hose scheisst“)
„Bastard“Ursprünglich ein unehelich geborenener Sohn. Diese eigentliche Bedeutung spielt heute keine Rolle, denn in der deutschen Mehrheitsgesellschaft sind Kinder, die nicht in einer Ehe geboren wurden nichts moralisch Verwerfliches mehr wie noch vor vielen Jahren. Das Wort wird aber noch benutzt, weil es mit „minderwertig, verkommen, ehrenlos“ verbunden wird.

Vergleiche mit Tieren

Wort/Varianten Info
„Schwein“, „Sau“Auch als Beleidigung genutzt. Geht auf das Klischee zurück, das Schweine sehr unsauber sind (Was aber tatsächlich nicht stimmt). Mit einer Verbindung mit Schwein oder Sau (weibliches Schwein) damit kann man aus einem neutralen Begriff eine Beleidigung machen: „Bayern-Schweine“ (Fussball, FC Bayern), „Schweine-System“ (meist von Linksextremisten gebraucht)
„Kuh“„Kuh“ als schwerfälliges Tier wird auch als Schimpfwort für Frauen benutzt. Oft wird es dann von Frauen für andere Frauen benutzt.
„Affe“Wenn man jemand als „leicht Verrückten“ bezeichnen möchte. Kann auch rassistisch genutzt werden, um jemanden zu entmenschlichen.
„Ratte“Um Jemanden als hinterlistig und schmutzig zu beleidigen.
„Ungeziefer“für Gruppen
„Bulle“Beleidigung und abfälliges Wort für Polizisten. Im Englischen „cop“ oder „pig“
„Hund“Vorrangig durch türkisch/arabische Migranten benutzt. „Du Hund!“
(falsche) „Schlange“eine hinterlistige Frau
„Brillenschlange“hauptsächlich durch Kinder benutzt, um andere Kinder abzuwerten, die eine Brille tragen
(Köter)„Köter“ ist eine „Beleidigung“ für Hunde. Für Menschen wird sie üblicherweise nicht genutzt.

Sau-…, aber auch Schweine-… sind Verstärker, also positiv oder negativ (saugeil, saugut, schweinekalt, saukalt)

Sexualität

Wort/Varianten Info
„Wichser“
„Schlampe“, „Nutte“, Hure
„Hurensohn“
„Fotze“abfällige Bezeichnung für das primäre weibliche Geschlechtsorgan, das auch als starkes Beleidigung für die ganze Frau genutzt wird.
„Tunte“, „Homo“, „schwul“verliert langsam beleidigenden Charakter
„Schwuchtel“abfällige Bezeichnung für Schwule/ homosexuelle Männer. Wird allerdings oft auch für nicht-homosexuelle Männer benutzt und hat eine ähnliche Bedeutung wie „Weichei“ oder „Pussy“
„Arschficker“besonders abfällige Bezeichnung für Schwule/ homosexuelle Männer.

Schmutz / Fäkalien

Wort/Varianten Info
„Arsch“, „Arschloch“eine häufig benutzte Standard-Beleidigung, die auf den Vergleich mit dem „schmutzigsten“ Körperteil abziehlt
Scheiße, bzw. Scheiß-„…“Als direkte Beleidigung nutzt man Stück, also: „Du Stück Scheiße!“. Man nutzt es auch als Adjektiv, also „Du bist scheiße!“ oder „XY ist scheiße“. Man kann auch etwas beliebiges als „Scheiß-…“ bezeichnen. Oft auch als Zusammensetzung mit normalen Worten. Beispiel 1: „Auto“ ist ein neutrales Wort. Mit „Scheiß-Auto“ drückt man aus, dass es ein schlechtes Auto ist. Beispiel 2: „Ausländer“ oder „Deutscher“ ist auch neutral. Wenn man „Scheiß-Ausländer“ oder „Scheiß-Deutscher“ sagt, dann beleidigt die Herkunft. (siehe dazu die nächste Kategorie)
Drecks…selbes Prinzip wie „Scheiß…“ (Drecks…) Verstärkung wie Sau/Schwein Für …Schlampe, …sau, …schwein Beispiel: Drecksfotze. Aber auch Dinge wie „Drecksauto“, „Dreckstür“, Dreckssoftware etc.
Mist, Mist…, Miststück„Mist“ ist funktioniert genauso wie Dreck oder Scheiß. Ist aber etwas schwächer. Sehr verbreitet ist das Wort „Miststück“ – eine typische Beleidigung von Frauen für Frauen.

Herkunft / Ethnie / Rasse

Wort/Varianten Info
„Kanake“Beleidigung für Einwanderer aus dem vorderasiatischen Raum, besonders für Türken in Deutschland. Wird von Türken aber auch als identitätsstiftende Selbstbezeichnung benutzt (ähnlich wie „Nigger“ in den USA). Das Wort hat seinen Ursprung als Selbst-Bezeichnung von Südsee-Völkern und ist wohl durch die europäische Kolonisierung dort nach Europa gekommen. Wie das Wort genau verbreitet wurde und wie es zur Beleidigung wurde ist unbekannt.
„Kartoffel“ / „Hans“Deutsche (von Türken und Türkeistämmigen für Urdeutsche benutzt)
„Alman“Ähnlich wie „Kartoffel“ / „Hans“. Bedeutet eigentlich nur „Deutscher“ auf türkisch bzw. arabisch. Es wird von Türken, Türkeistämmigen und Arabern aber auch so benutzt, dass Urdeutsche abfällig/verächtlich/respektlos benannt werden. In den letzten Jahren wird er aber manchmal auch von Deutschen ohne Migrationshintergrund genutzt, um eine bestimmte Gruppe von Deutschen zu bezeichnen. Für „verweichlichte, über-tolerante, nette Deutsche, die sich nicht wehren, wenn man sie angreift oder beleidigt“. Also die Gruppe, die tatsächlich dem Klischee entspricht, das viele Einwanderer aus dem Nahen und Mittleren Osten von Deutschen haben.
„Bimbo“für Schwarze, „Nigger“ als englisches Wort ist selten. Das Wort „Neger“ (engl. „negro“) ist schwer zu beurteilen. Es erlebt gerade einen Wandel. Früher allgemein und heute bei einem Teil der Bevölkerung (meist Ältere) ist es nicht als Beleidigung gemeint, sondern (wenn auch leicht abfällig) als Wort für Schwarze. Mehr und mehr wird es aber als Beleidigung definiert.
„Jude“Neutrales Wort, das als Schimpfwort benutzt werden kann. „hinterhältig“, sehr politisch unkorrekt. Wird aber noch benutzt, oft von Türken/Arabern oder Staatsbürgern mit arabisch/türkischem Hintergrund
„Nazi“eigentlich für Neonazis und Rechtsextreme, wird aber oft benutzt um jemanden zu diffamieren oder anzuschuldigen. Unterstellung von Rassismus (von Europäern)
„Polacke“für Polen
„Schlitzauge“für Asiaten. Daneben gibt noch das Wort „Fidschi“, das in Ostdeutschland genutzt wird.
„Spaghetti“ / „Itacker“Italiener
„Froschfresser“, „Franzacke“Franzosen
„Schluchtenscheisser“Österreicher
„Piefke“In Österreich ein beleidigender Ausdruck für Deutsche. („Piefke“ war ein deutscher Komponist?!)
„Saupreiß“In Bayern für alle Nicht-bayerischen Deutschen. Früher ernst, heute eher ironisch
„Gelbfüssler“für Baden-Würtemberger (nur Badener?) -> historischer Ursprung. Heute aber keine starke Beleidigung.

Behinderungen und Aussehen

Wort/Varianten Info
„Krüppel“
„Mongo“bezieht sich ursprünglich auf das Down-Syndrom, das bis in die 1960er „Mongolismus“ genannt wurde
„Spast“, „Spasti“Aus dem medizinischen Bereich: Spastik/Spastiker (Gehirn oder Rückenmarksschädigung). Diese Bedeutung ist aber kaum noch bekannt. Das Spast oder Spastiker wird wie das Wort „Idiot“ genutzt
„behindert“Neutrales Wort, das als Schimpfwort benutzt werden kann. „Du bist doch behindert!“
„Missgeburt“selbsterklärend?
„hässlich“selbsterklärend
„Hackfresse“bezieht sich auf ein hässliches Gesicht (Fresse, vulgäres Wort für Mund)
„Fettwanst“, „fett“auf Aussehen bezogen, „fette Kuh“

Ursprünglich religiöse Wörter und Sonstiges

Wort/Varianten Info
„Sack“
„Teufel“religiöser Ursprung, heute veraltet
„Gesochs“, „Pack“, „Abschaum“für Gruppen

Es gibt noch so viele mehr, aber für die einen bin ich zu alt, andere sind regional und andere habe ich noch nie gehört.

Beleidigende Ausdrücke

Die Beleidigungen, die ich hier aufgezählt habe werden genutzt, indem man sagt dass jemand … ist. Genauso wie für Menschen gilt das auch für Tiere und Dinge.

Z.B. „Du bist ein Arschloch!“

Daneben gibt es noch „beleidigende Ausdrücke“

  • „Fick dich!“ (Kurzform von „Fick dich selbst!“) -> Wie das englische „Fuck you!“ (auch die Englische Version wird in Deutschland genutzt, gefühlt noch häufiger)
  • „Ich ficke Dich!“, „Ich ficke… deine Mutter/Freunde/etc.!“, so wie „Ich mache dich fertig!“-> im Sinne von jemanden etwas Schlechtes antun (z.B. schlagen)
    -> hier gibt es aber unzählige Ausdrücke, die das gleiche meinen, die aber mehr oder weniger vulgär sind
  • „Verpiss Dich!“ -> vulgär für „Geh weg!“ oder „Verschwinde!“. Wenn man über andere redet („Er hat sich verpisst“) dann bedeutet dass, dass die Person sich still/heimlich/aus Angst entfernt hat. (Dieser Ausdruck kommt aus der Militärsprache -> dazu mehr in einem anderen Beitrag), Englisch „piss off!“

Straftatbestände, Urteile und Strafen

Beleidigung (von Einzelpersonen)
(Paragraf 185 des Strafgesetzbuches)
In diesem Paragrafen steht nicht viel, auch wird dort nicht definiert was eine Beleidigung ist. Man kann es erkennen wenn man sich Gerichtsurteile ansieht. Ob etwas eine Beleidigung ist (oder nicht) wird also vor Gericht, von Richtern festgestellt. Wer sich beleidigt fühlt muss also erst einmal eine Anzeige erstatten.
Der Paragraf 185 StGb besagt, dass eine festgestellte Beleidigung mit Gefängnis bis maximal einem Jahr oder mit einer Geldstrafe bestraft werden muss. Wenn bei einer Beleidigung auch eine körperliche Handlung (Ohrfeige, Anspucken etc.) dazukommt wird das Strafmaß höher. Dann sind es maximal 2 Jahre Gefängnis. (Eine Strafe wegen Beleidigung läuft aber immer auf eine Geldstrafe hinaus, ich habe noch nie von einer Gefängnisstrafe wegen Beleidigung gehört)

Volksverhetzung (Beleidigung von „Minderheiten“)
(Paragraf 130 des Strafgesetzbuches)
Gegen Beleidigung von Personen und ganze Bevölkerungsgruppen (Herkunft, Rasse, Ethnie, Religion). Zum Beispiel wenn jemand alle Schwarzafrikaner beleidigt.
Der Artikel bezieht sich aber ausdrücklich auf Minderheiten-Gruppen. Deutsche fallen nicht darunter, so dass der Paragraf auch kritisiert wird. Es gibt zum Beispiel ein Gerichtsurteil in dem gesagt wird, dass eine Beleidigung von Deutschen nicht unter diesen Artikel fallen kann. Im „Köterrasse“-Fall hat ein Türkeistämmiger in einem Twitter-Post alle Deutschen als „Hundeclan“/“Köterrasse“ (anders gesprochen Rasse von dreckigen Hunden) bezeichnet. Dies wurde in Hamburg nicht als „Volksverhetzung“ gewertet. Würde aber ein Deutscher türkischstämmige Bürger so beleidigen, also im umgekehrten Fall wäre es eine Straftat.

Zusätzlich werden damit positiver oder relativierende Äußerungen zu bestimmten Verbrechen im Nationalsozialismus (1933-1945) abgedeckt. So auch, wenn man den Holocaust leugnet – d.h. zu behaupten dass er nicht stattgefunden hat. Viele Straftaten bezüglich dieses Paragrafen beziehen sich auf dieses Themenfeld.

Ausdruck von Ärger

„Scheiße!“, „Verdammt!“, „Mist!“, „So ein Scheiß…“ sind Ausdruck von Ärger. Sie sind keine Beleidigungen gegen Personen, sondern so etwas wie „Beleidigungen von Situationen oder Dingen“.

„Verflixt!“ oder „Kruzifix!“ sind Beispiele für Ausdrücke, die heute veraltet sind. Sie werden meistens nur noch ironisch benutzt.

Diese Ausdrücke führen uns aber schon in ein anderes Thema. Das allgemeine Thema der „vulgären Sprache“. Dies werde ich aber in einem anderen Beitrag behandeln.

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Arbeit und Wirtschaft Deutschland für Anfänger

Aktien und Aktienkultur

Eine der ersten Fragen, die ich meinem Freund David aus Australien gestellt habe, als ich ihn kennengelernt habe war: „Bei welcher Bank hast du dein Konto?“. Das lag daran, dass ich kurz davor Aktien von Australischen Banken gekauft habe (Ich war tatsächlich Miteigentümer seiner australischen Bank). Wir tauschen uns oft über Aktien, Kryptowährungen und Ähnliches aus. Am Anfang habe ich mit ihm über Konten bei deutschen Banken gesprochen. Dann, mitten im Corona-Börsencrash haben wir über die Chancen für Investitionen gesprochen. Das war der Anstoß hier einmal über Aktien und Aktienkultur in Deutschland zu schreiben.

Wie funktioniert eine Aktie?

Unternehmen haben Eigentümer. Wenn das mehrere Eigentümer sind, dann hat jeder einen bestimmten Anteil. Wie die Eigentumsrechte organisiert sind ist sehr unterschiedlich. Unternehmen, die auf Aktien basieren sind eine Möglichkeit davon.

Aktienunternehmen sind in Tausende oder Millionen Aktien aufgeteilt. Eine Aktie ist also ein (winziger) Anteil am Unternehmen. Sie werden an Börsen gehandelt, können also leicht gekauft und verkauft werden. Und das von jedem (Personen oder andere Unternehmen). Anders als bei anderen Unternehmen braucht man keine aufwändigen Kaufverträge und Absprachen.

Beispiel: Das Unternehmen X besteht aus 100 Millionen Aktien. (Ein Mensch mit braunen Haaren hat ca. 110.000 Haare auf dem Kopf. Das wären also die Anzahl der Kopfhaare von 909 Menschen)

Dividende

Unternehmen haben (wenn es gut läuft) Gewinn. Die Leitung des Unternehmens macht einen Vorschlag wie viel davon an die Aktionäre gezahlt werden soll. Die Aktionäre beschließen gemeinsam ob das Geld an alle ausgeschüttet wird. Das Geld landet direkt auf dem Konto. In Deutschland geschieht das typischerweise einmal im Jahr, etwa April und Mai.

Beispiel: Man besitzt eine Aktie, die 100€ Wert ist. Die Dividende wird auf 3€ festgelegt. Dann werden auch 3€ auf das eigene Konto ausgezahlt.

Hauptversammlung

Meist im Frühling/Sommer finden auch die „Hauptversammlungen“ statt. Es ist wie „das Parlament“ des Unternehmens in dem grundlegende Beschlüsse gefasst werden. Mit jeder Aktie hat man ein Stimmrecht. Dort wird man eingeladen, auch mit nur einer einzigen Aktie. Man kann auch eigene Anträge stellen und kann an den Vorstand Fragen stellen, die sie beantworten müssen. Es ist also eigentlich wie in einem demokratischen Parlament. Mit dem Unterschied, dass nicht jede Person das gleiche Stimmrecht hat, sondern die Person so viele Stimmrechte hat wie sie Aktien besitzt.

Steuern

In Deutschland zahlt man Steuern auf Einkommen. Einkommen kann sein: Arbeitslohn/Gehalt, Zinsen, die man erhält oder Dividenden (Kapitalerträge). Die Steuersätze sind unterschiedlich. Wer mehr verdient, der zahlt auch einen höheren Prozentsatz. Bei Kapitalerträgen kann man die Steuer sofort abziehen lassen. Man zahlt dann 25% auf Gewinne und Dividenden.

Beispiel Gewinn:
Man kauft eine Aktie für 100€ und verkauft sie später für 120€. Das sind 20€ Gewinn. Davon bezahlt man 25% -> 5€. Es bleiben 15€ übrig.

Beispiel Dividende:
Bei 3€ Dividende sind das 0,75€ Steuern. Es bleiben also 2,25€ übrig.

Bis zu 801€ pro Jahr sind aber steuerfrei. Wer nur wenig investieren kann, der muss somit keine Steuern bezahlen. Hierzu muss man den Freistellungsauftrag bei der Bank angeben. https://www.finanztip.de/freistellungsauftrag/

Wer 20 Aktien des Unternehmens X hat, der bekommt 20 x 3€ = 60€. Ohne Steuerabzug
Wer 300 Aktien hat, der bekommt 900€. Er muss auf 99€ Steuern bezahlen (24,75€). Es bleiben 875,25€

Keine Angst: Man braucht nicht selbst rechnen. Die Bank erledigt das alles für dich!

Wenn man Aktien von ausländischen Unternehmen hält, dann bezahlt man auch im Ausland Steuern. Das wird automatisch abgezogen. Einen Teil davon kann man wieder bekommen. (Ist kompliziert. Infos hier: https://www.finanztip.de/indexfonds-etf/quellensteuer/)

Vz. und St.-Aktien

Bei deutschen Aktien gibt es manchmal für ein Unternehmen zwei Arten von Aktien. Diese haben den Zusatz „Vz.“ oder „St.“

  • „St.“ -> Stammaktien. Diese Aktien haben ein Stimmrecht auf der Hauptversammlung.
  • „Vz“ -> Vorzugsaktien. Wer diese Aktien besitzt, hat kein Stimmrecht auf der Hauptversammlung. Als Ausgleich muss per Gesetz ein wenig mehr Dividende ausgezahlt werden. (Für Kleinanleger sind sie interessanter, weil sie meist viel günstiger sind und Kleinanleger kaum in der Unternehmenspolitik aktiv sein wollen).

Wie kaufe ich Aktien?

Man braucht ein Aktiendepot. Die Aktien, die man besitzt sind dort aufgelistet, mit Anzahl, Einkaufspreis, aktuellem Kurs etc. Man kann dort Kauf- und Verkaufsaufträge („Order“) erstellen, mit denen dann Aktien oder andere Wertpapiere gekauft/verkauft werden. Es fallen dabei auch Gebühren an. Für einen Kauf/Verkauf bezahlt man um die 10€. Bei sehr günstigen Anbietern geht es ab 4€ los.

Man kann das Depot entweder bei einer Bank eröffnen oder eine spezielle Plattform (Online Broker) nutzen.

Für Empfehlungen bei welcher Bank bzw. Anbieter man es eröffnen sollte kann ich die Website finanztip.de empfehlen: https://www.finanztip.de/wertpapierdepot/ . Finanztip ist eine unabhängige Stiftung für Verbraucherinformationen zu Finanzthemen.

Fonds: Man kauft Aktien entweder einzeln oder in Fonds. Fonds sind ein Paket von Aktien. Man kauft Anteile an dem Paket. Das hat den Vorteil, dass man an vielen verschiedene Unternehmen Anteile hat. Das senkt das Risiko und man baucht selbst nicht viel Ahnung von den einzelnen Unternehmen. Bei den Fonds sind „ETF“ sehr beliebt, weil dort die Gebühren nicht hoch sind.

Sparplan: Wenn man automatisch einen bestimmten Geldbetrag investiert, sagen wir jeden Monat 100 €. Man kauft damit z.B. einen ETF zu einem Durchschnittspreis im Laufe der Zeit. Dann geht man nicht das Risiko ein, das Geld zu investieren, wenn der Preis hoch ist. Man braucht sich nicht darum zu kümmern, es läuft automatisch. Man kann einen Sparplan stoppen oder ändern, wenn man es möchte. Es heisst sparplan, weil man ormalerweise einen Plan hat: Z.B. „In 15 Jahren möchte ich einen Betrag von X € investiert haben“. Es gibt auch eine steuerfreie „Hilfe“ von Arbeitgebern dafür (wenn sie ihn anbieten) .Es sind ungefähr 20 € pro Monat. „Vermögenswirksame Leistungen“. Diese sind nur mit einigen ETFs möglich. Und nicht zu vergessen: Es kostet weniger als der monatliche Kauf von ETFs.

Wie verbreitet ist der Besitz von Aktien in Deutschland?

Risikoaversion

Anders als in anderen vergleichbaren Ländern besitzen in Deutschland nur sehr wenige überhaupt Aktien. Das wird einmal auf historische Erfahrungen zurückgeführt: Vermögensverluste während der Hyperinflation in den 1920er Jahren, die Verluste durch den Krieg, an dessen Ende reine Finanzvermögen weniger Stellenwert als Lebensmittel und andere Tauschmittel hatten und durch Verluste in den letzten 20 Jahren. In den 1990ern wurden Staatsunternehmen privatisiert und es wurde dafür geworben dass Privatpersonen darin investierten. So zum Beispiel die Telekom-Aktie. Sehr viele hatten sie gekauft, aber nach dem Platzen der DotCom-Blase (Börsencrash 2000) sind die Aktien gefallen und haben sich seitdem nicht erholt. Das war für viele der Moment als sie begonnen hatten Aktien zu kaufen. Sie haben schlechte Erfahrungen gemacht und danach nie wieder Aktien angefasst. Zur gleichen Zeit hat das Geld auf dem Konto noch mehr Geld gebracht – und das ohne Risiko, als Zinsen. Deutsche sind einfach auf mehr Sicherheit und weniger Risiko bedacht. Renditen sollen garantiert sein, auch wenn sie dafür gering sind.

Ein anderer Faktor ist, dass der Sozialstaat dermaßen weit ausgebaut ist, dass es lange Zeit gar nicht notwendig war ein privates Geldvermögen für die Altersvorsorge aufzubauen. Die Rente hat immer funktioniert. Der Staat verteilt viel Geld um. Daher muss der Einzelne weniger alleine vorsorgen. Daher war der Bedarf an Aktieninvestitionen lange nicht vorhanden. Erst in den letzten Jahren hat man gemerkt, dass es durch den demografischen Wandel nicht mehr so gut funktioniert. Immer weniger Jüngere müssen für immer mehr Ältere bezahlen. Die Leute haben aber immer noch nicht erkannt wie wichtig z.B. Aktien sind. (Das gleiche Prinzip führt übrigens auch dazu, dass viele Leute zur Miete wohnen und die Wohnung nicht selbst besitzen. Mieter haben in Deutschland vergleichsweise viele Rechte. Daher braucht man nicht eine Eigentumswohnung, um sich vor Willkür von Vermietern zu schützen.)

Wer besitzt Aktien?

Aktien werden mit Spekulation und extrem Reichen in Verbindung gebracht. Dabei wird kaum gesehen, dass es einfach nur Anteile an Unternehmen sind. An deren Gewinne kann sich jeder beteiligen.

Viele deutsche Unternehmen sind sehr erfolgreich und international tätig. Aber von den DAX-Unternehmen haben mehr als die Hälfte ausländische Eigentümer.

Nur 11% der Deutschen besitzen Aktien. Davon sind die allermeisten Rentner/Pensionäre. Jüngere haben sie kaum, man weiß auch kaum wie es funktioniert.

Welche Unternehmen basieren auf Aktien?

Vereinfacht beschrieben sind Unternehmen, die von mehreren Menschen besessen werden „Gesellschaften“. Dabei wird zwischen Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften unterschieden. Eine Kapitalgesellschaft existiert theoretisch unabhängig von den Menschen, die sie besitzen. Es ist eigentlich „ein Haufen Geld, den irgendjemand besitzt“. Unternehmen haben eine Rechtsform, es ist die äußere Form dieses „Geldhaufens“. Aktien geben Unternehmen mit einer bestimmten Rechtsform aus:

AG
Die klassische deutsche Rechtsform ist die „Aktiengesellschaft“, abgekürzt AG.

SE
Bei sehr großen Unternehmen ist auch die Societas Europaea SE verbreitet. Das ist eine Rechtsform in der EU. Damit ist es besser möglich in den verschiedenen Staaten der EU zu agieren.

Vergleichbar mit:

  • public limited company (abgekürzt plc) -> UK, Irland (Vodafone plc …)
  • corporations (abgekürzt Inc. oder Corp.) -> USA/Kanada (Apple Inc., Microsoft Corp. …)
  • „Société Anonyme“ (abgekürzt S.A. oder SA) -> Frankreich, Belgien (AXA S.A., L’Oréal S.A. …)

Beispiele für börsennotierte Unternehmen

Autohersteller und Zulieferer

BMW AGgroßer Premiumhersteller
Daimler AGgroßer Premiumhersteller
Volkswagen AGder größte Autobauer der Welt

Immobilien

Vonovia SEdas größte Immobilien-unternehmen in Deutschland

Energieversorgung

E.ON SEEnergiedienstleistungen, erneuerbare Energien und Atomkraftwerke
RWE AGEnergieversorgungs-unternehmen (Strom und Gas)
Encavis AGbetreibt Solar- und Windparks

Telekommunikation

Deutsche Telekom AGMarktführer in Deutschland
Telefónica Deutschland Holding AGTochterunternehmen der spanischen Telefónica in Deutschland. Bekannteste Marke ist O2.
Freenet AGhat auch die Marken mobilcom debitel, gravis, klarmobil etc.

Chemie

BASF SEVom Umsatz her das größte Chemieunternehmen der Welt.
Der Hauptsitz ist in Ludwigshafen am Rhein.
Dort kann man eine kostenlose Besichtigung auf dem größten Chemie-Produktionsstandort der Welt mitmachen.
Linde plcEines der weltweit führenden Unternehmen für Industriegase und Anlagen.
Nach einer Fusion den rechtlichen Sitz in Irland als „plc“

Konsumgüter

Adidas AGSportartikel
Henkel AG & Co. KGAStellt z.B. Waschmittel her. Marken sind z.B. Pritt, Persil, Pril etc.
Hugo Boss AGKleidung
Fielmann AGOptiker, Marktführer

Maschinen, Anlagen, Technologie

Siemens AGTurbinen, Kraftwerke etc.
Washtec AGWeltmarktführer für Fahrzeugwaschanlagen
Nordex SEbaut Windkraftanlagen
Rheinmetall AGbaut Rüstungsgüter wie Panzer

Banken und Versicherungen

Allianz SEMarktführer für Versicherungen in Deutschland
Commerzbank AG

Verkehr und Logistik

Deutsche Post AGPaket und Postdienstleistungen. Inklusive DHL
Lufthansa AGLuftfahrt (Auch GermanWings, EuroWings und andere)
Fraport AGFlughafenbetreiber

Sonstiges

CTS Eventim AG & Co. KGaATickets für Konzerte, etc
Sixt SEMietautos
HelloFresh SEliefert Zutaten zum Kochen nach Hause
ProsiebenSat.1 Media SEFernsehsender und Online-Plattformen
Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaAKommerzieller Teil des Fußballvereins
Zoologischer Garten Berlin AG
ISIN: DE0005031801
Der Zoo Berlin ist eine Aktiengesellschaft. 1844 Gegründet. Er ist der älteste in Deutschland und der neuntälteste in der Welt.

Börsen und Indizes

Börsen sind Handelsplätze auf denen Wertpapiere oder auch Rohstoffe gehandelt werden. Das läuft mittlerweile alles elektronisch, über die ganze Welt verteilt. Es gibt aber auch reale Orte, die eine Bedeutung haben. Wie z.B. die Wall Street in New York an der die „New York Stock Exchange“ sitzt. In Deutschland ist der bekannteste Börsenplatz in Frankfurt.

 Aktienindizes zeigen die Entwicklung von vielen einzelnen Aktien an. Mit nur einer Zahl kann man erkennen, ob eine ganze Branche oder Unternehmen eines Landes Wert verlieren oder gewinnen. Der bekannteste ist hier der „Dow Jones Industrial Average“ oder kurz „Dow Jones“ in dem die 30 größten Unternehmen der USA abgebildet sind. In Deutschland ist der „Deutsche Aktien Index“, kurz „DAX“ bekannt. Es gibt aber noch mehr:

  • DAX -> für große Unternehmen
  • MDAX -> für mittlere Unternehmen
  • TecDax -> für Technologieunternehmen
  • SDAX -> für „kleine“ Unternehmen

Meine persönliche Ansicht zur Bedeutung von Aktien

Ich selbst habe mir über Jahre ein wenig Wissen aufgebaut und investiere selbst in Aktien. Bei den meisten meiner Beispiele bin ich investiert. Dabei belasse ich es aber bei ganz klassischen Aktienkäufen und beitreibe keine „Wetten“ oder Spekulationen. Ich kaufe Anteile von Unternehmen von deren Geschäft ich überzeugt bin und die eine gute Dividende ausschütten. Ich will dabei langfristig an den Gewinnen beteiligt sein. Es ist gleichzeitig Altersvorsorge und spannendes Hobby zugleich.

Mit Aktien kann jeder an der globalen Wirtschaft teilhaben. Und zwar nicht nur als Konsument, sondern auch als Produzent. Man braucht nicht ein ganzes Unternehmen oder eine Immobilie kaufen, sondern kann dies in kleinen Einheiten machen. Wenn man zum Beispiel nicht das Geld hat um ein ganzes Haus zu kaufen und zu vermieten, dann kauft man einfach eine Aktie eines Immobilienunternehmens. Das erledigt dann auch die ganze Bürokratie und man erhält Dividenden direkt auf sein Konto. Oder man kann zum Beispiel Aktien von seinem eigenen Mobilfunk-Anbieter kaufen. So kann man das Geld, das man jährlich als Gebühren zahlt wieder als Gewinnausschüttungen zurückerhalten. Man ist damit Kunde seines „eigenen Unternehmens“.

Aktien sind letztendlich ein Mittel zur Demokratisierung der Wirtschaft. Sie sind perfekt dafür, dass Eigentum und Gewinne nicht in der Hand von wenigen, sondern bei möglichst vielen Menschen liegen.

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Deutschland für Anfänger Feste

Bayerische Volksfeste

Peteris, mein Freund aus Lettland mag genauso wie ich die bayerischen Volksfeste. Im Jahr 2018 haben wir so viele Feste wie möglich besucht. Wir haben uns die Termine aus dem Internet gesucht und sie „getestet“. Wir haben es unser Volksfest-Scouting genannt! Das hat mich dazu inspiriert so etwas wie einen Crashkurs für Bayerische Volksfeste anzubieten. Da gibt es nämlich viel mehr zu wissen, als dass große Mengen Bier getrunken werden 🙂
Ich beschreibe hier den kulturellen Hintergrund, was dort los ist und gebe praktische Tipps.

Volksfeste und bayerische Volksfeste

Volksfeste gibt es eigentlich in ganz Deutschland. Im Bundesland Bayern hat sich aber ein spezieller Stil herausgebildet. Das Besondere an den bayerischen Volksfesten sind die großen Festzelte mit ihren 1-Liter-Bierkrügen, der bayerischen Musik, dem typischen Essen und den bekannten Trachten. Das Oktoberfest in München ist dabei nur das größte und bekannteste. Es gibt aber eine ganze Reihe solcher Feste. Außerhalb von Bayern kennt man aber meistens nur das Oktoberfest. Auch ich selbst hatte wenig Ahnung von diesen Festen, bevor ich nach Bayern gezogen bin.

Im Inneren eines Festzeltes auf dem Oktoberfest München
Im Inneren eines Festzeltes auf dem Oktoberfest München

Ort und Zeit

Bis auf die Winterzeit finden die Volksfeste das ganze Jahr über statt. Sie dauern zwischen 1 und 3 Wochen. Manche Städte veranstalten sie auch mehrmals im Jahr, zu verschiedenen Jahreszeiten. Es gibt sie überall im Land, auch in kleineren Orten. Je größer der Ort, desto mehr ähnelt sein Volksfest dem Oktoberfest in München. Mittlerweile werden im Herbst in ganz Deutschland Feste in diesem Stil ausgerichtet und auch „Oktoberfest“ genannt. Dabei ist das Oktoberfest in München der Prototyp. Die „Originale“ findet man aber weiterhin nur in Bayern.

Anlass

Volksfeste generell haben meist einen historischen Ursprung. Meistens war es ein jährlich abgehaltener Markt oder ein religiöses Fest. Sehr oft war es das Jubiläum der Einweihung der örtlichen Kirche („Kirchweih“). Dabei wurde auch Essen und Getränke verkauft. Aber nicht nur das. Früher gab es nicht alles immer und überall zu kaufen. Es sind Händler durch das Land gezogen, um ihre Waren anzubieten. So sind sie oft zu jährlichen Festen in den Ort gekommen. Die Händler haben eine Messe abgehalten. Kirche + Messe = „Kirchmess“. Aus diesem Wort wurde „Kirmes“. Beides ist teilweise ein Synonym für ein Volksfest. Typisch für Deutschland gibt es aber durch die Dialekte für Kirchweih und Kirmes unzählige eigene Begriffe. Beim Oktoberfest in München ist der Ursprung jedoch anders. Es gab eine Hochzeit des Königs von Bayern, bei der es auch für das Volk Feierlichkeiten gab. Das wurde später zu einer Tradition.

Bei vielen dieser Feste ist über die Jahre hinweg der Ursprung in den Hintergrund getreten. „Jahre“ bedeutet hier oft Jahrhunderte. Das Fest ist vom Nebenaspekt um eigentlichen Event geworden.

Ein Volksfest ist ein Fest für das Volk, also für Alle. Heute gibt es natürlich Leute, die es mögen und andere, die es nicht mögen. Jeder muss es für sich entscheiden, jedoch sollte man sich selbst ein Urteil darüber bilden.

Zweiteilung in Kirmes (draußen) und Festzelt (drinnen)

Ein Volksfest besteht – vereinfacht gesagt – aus zwei Teilen. Der erste Teil sind die „Fahrgeschäfte und Buden“. Dies ist die Grundlage aller Volksfeste. Hier geht es einfach um Spaß und Erlebnis. Es gibt dort Fahrgeschäfte, Spiele und Snacks. Der zweite Teil sind die Festzelte bzw. Biergärten. Deren Stil macht die Besonderheit des bayerischen Volksfestes aus. Je nach Größe des Volksfestes gibt es ein einziges großes, „Bierzelt“ oder es gibt mehrere davon. Hier kann man tagsüber gemütlich Essen und Trinken. Abends wird es zum „Partyzelt“. Die Volksfeste werden übrigens immer an festen Orten aufgebaut, jedes Mal aufs Neue. Den Rest des Jahres wird der Festplatz anders genutzt, z.B. als Parkplatz.

Fahrgeschäfte und Buden

Dieser Teil ist eigentlich ein transportabler Vergnügungspark. Tagsüber ist es ein Ort für Familien. Abends, wenn es dunkel ist, ist es ein Spaßbereich für Alle. Das Tolle daran ist, dass man als Kind viel entdecken kann. Und wenn man erwachsen ist, und vielleicht ein bisschen getrunken hat, dann kann man sich wieder wie ein Kind fühlen.

  • Fahrgeschäfte (z.B. Autoscooter, Geisterbahnen, Kinder-Karussells Ketten-Karussells, Achterbahnen, Free-Fall-Tower, Riesenräder, Wasserrutschen, Ponyreiten)
  • Spiele (z.B. Luftgewehr-Schießen, kleine Lotterien, Bälle Werfen, „Hau-den-Lukas“)
  • „Fressbuden“ – das sind kleine transportable Verkaufsstände in denen Snacks verkauft werden: Süßes, Fettiges und so weiter. Es ist leckeres Fastfood für zwischendurch
Riesenrad, Kettenkarussel und „Buden“

Das Festzelt

Fahrgeschäfte und Buden gibt es in ganz Deutschland. Auch Festzelte. Bei bayerischen Volksfesten sind sie aber der Kern des ganzen Events. Diese Zelte kann man transportieren, sie werden aber über Wochen aufgebaut. In diese Zelte passen mehrere Tausend Leute rein. Es gibt dort sehr typische Bänke und Tische, die aus Holz und Stahl bestehen. Sie sind schlicht, aber sehr stabil. Sie haben viele Namen: „Bierbänke“, „Biertische“ oder als Set auch „Festzeltgarnituren“. In der Mitte des Zeltes sind sie einfach in Reihe aufgestellt, und zwar so, dass möglichst viele Leute Platz finden.
Die Gästebereiche an den Seiten des Zeltes sind die „Boxen“. Sie sind oft in kleinere Abteile getrennt, manchmal auch etwas erhöht. Dort laufen weniger Leute an den Tischen vorbei. Es ist also „gemütlicher“. An den Seiten des Zeltes befinden sich auch die gastronomischen Einrichtungen.
Im Außenbereich der Zelte befinden sich ebenfalls Plätze. Das hat eher die Atmosphäre eines Biergartens. Man findet dort leichter Plätze, doch wenn man dort sitzt hört man nichts von der Musik im Inneren des Zeltes. Innen, befindet sich die Bühne, auf der die Live-Band spielt.

Essen und Trinken im Festzelt

Das typische Getränk ist natürlich Bier! Dieses schmackhafte und vielfältige Getränk ist fest mit der deutschen Kultur verbunden. Speziell mit der bayerischen Festzeltkultur. So sehr, dass die bayerischen Volksfeste im Ausland einfach „Beerfest“ etc. genannt werden.

Man benutzt Maßkrüge. Diese fassen 1 Liter Flüssigkeit. Ein „Krug“ ist etwas was größer als ein „Glas“ ist. Heute sind sie üblicherweise aus Glas hergestellt, früher waren sie aber aus Steinzeug/Keramik. Diese traditionellen Steinzeug-Krüge sind eigentlich besser für das Bier, weil sie es kühler halten. Der Vorteil der Glasvariante ist, dass man erkennen kann, ob der Wirt die korrekte Menge Bier eingefüllt hat und nicht zu viel Schaum.

Man bestellt einfach „eine Mass“. Dann bekommt man den Standard-Liter. Wer es kleiner angehen möchte der bestellt „eine Halbe!“. Das ist eine halbe Mass, also ein 0,5 Liter.  „Mass“ sprechen Bayern mit kurzem „a“ aus. Alle anderen Deutschen, die sich nicht auskennen nutzen ein langes „a“.
Vor einem ganzen Liter Bier braucht man sich nicht zu fürchten: Ich weiß selbst nicht warum, aber in einem Bierzelt kann man mehr trinken als anderswo. Zumindest mir geht es so. Meine Theorie ist, dass das „Festbier“ besonders leicht zu trinken ist. Es ist süßer, nicht bitter wie Pils-Bier. Neben dem Festbier gibt es aber auch andere Biersorten, oder auch „Radler“ (gemischt mit Limonade) oder alkoholfreies Bier.

Die Preise für eine Maß Bier liegen bei 9-12 €. Das klingt viel, allerdings bekommt man dafür einen ganzen Liter! Im Vergleich mit den Bierpreisen in West- und Nordeuropa ist das noch im normalen Bereich. Allgemein gilt: je größer das Fest, desto höher die Preise.

Steinzeug-Maßkrug und Brezen | Foto: Robert Behrendt

Wenn jemand kein Bier trinkt, dann ist es auch völlig in Ordnung etwas anderes zu trinken. Es gibt auch eine große Auswahl an anderen Getränken. Wie im Biergarten bekommt man auch Softdrinks, Wasser, Säfte, Wein etc. Die Hauptsache ist, das man etwas zum Anstoßen hat!

Das Essen ist relativ teuer (10-20€), aber notwendig. Wer viel trinkt muss aber auch viel Essen! Es gibt deftige, bayerische Gerichte, Gebäck und Gemüse („Wirtshaus-Essen“). Typisch ist ein halbes Hähnchen („Hendl“), Haxe oder Brezen. Das mögen nicht alle, deshalb gibt es auch Essen wie Burger und Pommes. Vegetarisches Essen bekommt man auch. In der Mitte des Zeltes sollte man bis 17/18 Uhr fertig gegessen haben. Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, dass es sehr schwierig ist zwischen Tanzenden von einem Teller zu essen.

Zum Service: Man setzt sich hin und wartet auf die Bedienung. Oft kann man sich aber Essen und Trinken auch am Zeltrand holen, am Tresen. Wenn man sich unsicher ist, dann fragt man einfach dort.

Musik im Festzelt

Wenn das Zelt noch leer ist wird manchmal keine Musik gespielt. Am Nachmittag, meist bis 18 Uhr, wird oft bayerische oder österreichische Volksmusik (Alpen, Blasmusik-Kapelle) gespielt. Das ist die „gemütliche“ Zeit.

Am Abend kommt eine Live-Band. Diese ist intellektuell nicht anspruchsvoll, es ist Partymusik. Wichtig ist, dass sie bekannt ist, so dass man mitsingen kann. Es wird überwiegend deutsche Musik gespielt, oft aus den 80ern und 90ern. Aber auch bekannte Musik mit englischen Texten, oft Klassiker wie „ACDC“ oder „Backstreet Boys“. Das Musik-Spektrum reicht also von Rock bis Pop, von alten bis aktuellen Liedern. Die Band macht ab und zu auch eine Pause von 15-30 Minuten. Da spielt dann ein DJ Musik. In der Zeit kann man, wenn man Mitglieder der Band trifft (zum Beispiel auf der Toilette), eigene Lieder wünschen! Später, zum Ende hin wird viel Musik aus den 80ern gespielt. Die „Neuen Deutsche Welle“ spielt da eine besondere Rolle.

Bühne mit Band

Die Band animiert zum Feiern und Trinken. Dazu gibt es zwischendurch „Trinksprüche“ vom Sänger, bei der das Publikum mitmacht. Hier die Klassiker:

Band: „Ein Prosit… ein Prosit… der Gemütlichkeit!“
(Das ist eine verlängerte Version des „Prost!“ Am Schluss stoßen alle mit an.)

Band: „Zicke Zacke! Zicke Zacke!“
Publikum: „Oi, Oi, Oi!“
(Ehrlich gesagt kenne ich die Bedeutung nicht)

Band: „Prost Ihr Säcke!“
Publikum: „Prost du Sack!“
(„Sack“ ist eine Beleidigung. Der Sänger der Band beleidigt das Publikum. Als Antwort beleidigt das Publikum den Sänger.)

Stimmung

Das Festzelt hat typischerweise ab Mittag geöffnet. Oft ist bis zum späten Nachmittag noch viel Platz. Es geht gemütlicher zu: Man kann Essen und sich unterhalten. Es werden auch Karten gespielt etc.

Am Abend wird es dann lauter. Die Leute, die weit weg von der Bühne sind sitzen meistens. In der Mitte und in der Nähe zur Bühne wird aber ab 17-19 Uhr bis zum Schluss wird auf den Bänken getanzt. Es ist ein Trinken, Tanzen und Spaß haben. Die Stimmung dort liegt irgendwo zwischen Club und einem Fest auf dem Dorf. Man muss es selbst erleben, am besten mit 4-10 Freunden gemeinsam.

Festzelt

Wenn man in ein Zelt kommt ist es nicht selten, dass keine Tische mehr frei sind. Man fragt dann, ob man sich zu anderen setzen darf. Wenn man lange genug fragt hat man manchmal Glück. Die Leute halten die Sitzplätze für Bekannte frei. Es kann sehr lange dauern, bis einen Platz findet. Dabei kann man sich aber das ganze Zelt ansehen. Wenn man sich zu anderen an den Tisch setzt, kommt man schnell in Kontakt mit seinen Nachbarn. Ein gemeinsames „Prost!“ und man ist eine Gemeinschaft. Es geht locker zu. Es ist kein Problem Fremde zu Duzen, auch wenn sie älter sind als man selbst.

Auf Volksfesten geht es aber auch „derb“ zu. Es wird viel getrunken, allgemein beherrscht man sich aber. In Deutschland ist das Bier-Trinken so fest in der Gesellschaft verankert, dass man schon lange Erfahrung hat zu Trinken, sich dabei aber trotzdem zu benehmen. Mit viel Essen funktioniert es literweise Bier zu trinken. Leute, die zu viel trinken gibt es auch. Die werden aber schnell von der Security aus dem Zelt gebracht. Wenn es den Leuten schlecht geht werden auch mal Sanitäter gerufen. Auf größeren Festen gibt es eigene Abteilungen mit Sanitätern, die sich um gesundheitliche Probleme kümmern.

Passiert…

Die allgemeine Sicherheit ist so wie bei jeder anderen Großveranstaltung. Eher besser, weil stark auf die Sicherheit geachtet wird. Wenn man auf den Tischen tanzt, dann wird man aufgefordert herunter zu kommen. Wenn man fällt ist es für einen selbst sehr gefährlich. Aggressivität oder Schlägereien gibt es, jedoch nicht mehr als auf irgendeiner Party mit so vielen Besuchern. Meist ist der Grund ein Missverständnis. Ich war schon bestimmt 50 Mal auf Volksfesten, aber habe auf dem Gelände selbst noch nie eine ernsthafte Situation erlebt. Der Weg zum Bahnhof ist gefährlicher. Es ist wie bei Fliegen im Flugzeug: Man denkt, dass es besonders gefährlich ist, aber durch die ganzen Sicherheitsmaßnahmen ist es tatsächlich sicherer als jedes andere Verkehrsmittel.

Gegen 23 oder 24 Uhr ist Schluss. Es ist keine Veranstaltung um die Nacht durchzumachen. Dafür beginnt es schon viel früher. In einem Festzelt kann man sich manchmal um 23 Uhr so fühlen, als wäre es 5 Uhr. Es geht dann zurück nach Hause oder man geht noch woanders feiern.

Schluss…

Reservieren

Wer abends an einem Tisch sitzen möchte, der braucht großes Glück – oder eine Reservierung. Die kann man machen, oft braucht man aber eine Mindestzahl an Gästen. In München erhält man abends ohne Reservierung kaum einen Platz. Es aber auch Bereiche in denen man nicht reservieren muss. Da sollte man aber schon früh ankommen. Unter der Woche bekommt man generell schneller Plätze. Reservierungen macht man beim Oktoberfest Monate im Voraus. Woanders ist die Situation besser. Man sollte sich auf der Website des Volksfestes informieren. Dort kann man oft auch Tische reservieren. Im Zelt gibt es eine Übersicht an der man sieht welchen Tisch genau man benutzen darf. Man muss dabei pünktlich sein! Wie ich oben beschrieben habe kann man durch fragen aber immer ein paar Plätze bekommen.

Tischreservierung | Foto: Robert Behrendt

Traditionen

Zu den Festen gibt es gewisse Traditionen. Das kann ein feierlicher Einzug am Anfang sein. Beim Oktoberfest in München gibt es am ersten Tag den „Einzug der Wiesnwirte“. Auf historischen Bierwagen werden einige Fässer Bier zum Festbereich gebracht. Das ist nur symbolisch, denn in Wirklichkeit braucht man viele LKW für den Bier-Transport. Hier marschieren dann auch Blaskapellen oder Trachtenvereine mit, die ihre Musik und Kleidung präsentieren. In München kommen dazu Vereine aus ganz Bayern, aber auch Österreich.
Auf dem Festgelände kann man einiges traditionelles Brauchtum sehen. Zum Beispiel das Goaßlschnalzen, bei dem die Peitschen direkt über den Köpfen der Besucher knallen. Am ersten Tag eines Volksfestes ist es Brauch, dass das Bier erst nach dem „Anstich“ ausgeschenkt wird. Dabei wird das erste Fass geöffnet. Und zwar vom amtierenden Bürgermeister der Stadt. Mit einem Hammer muss es geöffnet werden. Dabei wird darauf geachtet, wie viele Hammer-Schläger er benötigt, um das Fass zu öffnen. Je weniger, desto besser. In Würzburg, auf dem Kiliani gibt es jedes Jahr einen Boxkampf. Auf dem Frühjahrsvolksfest gibt es in der Mitte des Zeltes einen Baumstamm, an dem jeder versuchen darf hochzuklettern. Wer es schafft bekommt eine Maß gratis. Das sind aber nur Beispiele. Auf den Volksfesten gibt es immer wieder Besonderheiten zu entdecken.

Goaßschnalzen

Trachten

Von den bayerischen Trachten gibt es eigentlich viele Arten. Die mit Abstand bekannteste Form ist aber „Dirndl und Lederhose“. Ein paar Sätze zur Bedeutung: Ende des 19. Jahrhunderts sind viele Menschen vom Land in die Städte zogen, um in den neuen Fabriken zu arbeiten. Die Städte sind schnell gewachsen, es war laut, schnell, modern.  Viele der Neuankömmlinge haben Trachtenvereine gegründet. Dort haben sich Leute zusammengetan, die aus der gleichen Region kamen, um sich ein Stück ihrer Heimat und Identität zu bewahren. Dazu gehörte die ländliche Kleidung der Heimatregion zu tragen. Es war aber nicht die normale bäuerliche Arbeitskleidung, sondern die Kleidung, die man an Sonn- und Feiertagen angezogen hat. Jede Region hatte andere Trachten, oft gab es von Dorf zu Dorf Unterschiede. Andersherum kam gerade der Tourismus auf. Städter aus den mittleren und höheren Schichten wollten raus aus der lauten und durch die Fabriken verschmutzte Stadt. Sie haben Ausflüge aufs Land gemacht. Oft in die Berge (im Norden Deutschlands dagegen oft ans Meer). Als die Städter in den Bergdörfern waren wollten sie sich manchmal auch „volkstümlich“ anziehen. Dazu haben sie Trachten gekauft. Außerdem haben sie sie auch als Andenken an diese Landwelt mit nach Hause genommen. Dass Touristen Lederhosen und Dirndl kaufen gibt es also schon seit mehr als 120-150 Jahren!

Heute werden die oberbayerischen Trachten als „urtümlich bayerisch“ auch auf Volksfesten getragen. Die allseits bekannten Dirndl und Lederhosen sind dabei aber nur eine „moderne, vereinfachte“ Version. Es gibt unendlich viele Formen und Feinheiten.

Die Gleichheit ist in Deutschland schon lange ein hoher Wert (früher vor Allem galt das natürlich für die Gleichheit innerhalb der Schichten). Volksfeste waren für das Volk gedacht, also die Masse der einfachen Leute. Heute ist es etwas für Alle. Auf dem Volksfest verschwinden die sozialen Unterschiede. Die Tracht unterstützt das. Wenn viele das gleiche anhaben, kann man nicht erkennen wer viel oder wenig Geld hat. Die Menschen sind nicht anhand der Kleidung zu unterscheiden. Außerdem sitzen oft unterschiedlichste Leute Tisch an Tisch. Alle können mitmachen, der Eintritt ist frei. Das ist ein Stück soziale Gleichheit.

Tanz in einem Festzelt auf den „Oidn Wiesn“ | Foto: RB

Wenn sich alle zum Volksfest treffen verschwinden auch die kulturellen Unterschiede. Wer Migrant oder Kind von Migranten ist, der gehört mit Tracht sofort dazu. Er ist dann einer von Allen. Jeder kann mitmachen. (Zugegeben habe ich Frauen mit Kopftuch nur außerhalb und nie innerhalb des Bierzelts gesehen.) Im Zelt selbst tritt die Herkunft aber in den Hintergrund. Ob jemand aus Afrika, Iran oder Australien kommt ist dann nicht mehr so wichtig.

Es geht es höchstens darum, ob man Bayer ist oder nicht. Egal ob Ausländer oder nicht-bayerische Deutsche (die „Preißn“): Für einen echten Bayern gibt es da keinen Unterschied.

An- und Abreise

Besonders bei den großen Festen ist man nicht allein, wenn man z.B. mit der Bahn anreist. Die Züge sind voll und man erkennt die mitfeiernden an den Trachtenträgern. Morgens auf der Fahrt geht die Party meist schon los, auch wegen der  Bierpreise direkt auf dem Fest. Wenn man am Bahnhof aussteigt, dann braucht man meist nur der Masse zu folgen, um zum Festgelände zu gelangen. Wenn auf dem Festgelände Schluss ist (23 oder 24 Uhr) kann man sich auch der Menge anschließen, um zum Bahnhof zu gelangen. Auch im Zug ist man dann mit einer Menge meist junger Leute unterwegs, die alle nach Hause fahren. Da geht die Party oft noch weiter. Selbst wenn die Bahn Verspätung hat, oder wenn es Ersatz gibt ist man wenigstens nicht allein. Auf diesen Rückfahrten habe ich selbst schon eine Menge Leute kennengelernt.

Peteris und Ich
auf einem Raucherbalkon
Bier 1, Bier 2 und Peteris

Wie immer gilt auch bei den bayerischen Volksfesten: Man erlebt es am besten selbst.

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Deutschland für Anfänger Politik und Gesellschaft

Politische Begriffe

Hier beschreibe ich Begriffe, was sie bedeuten und wie sie in Deutschland verwendet werden. Bezeichnungen wie liberal, konservativ, sozialdemokratisch, rechts, links, -extrem oder populistisch liest oder hört man oft. In der politischen Diskussion und in den Medien wird vorausgesetzt, dass man sie versteht. Über Definition der Begriffe selbst wird oft gestritten und gleichzeitig verstehen unterschiedliche Personen oft unterschiedliche Dinge unter den Begriffen. Das alleine innerhalb von Deutschland. In anderen Ländern werden die selben Begriffe manchmal auch anders verstanden. Alles in Allem finde ich es wichtig darüber zu schreiben. Auch wenn ich nur einen Überblick geben kann.

Ich werde in diesem Beitrag über politische Strömungen wie liberal, konservativ, sozialdemokratisch, grün, nationalistisch schreiben. Auch behandele die einfachste Ansicht des politischen Spektrums, die Einteilung in „links“ und „rechts“. Dazu kommen Stile, Methoden und Ausprägungen: Radikalismus, Extremismus, Populismus. Zum Schluss geht es um Kombinationen der Begriffe. Damit kann man präziser ausdrücken was man bezeichnen möchte.

politische Strömungen (Grundideen)

Politische Strömungen beschreiben, wie sich Menschen den besten Weg vorstellen, um gesellschaftliche Probleme zu lösen. Es sind Ideologien bei denen die enthaltenden Ideen und Prinzipien logisch zueinander passen.

Liberalismus („liberal“)

  • konzentriert sich auf das Individuum, die individuelle Freiheit und Rechte für die Menschen (Freiheit und Rechte gegen die Macht von Staat, Herrschern, Religionen etc.)
  • Staat soll sich so weit es geht aus dem Leben der Menschen heraushalten und nur für wenige Aufgaben zuständig sein (vor Allem Sicherheit und Einhaltung von Gesetzen)
  • jede Person soll selbst über sein Leben entscheiden, aber eigene Verantwortung dafür tragen (wenn man z.B. durch eigene Fehlentscheidungen arm ist
  • Mit Liberalismus wird in Deutschland heute vor Allem der wirtschaftliche Bereich verbunden. Freiheit für Menschen bedeutet auch, dass diese frei wirtschaften dürfen. Ein reiner Wirtschafts-Liberalismus fordert den Abbau von Regeln und Vorschriften für Unternehmen, damit diese sich besser entwickeln kann. Der Staat soll sich aus der Wirtschaft komplett heraushalten, damit die Vorteile einer freien Marktwirtschaft entfaltet werden können. Dazu sollen zum Beispiel auch öffentliche Dienste (Wasserversorgung, Krankenhäuser, Schulen, Straßen etc.) als private Unternehmen arbeiten. Von den Gegnern dieser Sichtweise wird dafür der Begriff „neoliberal“ verwendet. „Neo“, griechisch neu, im Sinne einer „neuen Form“. Diese Gegner sind der Ansicht, dass staatliche Unternehmen und Organisationen besser funktionieren als private Unternehmen.
  • der Liberalismus hat sich aus der Aufklärung im 18. und 19. Jahrhundert herausgebildet. Als sich die moderne westliche Demokratie im 19. Jahrhundert entwickelte gab es 3 große Ideologien: Liberalismus, Konservativismus und Sozialismus. Mittlerweile ist aber in Europa die Freiheit des Individuums eine Grundlage der Gesellschaft und weitgehend Konsens. Deshalb gibt es keine eigene große Strömung mehr. Nur einzelne liberale Parteien, die besonders Wert darauf legen.

Konservativismus („konservativ“)

  • Fokus liegt auf der Loyalität zu einer Gemeinschaft (Familie, Religion, Volk, Heimatland, Kultur). Diese wird durch den Einzelnen gestärkt, was die Gemeinschaft stärkt und somit auch dem einzelnen Mitglied nützt.
  • ein Hauptpunkt ist die Bewahrung von bestehenden Traditionen und Werten
  • Veränderungen in der Gesellschaft sollen möglichst langsam und behutsam passieren. Alte Werte und Normen sollen nur verschwinden, wenn sie sich als schädlich oder unpassend erweisen. Neues wird dann angenommen, wenn es eine Verbesserung ist.
  • veraltete Variante: struktur-konservativ (Strukturen in Staat, Gesellschaft, Wirtschaft, Religion sollen sich nicht ändern)
  • moderne Form: werte-konservativ (Werte wie Patriotismus, Familiensinn, Eigenverantwortung etc. sollen erhalten bleiben)
  • Ist historisch mit der Religion verbunden, also in Deutschland mit dem Christentum. Diese Verbindung löst sich aber mehr und mehr auf. Auch die meisten Muslime in Deutschland sind üblicherweise konservativ.
  • Ansicht, dass es keinen „perfekten Menschen“ gibt, und dass Bürger auch traditionell, also „unmodern“ leben dürfen, wenn sich es möchte. Beispiel für konservative Sicht: Eine Familie aus Vater, Mutter und Kindern wird als der Normalfall angesehen. Andere Modelle sind akzeptiert, aber sollen nicht propagiert werden.

Sozialismus („sozialistisch“ bzw „sozial-„)

  • stellt die gesamte Menschheit und die Gleichheit aller Menschen in den Mittelpunkt
  • durch staatliche Regeln sollen alle Menschen die gleichen Ressourcen erhalten (Vermögen, Einkommen, Produkte etc.)
  • versteht sich selbst als Gegenmodell zum Kapitalismus, deshalb wir eine staatlich organisierte Wirtschaft als ideal angesehen
  • „moderate“ Form: Sozialdemokratie -> vertritt die Ziele auf demokratische Weise, versucht Kompromisse einzugehen mit Menschen, die anders denken
  • „radikale“ Form: Kommunismus -> befürwortet Diktatur, um die Ziele (Gleichheit aller Menschen) zu erreichen, dies soll durch Herrschaft einer einzigen politischen Partei erfolgen, andere Meinungen werden nicht zugelassen
  • „sozial“ zu sein ist in Europa aber relativ Konsens, die „sozialistischen“ Parteien stellen den Aspekt der wirtschaftlichen Gleichheit besonders hervor

ökologisch („öko-“ oder „grün“)

  • Mittelpunkt ist der Schutz von Natur, bzw. Umwelt und Bekämpfung des Klimawandels
  • als eigenständige politische Bewegung in den 1980er Jahren herausgebildet
  • Natur-, Tier-, Umwelt- und Klimaschutz sollen Vorrang haben vor den Bedürfnissen der einzelnen Menschen
  • spricht sich gegen Massentierhaltung, leistungsstarke Autos, Atomkraftwerke etc. aus
  • fordert Einschränkungen und Verbote von bestimmten Technologien, die als umweltschädlich erklärt wurden

Nationalismus („nationalistisch“)

  • Übersteigerter Patriotismus
  • zentrales Element ist das Wohlergehen, das Ansehen und die Macht der eigenen Nation/Volkes
  • fordert volle Souveränität für die Nationalstaaten auf der Welt (Ablehnung von internationalen Gesetzgebungen und Regulierungen wie z.B. von der EU oder der UN)
  • wird in Deutschland wegen der Geschichte im 20. Jahrhundert sehr kritisch betrachtet (Dinge, die in anderen Ländern normal sind, wie Stolz auf das eigene Land, wird von vielen Deutschen negativ betrachtet)

Salafismus („salafistisch“) (bzw. Islamismus)

  • fordert, dass islamisches Recht als allgemeines Recht für alle Menschen gelten soll
  • Religion soll zur Politik gemacht werden (hier vom Islam: bei anderen Religionen ist diese Strömung in Europa nicht relevant)
  • wird vertreten vom radikal-religiösen Teil der eingewanderten Muslimen und konvertierten Deutschen/Europäern
  • Meinung, dass ein „echter“ Islam nie im Einklang mit der westlichen Gesellschaft existieren kann
  • verachten die westlichen Werte (Trennung von Religion und Staat, Freiheit des Individuums…), auch wenn sie selbst dort leben und dadurch Vorteile haben
  • die extremistische Version ist Terrorismus (Al Quaida oder IS)

Anarchismus („anarchistisch“)

  • Ablehnung aller Hierarchie, Gesetze, Macht, Religion, Staat etc.
  • sehen sich selbst als frei an
  • praktisch wird „das Recht des Stärkeren“ angewendet
  • nehmen die Rechte der freien Gesellschaft in Anspruch (Freiheit des Lebensentwurfs, Wohlstand), lehnen aber die Pflichten ab (gemeinsame Regeln aller Menschen)

Faschismus („faschistisch“)

  • Begriff für extremen Autoritarismus -> Die Einzelpersonen stehen nicht im Vordergrund, nur die kollektive Gruppe. Dieses Kollektiv ist einem Anführer oder einer Ideologie zum Gehorsam verpflichtet und bekämpft alle Gegner ihrer eigenen Ansichten mit Gewalt
  • Ursprünglich für Italienischen Faschismus unter Mussolini. Wurde und wird aber auch von Anhängern des Kommunismus/Sozialismus für den deutschen Nazis benutzt. Damit sollte das eigene Wort „Sozialismus“ vom Nationalsozialismus sprachlich abgegrenzt werden.

Einteilung in links und rechts

Mit „links“ und „rechts“ wird eine sehr grobe Einteilung von politischen Positionen und Akteuren vorgenommen. Die Begriffe stammen aus der Entwicklung der europäischen Parlamente. Aus Großbritannien (seit dem Mittelalter), Frankreich (Revolution 1789-1799) und Deutschland (Deutsche Revolution 1848/1849). Dort war es üblich, dass auf der linken Seite die „revolutionären“ Anti-Monarchistischen und auf der rechten Seite die traditionalistischen, konservativen Abgeordneten saßen.

Bei den Linken geht es um die Umverteilung von Vermögen und Macht, so dass alle gleichmäßig daran beteiligt sind. Alle Menschen sollen möglichst gleich sein. Dabei wird eine ideale Gesellschaft als Theorie entwickelt und dann sollen sich alle Menschen nach diesen Idealbild leben. Historisch ging es zuerst um die Gleichverteilung von Macht und Rechten (Abschaffung der Privilegien von Adeligen und Fürsten -> hin zu Demokratie). Dann ging es um Einkommen und Vermögen, weil in der europäischen Industrialisierung die Unterschiede zwischen Fabrikarbeitern und Fabrikbesitzern extrem groß wurden. Heute geht es den Linken vor Allem um die Gleichheit im Privaten und gesellschaftlichen Leben: Gleichheit von Männern und Frauen, von Menschen unterschiedlicher Hautfarben und Kulturen, von Ländern, Religionen und sexuellen Orientierungen. Die Linken verfolgen dabei die Strategie von Revolution und Umkehrung der Verhältnisse. Sie definieren „Böse“ bzw. „Täter“ und „Gute“ bzw. „Opfer“.  (Könige versus Untertanen, Kapitalisten versus Arbeiter, Männer versus Frauen, „Weiße“ versus „Farbige“ etc.). Es werden Ungerechtigkeiten aufgezeigt und diese sollen durch einen Kampf gegen die „Täter“ abgeschafft werden. So sollen Monarchen und deren Helfer abgesetzt und getötet werden, um die Demokratie einzuführen. Kapitalisten bzw. reiche Menschen soll ihr Besitz genommen werden, um das Vermögen/Produktionsmittel auf die Bevölkerung zu verteilen (Darum ging es bei Karl Marx). Nicht-Weiße Einwanderer in Europa sollen Privilegien erhalten, um den Kolonialismus wieder gut zu machen. Es sollen Quoten für Frauen in Organisationen und Berufen eingeführt werden, um Geschlechtergerechtigkeit zu erreichen.
Die Ziele sind für die Menschheit zu begrüßen. Das Problem besteht aber darin, dass die Methoden zur Erreichung von Gleichheit aber auf eine „Umkehrung von Ungerechtigkeiten“ basieren. Wenn man Gerechtigkeit haben möchte führt das schnell dazu, dass man neue Ungerechtigkeiten erzeugt.

Bei den Rechten geht es darum Bestehendes zu Bewahren. Gesellschaftlicher Fortschritt soll durch Wettbewerb und Konkurrenz zwischen einzelnen Menschen und Gruppen erreicht werden. Das „Bessere“ setzt sich gegen das „Schlechtere“ durch, wenn man den natürlichen  Prozessen seinen Lauf lässt. Es wird Ungleichheit akzeptiert, weil es als Folge von unterschiedlicher Leistungsfähigkeit gesehen wird. Es geht um Tradition und Weiterführen von Dingen, die sich in der Vergangenheit als gut gezeigt haben. Neuerungen werden eher abgelehnt, wenn sie Altes bedrohen. Wenn etwas sich aber als besser zeigt, dann wird es gerne angenommen (z.B. Fortschritt in der Technik). Es werden die eigenen Eigenschaften als Individuum oder Gruppe betont. Dadurch steht bei Rechten auch die klassische Familie im Vordergrund, während Linke die Verbundenheit der Familie als Egoismus ansehen. Die Bezogenheit auf die eigene Gruppe und das Konkurrenzdenken führt auch dazu, dass man das Eigene als besser ansieht als das Fremde. Es werden aber Unterschiede zwischen Kulturen und Ländern akzeptiert, solange das Eigene dadurch nicht verändert wird. (Beispiel: Unterschiedliche Rollenbilder der Frau werden toleriert und als spezifische Kultur von Völkern, Religionen und Regionen anerkannt. Wenn aber Einwanderer in das eigene Land kommen, dann sollen sie sich daran halten wie es in der Gesellschaft ist, in die sie eingewandert sind.) Unterschiede zwischen Arm und Reich werden als Anreiz zur Anstrengung gesehen (es sollen die Chancen für Alle gleich sein, die Ergebnisse im können variieren, es soll sich der Beste, Fleißigste durchsetzen).
Anders als die Linken mit ihrem Ansatz der „revolutionären“ Änderung der Dinge setzen Rechte eher auf die „Evolution“, dem langsamen Fortschritt dadurch, dass einige Erfolgreiche sich durchsetzen. Der Vorteil dieses Ansatzes ist, dass er ohne Utopien und Bevormundung des Einzelnen auskommt. Es entwickelt sich – wie in der Natur – durch  Versuch und Irrtum das heraus, was am besten funktioniert. Der Nachteil ist aber, dass veraltete Strukturen beibehalten werden und die Weiterentwicklung gebremst wird, wenn einzelne Individuen oder Gruppen nur an den eigenen Vorteil denken und nicht an Andere. Das Allgemeinwohl wird nicht als etwas ganz bestimmtes vorgegeben, deshalb kann es nie für Alle erreicht werden. Allerdings ist dies oft auch gerade gut, denn aufgrund historischer Beispiele ist es fraglich, ob Menschen in der Lage sind eine perfekte Gesellschaft zu erdenken.

Links und Rechts ist eine grobe Einordnung von politischen Standpunkten. Es wird vom politischen Spektrum gesprochen, wobei es so etwas wie „weit rechts“, „mitte-rechts“, mitte-links“ und „weit links“ gibt. Es ist meist ungenau, auch weil es eine lange historische Entwicklung gab und die Gesellschaft heute viel zu komplex ist, um sie mit zwei gegenüberliegenden Polen zu beschreiben. Es bleibt aber immer noch eine effiziente Art politische Standpunkte schnell zu benennen. Mit dieser Einteilung arbeitet man vor allem im europäischen Kulturkreis, die Grundprinzipen sind aber universell.

links mitte rechts

Übrigens: Die „Mitte“ ist nicht eindeutig zu definieren. Inhaltlich lässt sie sich durch ein “sowohl, als auch “ beschreiben. Eine andere Definition wäre aber einfach nur der Durchschnitt der Ansichten aller, was aber einen großen Unterschied machen kann. Wenn z.B. 90% in einem Land Option B einer Option A vorziehen, dann ist die „Mitte“ nach inhaltlicher Ansicht ein Kompromiss aus Lösung A und B. Nach Durchschnitts-Definition wäre die „Mitte“ aber im Prinzip die Option B.

Was ist rechts was ist links? Hier liste ich ein paar Interpretationen und Lösungsansätze auf, mit denen ich aufzeigen will, wie sich heute im 21. Jahrhundert links und rechts unterscheiden. Vor Allem für Personen, die sich wenig für Politik interessieren es oft schwer zu erkennen welche Position „Links“ oder „Rechts“ ist.

Man sollte hier wissen: In Deutschland wird meist ein Kompromiss aus beiden Positionen gebildet und zum Gesetz. Im Parlament sitzen Abgeordnete aus beiden „Richtungen“ und die Regierung muss immer die jeweilige andere Sichtweise berücksichtigen. So ist jedenfalls die Theorie. Die Realität ist Politik…

LinksRechts
Das Hauptziel ist die Gleichheit aller Menschen. Nach linker Sicht bedeutet Gleichheit, dass alle ein gleich hohes Vermögen und Einkommen haben. -> GleichheitDas Hauptziel ist das Wohlergehen des Individuums und der Gruppe. Nach rechter Sicht ist es gerecht, wenn fleißige und intelligentere Menschen mehr haben als andere. -> Gerechtigkeit
Der Staat oder die Gruppe soll das Leben des einzelnen Menschen regeln. Dadurch sollen sich die Menschen richtig verhalten, wodurch es wiederum allen gut gehen soll.Der Mensch soll selbst entscheiden wie er sich verhält. Mit seinem Verhalten darf er aber nicht der Gruppe schaden. Er soll ihr möglichst nutzen. So soll die Gemeinschaft gestärkt bleiben.
Entscheidungen sollen durch möglichst alle Personen einer Gruppe getroffen werden. Dadurch sollen alle Anteil daran haben und das Beste für Alle entschieden werden.Entscheidung sollen durch die Besten Personen in der Gruppe getroffen werden. Ein guter Anführer soll gute Entscheidungen für Alle treffen.
„Die Reichen werden immer Reicher und die Armen immer Ärmer.“ Die Unterschiede wachsen, weil es nach linker Sicht kein Wachstum des Wohlstandes, sondern nur eine andere Verteilung geben kann. Deshalb soll das den Reichen Geld genommen werden, um es den Armen zu geben. Somit sollen dann die Reichen weniger Geld haben und die Armen mehr. Dadurch sollen alle gleich viel haben.Wer Geld verdient hat, weil er eine gute Idee hatte, ein Unternehmen gut geführt hat und fleißig war soll auch ein Vermögen haben. Jeder soll die Chance haben auch reich zu werden und dann zu bleiben. Solange es zur Stärkung des gesamten Wohlstandes der Gemeinschaft/des Volkes beiträgt.
Beispiel: Um die Situation von Arbeitslosen zu verbessern soll höheres Arbeitslosengeld gezahlt werden.
Sie sollen nur arbeiten müssen, wenn Ihnen die Arbeit gefällt.
Beispiel: Durch Förderung der Wirtschaft sollen Arbeitsplätze geschaffen werden (weniger Abgaben, weniger Bürokratie). Arbeitslose sollen jede normale Arbeit annehmen, wenn sie Ihnen angeboten wird.
„Die Nationalstaaten müssen abgeschafft werden, alle Menschen gleich sein können..“


konkret:
Es sollte keine Einschränkungen für Einwanderung geben. Jeder, der nach Deutschland kommen will soll einwandern dürfen und sofort die gleichen Rechte haben wie die Deutschen (Wahlrecht, Recht auf Aufenthalt, Leistungen des Sozialstaats).
„Die Nation soll zentrales Element sein, um die Vielfalt der Völker zu erhalten.“

konkret:
Die Einwanderung sollte auf ein Minimum begrenzt werden.
Es sollte nur erlaubt sein, wenn es dem Aufnahmeland Vorteile, aber keine Nachteile bringt.
Aufnahme aus humanitären Gründen sollte nur für Menschen aus dem gleichen Kulturkreis erlaubt sein.

Stile, Methoden und Ausprägungen

Hier geht es darum, in welcher Art und Weise Organisationen und einzelne Menschen ihre politischen Ziele durchsetzen wollen.

Radikalismus und Extremismus

Mit den Adjektiven radikal und extrem beschreibt eine hohe Steigerung. Im politischen Kontext kennzeichnet man Meinungen und Wünsche, die sehr hart und rücksichtslos sind. Es spielt auch eine Rolle welche Mittel zur Erreichung der Ziele angewendet werden. Vor Allem geht es um politische Ziele, aber auch andere Bereiche (z.B. extrem religiös). Das Gegenteil von radikal und extremistisch ist gemäßigt bzw. moderat. In der deutschen politischen Sprache werden -radikal und -extrem gerne an Worte angehängt: Rechtsradikal, Linksextrem.

„Radikal“ bedeutet, dass Überzeugungen und Ziele grundlegend und ohne Rücksicht auf andere Meinungen formuliert und verfolgt werden. Beispiele: „Allen Millionären soll ihr Geld weggenommen werden.“ „Alle Ausländer sollen das Land verlassen.“ „Alle Menschen sollen nach den Gesetzen der Religion leben.“ „Alle Menschen sollen blaue Hüte tragen!“

„Extrem“ hat die gleiche Bedeutung. Der Unterschied ist, dass Extremisten zur Umsetzung ihrer politischen Ziele auch Gewalt anwenden oder sie zumindest befürworten. Beispiel: „Bedrohung mit Waffengewalt, Verletzung oder Mord, wenn die Menschen sich weigern blaue Hüte zu tragen.“

Die meisten Menschen kennen den genauen Unterschied zwischen radikal und extrem gar nicht und verwenden beides synonym. Das gilt leider auch für die meisten Medien. Oft wird es benutzt, um zu sagen, dass eine Person sehr kontroverse Positionen vertritt.

Welche politischen Positionen radikal sind ist oft schwer zu sagen und wird immer wieder diskutiert. Bei Extremismus gibt es aber eine Gefahr für Menschenleben und die Demokratie. In Deutschland ist es Aufgabe des „Bundesamt für Verfassungsschutz“ bei Organisationen, Vereine oder Parteien einzuschätzen, inwieweit sie die Verfassung (Grundgesetz) gefährden. Auch wird ihr Potenzial für Gewalt eingeschätzt. Wenn sie als eindeutig verfassungsfeindlich eingestuft werden, wird eine Empfehlung weitergegeben diese Vereinigungen zu verbieten. Dieser Inlands-Geheimdienst erstellt einen jährlich aktualisierten Bericht für die Öffentlichkeit.

moderat, radikal und extrem

Populismus

Populismus ist keine politische Ausrichtung, sondern eine Methode, um Wählerstimmen zu werben. Alle Parteien oder Bewegungen benutzen die Methode, mal mehr, mal weniger. Der Begriff ist aber negativ besetzt, deshalb werfen politische Gruppen/Parteien meist den anderen vor „populistisch“ zu sein. Ich erkläre es an 3 Aspekten:

  1. Vom Konflikt „Volk vs. Eliten“ sprechen
    Der Begriff Populismus kommt vom griechischen „populus“ = „Volk“. Populisten sagen, dass es einen starken Gegensatz zwischen dem „Volk“ und den „Eliten“ gibt. Die Eliten sind dabei die sozial und finanziell besser höherstehenden, die Macht und Einfluss haben (in Wirtschaft, Politik und Medien). Das Volk sind dabei die Mehrheit, die normalen oder armen Leute. Sie sagen, dass die Eliten eine ganz andere Meinung und Interessen als das  Volkes haben und diese mit ihrer Macht durchsetzen, und dabei die Interessen des Volkes ignorieren. Populisten stellen sich dabei als diejenigen dar, die die Interessen des Volkes vertreten und dabei den Kampf mit den Eliten aufnehmen. Der Gegensatz zwischen den Interessen von Volk und Elite wird mit einer Abgehobenheit (kennen Leben der einfachen Leute nicht), mit Geldgier (nutzen Macht für Geld) oder Machtkreisen (man bleibt unter sich) erklärt.
    Beispiele: „Politiker in Deutschland kümmern sich mehr um Flüchtlinge als um Deutsche!“ , „Unternehmer denken nur an Profit und beuten ihre Angestellten immer aus!“, “ Alle Politiker sind korrupt – Sie wollen die die Probleme der Menschen nicht lösen!“
  2. Vereinfachung von Problemen, Ursachen und Lösungen
    Populisten präsentieren für komplizierte Themen einfache, schnelle und leicht verständliche Lösungen. Auf den ersten Blick wirkt es logisch, aber wegen der Vereinfachung werden viele Aspekte weggelassen. Die einfachste Art die Ursache für ein Problem zu präsentieren ist es einem Menschen, einer Gruppe etc. die dafür Schuld zuzuweisen (z.B. „Ausländer“ oder „Reiche“). Diese werden dann auch pauschalisiert und negativ dargestellt. Es wird suggeriert, dass das Problem gelöst wird, wenn man gegen diese Gruppe vorgeht („Wenn weniger Ausländer ins Land gelassen werden gibt es weniger Kriminalität“, „wenn wir den Reichen das Geld wegnehmen, dann verschwindet die Armut in der Welt“). Es wird also nicht nur eine einfache Ursache, sondern auch eine einfache Lösung präsentiert. Auch wenn das Thema in der Realität viel komplexer ist. Einfache Antworten sind einfach leichter verständlich und eingehender.
    Beispiele: „Reiche Menschen und Konzerne sind Schuld an der Armut der Welt!“,
    „Es gibt islamistischen Terrorismus in Europa, weil es so viele muslimische Einwanderer gibt.“,
    „Wenn keine Waffen mehr exportiert werden, dann wird es Kriege auf der Welt geben.“
  3. Stimmungen in der Bevölkerung aufgreifen und verstärken
    Populisten greifen eine gewisse Stimmung in der Bevölkerung auf und machen es „begreifbar“. Dabei ist das Gefühl der Menschen wichtig. Menschen nehmen wahr, dass etwas falsch läuft. Dass etwas ungerecht ist oder dass es Gefahren gibt. Beim Populismus werden für diese unbestimmten Gefühle leicht verständliche Erklärungen und Lösungsvorschläge angeboten.
    Beispiele: „Du siehst in den Nachrichten so viele Nachrichten über Krieg: Das ist die Schuld von böswilligen Mächten im Hintergrund!“ „Probleme werden nicht gelöst, weil die Regierung es nicht will!“

Wer sind Populisten in Deutschland?

„populistisch“ ist ein Begriff mit negativen Klang. Er wird meist benutzt, um anderen (politische Konkurrenten) vorzuwerfen, dass sie „Vereinfacher“ sind und falsche Lösungen haben. Der Begriff ist dadurch bekannt geworden, weil die AfD als Partei so benannt wurde. Vorher wurde er nicht häufig gebraucht. Die Partei war neu und man wusste noch nicht so richtig sie einzuordnen. Dadurch wird es meist mit Rechtspopulismus in Verbindung gebracht. Wie bereits am Anfang gesagt ist es aber eine Methode in der Politik. Sie wird nicht von bestimmten Richtungen benutzt, sondern von einigen Parteien mehr und leichter erkennbar, und von anderen Parteien weniger.

Beispiel Linkspopulismus:„Die Konzerne regieren die Welt! Die kleinen Leute haben keinen Einfluss.“(Verstärkung von Gefühlen)
Beispiel Rechtspopulismus:„Die Einwanderer aus armen Ländern kommen nur nach Deutschland, um Sozialleistungen zu erhalten“(Vereinfachung)
Beispiel Ökopopulismus: „Die Industrie verdient mit Umweltverschmutzung ihr Geld und nimmt Einfluss auf die Gesetze“ (Volk versus Eliten)

Zusammensetzen der Worte

Oft reicht kein einzelnes Wort aus, um die Realität zu beschreiben. Man kombiniert Begriffe, um zu beschreiben was genau gemeint ist.

Steigerung

Wenn etwas moderat, oder gemäßigt ist, dann braucht man kein Zusatz-Wort. Radikal oder extrem werden oft mit links oder rechts verknüpft, um zu zeigen wie stark die Ausprägung ist. Manchmal wird als noch weitere Steigerung „ultra-“ genutzt. Praktisch gibt es aber keinen Unterschied zu „extrem“.

links, mitte, rechts kombiniert mit radikal und extrem
Die Kombination von „links“, „rechts“ und „radikal“ und „extrem“

Die Bezeichnungen „radikal“ und „extrem“ werden von den Vertretern dieser Haltungen meistens abgelehnt.

Veränderungen in der Zeit

Politiken und Strömungen verändern sich mit der Zeit. Wenn sich die Gesellschaft ändert, ändern sich auch die Themen, die wichtig werden. Das beste Beispiel ist die Sozialdemokratie, die sich entwickelt hat, um die Lebensbedingungen der Arbeiter im 19. Jahrhundert zu verbessern. Früher ging es um die Einführung von Urlaubstagen und Schutz vor gefährlicher Arbeit und willkürlichen Entlassungen. Heute haben Arbeiter in Deutschland dagegen Rechte, von denen die Sozialdemokraten vor 150 Jahren nie geträumt hätten. Sie waren so erfolgreich, dass sie sich „neue Probleme suchen“ mussten. Wie Menschen in ihrem Leben entwickeln aber auch politische Strömungen neue Interessen, Kernthemen oder Stile und Methoden. Um das unterscheiden zu können benutzt man Vorsilben wie „alt“, „neu“ oder „neo“. Speziell die Vorsilbe „neo“ bezieht sich darauf, dass es so etwas wie eine Neuerfindung oder Wiederbelebung ist. Siehe dazu „neoliberal“ (oben). Mit neoliberal ist der Wirtschaftsliberalismus gemeint, der vor Allem in den 1980ern bis 2010ern aufgekommen ist (so sehen es jedenfalls die Gegner dieser Politik).

Kombination

Die politischen Strömungen beziehen sich meistens auch nur auf einen Aspekt der menschlichen Gesellschaft. Wenn jemand z.B. konservativ eingestellt ist, dann kann man mit den Worten „National“ oder „liberal“ die Einstellungen noch genauer beschreiben. Aus den obigen Ausrichtungen werden oft Kombinationen gebildet. Theoretisch kann man alles beliebig kombinieren. Aber nur ein Teil wird wirklich benutzt und eine eigene Bedeutung bzw. Sinn.

Gängige Beispiele sind:

links-liberal
Denkweise, die im Bezug auf die Wirtschaft links ist (Gleichheit, gleiche Verteilung) und im Bezug auf die Gesellschaft liberal (Vorrang des Individuums vor der Gemeinschaft)

rechts-konservativ
Denkweise, die vor Allem auf die Bewahrung und die Funktion der Gemeinschaft fokussiert ist, wobei in der Wirtschaft meist die Freiheit für den Einzelnen wichtig ist.

Es gibt noch viele andere mehr wie liberal-konservativ, links-national (in Deutschland aber wenig verbreitet) oder rechts-national. Das alles aufzulisten führt hier aber zu weit…


Beim Zusammensetzen der Begriffe spielen auch oft die Farben der Parteien eine Rolle. Dazu aber mehr im entsprechenden Beitrag.

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Nachnamen in Deutschland

Hier werde ich über Nachnamen in Deutschland schreiben. Dass das interessant sein kann habe ich mehrere Male bemerkt.  Zum Beispiel, als mir ein Freund aus Äthiopien gesagt hat, dass er sich immer fragt welche Eigenschaften die Vorfahren einer Person mit dem Namen „Stein“ gehabt haben müssen. Oder als ich mit einem Portugiesen über die Regelungen in Deutschland gesprochen habe, die sich ja von Portugal oder Spanien, wo man ja mit 2 Nachnamen arbeitet, unterscheiden. Oder aber als ich von einem Syrer erfahren habe, dass es in arabischen Ländern üblich ist, dass bei einer Heirat die Frau ihren Namen behält, die Kinder aber den Nachnamen des Vaters erhalten. Oder mit einer Koreanerin über das Voranstellen des Nachnamens, was in Deutschland in einer Region vom Dialekt her auch existiert. Weil ich also gemerkt habe, dass es auf der Welt ganz unterschiedliche Konzepte gibt möchte ich hier einen Überblick verschaffen.

Allgemeines

Ganz allgemein wird zwischen Vor- und Nachnamen unterschieden. 

Robert Behrendt -> Robert ist der Vorname, Behrendt der Nachname

Den Nachnamen erbt man von den Eltern. Der Vorname wird von den Erziehungsberechtigten ausgesucht. Bei beiden gibt es in Deutschland genaue Gesetze.

Sie sind auch sehr festgelegt. Namen kann man in Deutschland nicht so einfach ändern. Es muss bei der staatlichen Verwaltung beantragt werden und wird nur in Ausnahmefällen genehmigt. Bei Nachnamen zum Beispiel wenn sie sehr anstößig oder lächerlich klingen (Zum Beispiel „Fick“), Oder wenn sie extrem lang und schwierig auszusprechen und zu schreiben sind. Manchmal auch wenn sie sehr leicht verwechselt werden können.

Herkunft der Familiennamen in Deutschland

Die Nachnamen stammen meistens aus dem Mittelalter. Bis vor etwa 500 bis 800 Jahren gab es praktisch nur die Vornamen. Die Personen wurden meist mit ihrem Beruf (Bauer, Fischer, Müller), einer persönlichen Eigenschaft (klein, groß, schön, alt, braunhaarig), ihrem Wohnort (am Bach, am Berg) und Anderem näher benannt. Ab dem Mittelalter wurden diese Nachnamen aber langsam festgeschrieben, also in Dokumenten vermerkt und an die Kinder vererbt. Schon seit langer Zeit gibt es sehr viele slawische Namen, also von Vorfahren aus Ost-Mittel- und Osteuropa. Das sind Namen wie Nowak oder Kowalski, die man vor Allem daran erkennt, dass sie sehr kompliziert zu schreiben sind, In den letzten hundert Jahren sind natürlich Namen aus Europa und seiner Nachbarschaft, also italienische, türkische, französische, griechische Namen dazugekommen. In Zukunft wird wohl auch der Anteil an arabischen, persischen und afrikanischen Nachnahmen an Bedeutung gewinnen.


Berufe

Mit der Festschreibung der Nachnamen wurden typische Berufe aus früher Zeit konserviert. Seit der Industrialisierung gibt es viele Berufe aber gar nicht mehr. So zum Beispiel „Böttcher“ oder „Köhler“. Andere kennt man noch – obwohl es nicht mehr viele gibt (z.B. „Schmidt“). Wieder andere sind sind zeitlos (z.B. „Koch“).

„Der Fassbinder“ von Christoph Weigel, 1698
NameBedeutung (von vergessenen Berufen)
Müller
Schmidt
Schneider
Bauer
Fischer
Koch
Böttcher, Schäffler, FassbinderHandwerker, die Fässer bauten
KöhlerHersteller von Holzkohle
Vogt, Meier, Schulz, ScholzVerwalter, Beamte
Beispiele von Nachnamen, die auf Berufen basieren

Persönliche Eigenschaften

Um Menschen zu beschreiben, beschreibt man auch deren Körper. Auch wenn die Nachfahren dieser Menschen ganz anders aussehen, sind diese Namen sehr verbreitet.

NameBedeutung
Groß, Lang, Langebesonders große Körpergröße
Kleinkleine Körpergröße
Jung
Altman kann nur vermuten, dass die Person sehr alt ausgesehen hat
Schwarz, Braun, Krausehier waren üblicherweise die Haare gemeint
(sehr dunkles, braunes oder krauses Haar)
stark
Beispiele von Nachnamen, die auf Körpereigenschaften basieren

Wohnstätten, Wohnort

Namen, die auf den Ort hinweisen, wo die Leute gewohnt haben. Das hat man vor Allem gemacht, weil der Beruf Bauer war so häufig war. Deshalb hat man zur besseren Unterscheidung der Leute einfach den Wohnort angegeben. Wer an einem Bach gewohnt hat wurde so „Bachmann“ genannt.

NameBedeutung
Berg, Bergeram Berg
Steinauch Berg/Felsen. Stein ist ein anderes Wort für einen Felsen
Becker / Bachan einem Bach wohnend
(Bäcker mit „ä“ kommt meist vom Beruf,
Becker mit „e“ vom Wort Bach/oder auch „Beck“)
Beispiele von Nachnamen, die auf dem Wohnorten eines Vorfahren beruhen
Wer hier wohnt, „wohnt am Berg“ und kann als „Berger“ bezeichnet werden.
Wer hier wohnt, wohnt „am Bach“ und kann als „Bachmann“ bezeichnet werden.

Vornamen als Nachnamen

Es sind auch einige Vornamen auch zu Nachnamen geworden. Damit wurde die Person als der Sohn des „…“ benannt.

„Behrendt“ ist z.B. eine Ableitung des Vornamen „Bernard“. Bernard ist aber eigentlich ein Vorname. (die Bedeutung des Vornamens ist: „Hart/stark wie ein Bär“.)

Herkunft einer Person

NameBedeutung
Pohlmannaus Polen
Böhmaus Böhmen
Frankeaus Franken
Deutschmannein Deutscher
Beispiele von Nachnamen, die auf der Herkunft eines Vorfahren beruhen

Slawische Namen

Durch die enge Verbindung in en ostmitteleuropäischen Raum (vor Allem heutiges Polen) gibt es auch schon seit Jahrhunderten viele slawische Namen. Ca. 8-9% der Familiennamen in Deutschland haben einen slawischen Ursprung. Sie enden üblicherweise mit -ak, -ow oder -ski.

Beispiele: Nowak, Noack, Pietsch, Koslowski, Kowalski, Lewandowski

Hugenotten-Namen (französisch)

Hugenotten waren französische Protestanten, die durch die Katholiken in Frankreich vertrieben wurden. Das war vor etwa 300 Jahren. Sie haben in vielen protestantischen Gegenden Europas, auch in den protestantischen Ländern Deutschlands eine neue Heimat gefunden.

Beispiele: Dumont, Boué, Godeffroy, de Maizière, Sarrazin

Einwanderung der letzten 70 Jahre

Aus der Einwanderung des 20. Jahrhunderts stammen viele türkische Namen. „Yilmaz“, „Öztürk“ oder „Erdogan“ zum Beispiel kommen auch in Deutschland relativ oft vor. Bei etwa 3 Millionen Türken und türkeistämmigen Deutschen kann man von etwa 3 – 3,5% türkischen bzw. kurdischen Familiennamen ausgehen. Daneben gibt es noch nennenswerte Zahlen von italienischen, griechischen, spanischen und englisch-amerikanischen Familiennamen.

Spezialfall: Adelsnamen

Der Adel war lange Zeit die weltliche gesellschaftliche Führungsschicht in Deutschland. Es gab Adelstitel, die aus bestimmten Funktionen entstanden sind, wie z.B. „Graf“, „Freiherr“ oder „Ritter“. Die Titel sind später vererbt worden. Mit dem „von“ oder „zu“ wird meistens der Herkunftsort der Familie angezeigt.
Seit dem Ende der Monarchie in Deutschland 1919 haben die Mitglieder des Adels keine Privilegien mehr. Die Adelstitel und -Namen, die vorher Rang und Stellung anzeigten wurden einfach zu festen Nachnamen.

Paul „von Hindenburg“
Otto „von Bismarck“
Ursula „von der Leyen

Es gibt aber eine Besonderheit. Bei den Adelstiteln gibt es die Ausnahme, dass die männliche und weibliche Form weiterhin verwendet werden darf.

Mann -> „Freiherr von…“ | „Graf von…“
Frau -> „Freifrau von…“ | „Gräfin von…“

Das jemand einen Adelsnamen hat zeigt heute also nur etwas aus der Historie der Familie. Rechtlich ist jemand mit einem adeligen Namen ein ganz normaler Bürger.

Denkmal Valentin Becker

Denkmal für Valentin Becker. Jetzt weiß der Leser woher „Becker“ kommt.

Regeln für Familiennamen beim Heiraten

Bei der Heirat ist der klassische Fall, dass die Frau den Nachnamen des Mannes annimmt. Das ist auch die jahrhundertealte Tradition, die bis in die 1960er/1970er Jahre gesetzlich vorgeschrieben war. Heute kann man sich aussuchen, ob ein Partner den Namen des Anderen annimmt, oder ob beide ihren eigenen Nachnamen behalten. Einer der beiden Partner kann auch einen Doppelnamen tragen. Nach einer Scheidung hat man in der Regel das Recht seinen alten Namen wieder anzunehmen. Eigenkreationen, also Mischungen von Namen sind nicht erlaubt. Für Ausländer, die in Deutschland leben kann bei Heirat auch das Namensrecht des Heimat-Staates angewandt werden.

Wenn zum Beispiel Martin Müller und Anne Schmidt heiraten, haben sie nach deutschem Recht folgende Möglichkeiten:

Variante (nach Häufigkeit)Namen nach der HochzeitHäufigkeit (2016)
1. die Frau nimmt Namen des Mannes anMartin Müller + Anne Müller74%
2. beide behalten ihren NamenMartin Müller + Anne Schmidt12%
3. ein Ehepartner
(meistens die Frau)
nimmt einen Doppelnamen an
Martin Müller + Anne Schmidt-Müller
oder
Martin Schmidt-Müller + Anne Schmidt
8%
4. der Mann nimmt Namen der Frau anMartin Schmidt + Anne Schmidt6%

Dreifachnamen sind übrigens nicht möglich! Das hat das Bundesverfassungsgericht am 5. Mai 2009 festgelegt. Man kann also nicht durch mehrere Ehen „Namen sammeln“ und dann z.B. „Schmidt-Müller-Stein“ heißen.

Beispiel einer bekannten Person
Angela Kasner wurde 1954 geboren. 1974 heiratete sie Ulrich Merkel. Sie änderte ihren Namen auf Angela Merkel. 1981 ließen sie sich scheiden, Angela Merkel behielt aber den angenommenen Ehenamen. 1998 hat sie Joachim Sauer geheiratet. Sie behielten aber beide Ihre jeweiligen Namen und sind nun das Ehepaar Angela Merkel und Joachim Sauer.


Geschichtliche Entwicklung Ehenamensrecht (für besonders Interessierte Leser)

Am Ende des 19. Jahrhunderts, im Kaiserreich 1875 wurde die Zivilehe eingeführt. Seit diesem Zeitpunkt kann man von allgemeinen Regeln in ganz Deutschland sprechen. Mit dem BGB von 1896 war zum gesetzlich geregelt, dass (der Tradition entsprechend) der Name des Mannes bei Eheschließung automatisch der Familienname wird.

Eine Änderung daran gab es 1966 in Ostdeutschland (DDR) und ab 1976 auch in Westdeutschland (BRD):
Entweder der Name des Mannes oder der Frau wurden zum Familiennamen bestimmt, den auch die Kinder bekommen. Wenn es gewünscht war konnte einer der beiden Ehepartner seinen bisherigen dem neuen Ehenamen verbinden. Doppelname, z.B Schmidt-Müller. Dass beide ihren Namen behalten war aber nicht möglich. Zu beachten ist, dass die Gesetze in den beiden deutschen Staaten mit 10 Jahren Unterschied geändert wurden. Bei der Gleichstellung der Frau war das sozialistische Ostdeutschland schneller als das freiheitliche Westdeutschland.

1991 wurde im wiedervereinigten Deutschland beschlossen, dass beide auch ihre eigenen Namen behalten durften. Auch war damit ein Doppelname für beide Personen möglich. Schon 1993 wurde aber die Möglichkeit der gemeinsamen Doppelnamen für Verheiratete und auch für Kinder wieder zurückgenommen.
Seit 1993 gelten die oben genannten Regeln.


Weitergabe der Familiennamen bei Kindern

Wenn die Eltern verheiratet sind: In einer Ehe kann ein Familienname bestimmt werden. Diesen erhalten auch die Kinder. Wenn es keinen vorher bestimmten Familiennamen gibt, wird einer der Namen der Eltern gewählt.

Wenn die Eltern nicht verheiratet sind: Bei Kindern, die nicht in einer Ehe geboren werden erhalten die Kinder normalerweise den Namen der Mutter. Das Kind kann aber auch den Namen des Vaters annehmen, wenn beide Eltern das Sorgerecht haben.

Ein Doppelname kann nicht an die Kinder weitergegeben werden. Das war nur in einer Zeit von 1991 bis 1993 möglich. Lena Meyer-Landrut, die für Deutschland den Eurovision Song Contest 2010 gewonnen hat ist einer dieser Ausnahmen, sie ist 1991 geboren und hat den Doppelnamen von ihrem Vater.

Anne und Martin bekommen eine Tochter, Leonie. Je nachdem wie die Eltern heißen gibt es folgende Möglichkeiten für Leonies Nachnamen:

Name der ElternName der Tochter
Anne Schmidt und Martin Schmidt Leonie Schmidt
Anne Schmidt und Martin Schmidt-Müller Leonie Schmidt
Anne Schmidt und Martin Müller
(egal ob Anne und Martin verheiratet sind oder nicht)
Leonie Schmidt
oder
Leonie Müller
Karl Schmidt

Herr Schmidt hat nicht den Beruf seines mittelalterlichen Vorfahren gewählt.

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Deutschland für Anfänger Feste

Karneval / Fasching / Fastnacht

Karneval, Fasching, Fastnacht… Wie so oft gibt es in Deutschland für ein und dieselbe Sache je nach Region verschiedene Bezeichnungen.
In Deutschland beschreibt man es oft so: Kontrollierter Exzess!

Bezeichnung

Hauptsächlich werden diese 3 Bezeichnungen verwendet:
(Der) Karneval -> das kommt aus dem lateinischen, entweder „carne levare“ (Fleisch wegnehmen) oder „carne vale“ (Fleisch, Lebe wohl!)
(Die) Fastnacht -> „die Fastenzeit naht“ oder „die (letzte) Nacht vor dem Fasten“
(Der) Fasching -> aus dem mittelalterlichen „Fastenschank“ also den letzten Ausschank von alkoholischen Getränken vor der Fastenzeit

Für mich persönlich handelt es sich um Fasching! Ich werde aber hier „Karneval“ verwenden, weil es in Deutschland überregional verwendet wird und auch im Englischen verwendet wird.

Straßenkarneval in Würzburg | Foto: Robert Behrendt
Straßenkarneval in Würzburg | Foto: Robert Behrendt

Formen und Elemente:

Regionalität: Wie bedeutsam der Karneval ist, ist sehr von der Region abhängig. Meist sind es überwiegend katholische Regionen, in denen sich eine starke Karnevalskultur entwickelt und erhalten hat. Besonders beliebt ist er im Rheinland (Köln, Düsseldorf, Aachen, Bonn, Mainz und andere). Er wird aber überall gefeiert, obwohl es nicht überall die gleiche Intensität gibt.

Sitzungs-, Straßen- und Partykarneval
Klassisch kann zwischen Sitzungskarneval und Straßenkarneval unterscheiden. Bei den Sitzungen handelt es sich um besondere Veranstaltungen in Innenräumen, die von den Karnevalsgesellschaften organisiert werden. Der Straßenkarneval findet vor Allem draußen und in Bars statt. Auch hier gibt es aber organisierte Veranstaltungen wie de Karnevals-Umzüge oder den Rathaussturm, bei dem die Narren symbolisch die Macht in der Stadt übernehmen.
Dann gibt es auch noch Karneval-Parties in verschiedenen Formen, sei es in Bars, Clubs, in Schulen oder privat.

Karnevalsgesellschaften: Das sind Vereine, deren Mitglieder mit voller Leidenschaft Karneval feiern und vor Allem die Veranstaltungen organisieren.

Karnevals-Sitzungen: Sie werden von den Karnevalsgesellschaften veranstaltet. Hier ist ein großer, dekorierter Saal voll mit meist kostümierten Gästen. Es treten mehrere Künstler, Comedians und Tanzgruppen auf. Die „Sitzung“ wird von einem Sitzungspräsidenten und dem Elferrat geleitet. Alles ist ausgelassen, dennoch gibt es eine ironische ernsthafte Fassade im Ablauf, der an eine Mitgliederversammlung einer ernsthaften Organisation erinnert. Wie so oft ist es eine Parodie auf sonst ernsthafte Versammlungen. Zur Faschingszeit werden sehr viele dieser Sitzungen, von den großen und bekannten Vereinen im Fernsehen übertragen. Wenn man sie richtig erleben möchte muss man aber wirklich da sein. Der Humor auf solchen Sitzungen ist meistens nicht sehr hochintellektuell, aber es geht einfach um den Spaß.

Straßenkarneval: Feiern auf der Straße und in angrenzenden Bars. Es wird gelacht, getrunken und besonders ausgelassen gefeiert. Hier sind Dinge erlaubt, die sonst nicht möglich sind: Zum Beispiel Alkohol in rauen Mengen bei Tag und Nacht. Sprüche, die an normalen Tagen sexistisch wären sind im Straßenkarneval keine Rede wert. Natürlich ist es nicht immer so extrem. Man sollte aber schon Spaß verstehen, wenn man mitten in der Menge ist.

Karnevals-Umzüge: Sie sind der Höhepunkt des Straßenkarnevals. Hier ziehen Kostümierte zu Fuß oder auf geschmückten Fahrzeugen durch die Stadt. Es ist auch eine Parade der Karnevalsgesellschaften. Auf den Fahrzeugen wird gefeiert oder auch aktuelle Themen kritisch und humorvoll aufgenommen. Meist werden die „Mächtigen“ verhöhnt. Der größte ist der Rosenmontagsumzug in Köln. Es gibt aber auch in vielen kleinen Orten kleine, gemütliche Umzüge.

Karnevals-Rufe: Auf dem Höhepunkt der Karnevalszeit gibt es einen eigenen Gruß. Mit ihm kann man auch zeigen, dass man bei dem ganzen Trubel mitmacht. Sie sind auch regional unterschiedlich. Die bekanntesten sind „Helau“ und „Alaaf“. Man sagt zum Beispiel in Köln „Alaaf“ und in Düsseldorf „Helau“. Weil zwischen diesen beiden Städten eine Art „Feindschaft“ besteht, sollte man den richtigen Gruß verwenden 😉

Schwäbisch-Alemannische Fasnet: Eigenständiger, ursprünglicher Karneval im südwestdeutschen Raum. Die Elemente des „modernen“, rheinischen Karneval gibt es hier bewusst nicht.

Typisches Essen: Krapfen/Berliner

Wie ich schon erwähnt habe, geht es im Straßenkarneval manchmal derb zu. Hierzu ein Zitat aus einem Meinungsartikel von Dagmar Rosenfeld, Chefredakteurin der WELT:

Im Karneval wird die Frage beantwortet, wie weit wir gehen, wenn wir uns gehen lassen. Gerade weil an den tollen Tagen außer Kraft gesetzt wird, was sonst die Regel ist, offenbaren sie, wie wertestabil und gleichberechtigt unsere Gesellschaft ist. Und die ist so stabil, dass sie selbst im Unanständigsein Anstand wahrt.

Dagmar Rosenfeld
https://www.welt.de/debatte/kommentare/article189539633/Genderdebatte-An-Karneval-hat-MeToo-Ferien.html

Historische Bedeutung

Karneval ist die Zeit vor der christlichen Fastenzeit bis Ostern. Die Grundformen des Festes in Deutschland geht auf das Mittelalter zurück. Früher, als die Fastenzeit noch streng für alle galt, mussten bis zur Fastenzeit alle Vorräte an tierischen Lebensmitteln und alkoholischen Getränke „aufgebraucht“ werden. Es wurde also nochmal ein richtig ausschweifendes Fest gefeiert, bevor 40 Tage gefastet wurde. Daneben gab es noch aus sehr alten Zeiten Bräuche, die den Winter verscheuchen sollten. Diese sind damit zeitlich zusammengefallen. Im Ergebnis hat sich ein ausgelassenes Fest mit Maskierungen, Verkleidungen etc. entwickelt. Es war auch war es eine Zeit in der in ein paar Tagen die „Verhältnisse in der Welt“ umgedreht wurden. Die Diener wurden zu Herren und andersherum. Die „Narren“ übernahmen die Macht. Das ist auch der Grund warum es in Deutschland symbolische „Erstürmungen“ der Rathäuser gibt.
Viele Elemente stammen aber auch aus dem 19 Jahrhundert. Es wurden die Soldaten mit ihren Uniformen, mit ihrem Gleichschritt und Disziplin parodiert. Angefangen hat es mit versteckten Spott an den napoleonischen Besatzungstruppen im Rheinland. Danach gegenüber den Preußen, die nach den Befreiungskriegen gegen die Franzosen in vielen Ländern nun das Sagen hatten. Deshalb sehen die traditionellen Bühnen-Tänze, Uniformen etc. militärisch aus: Es ist eine Parodie auf das Militär!

Zeitlicher Ablauf

11. November (11.11.): Anfang der Karnevals-Zeit
Historisch, weil es in frühchristlicher Zeit eine Fastenzeit vor Weihnachten gab.
Hier werden die Rathäuser gestürmt.

Februar/März: Hier finden Veranstaltungen und Prunksitzungen der Vereine statt.

Engere Karnevalstage:Die richtigen Karnevalstage finden kurz vor der Fastenzeit statt, also im festen Abstand zu Ostern. Weil Ostern vom Mondkalender abhängt, der nicht ganz mit dem Sonnenkalender (365 Tage) übereinstimmt, fällt Ostern und damit Karneval jedes Jahr an unterschiedliche Daten in den Monaten Februar und März.

  • Weiberfastnacht/Weiberfasching: Donnerstag vor Aschermittwoch. Hier fängt der Straßenkarneval an.
  • „Karnevalsfreitag“, „Karnevalssamstag“ und „Karnevalssonntag“ -> das Wochenende, an dem schon viel gefeiert wird
  • Rosenmontag -> Der „Höhepunkt“ des Karnevals. Hier findet der berühmte Rosenmontagszug in Köln statt
  • Faschingsdienstag
  • Aschermittwoch (Von „Asche“ -> hier bleibt vom ganzen Fest nur die Asche übrig und es ist vorbei)
    Interessant ist hier, dass traditionell die Parteien einen „politischen Aschermittwoch“ veranstalten. Dabei geht es darum vor den eigenen Leuten zu sprechen und den politischen Gegner besonders hart zu kritisieren.

Aschermittwoch ist der Beginn der christlichen Fastenzeit, die bis Gründonnerstag/Ostern verläuft. Die Fastenzeit dauert 40 Tage, die Sonntage sind aber ausgenommen. Bei der Fastenzeit geht es traditionell um den Verzicht auf Fleisch. In der heutigen Zeit geht es vielen gläubigen Christen aber vor allem um das Symbol. Man verzichtet zum Beispiel auf Alkohol, Süßigkeiten etc. Laut einer repräsentativen Umfrage im Jahr 2017 fasten in Deutschland 11% der Bevölkerung in der christlichen Fastenzeit. Dieser Ursprung ist also nicht mehr so bedeutend.

Wichtig ist zu wissen: Kein Karnevals-Tag ist ein gesetzlicher Feiertag. Rosenmontag und Faschingsdienstag sind in einigen Gegenden aber Tage an dem die Unternehmen ihren Angestellten frei geben.

kleines Glossar:

  • „fünfte Jahreszeit“ -> so wird der Karneval / Fasching auch genannt (die Zeit vom 11.11. bis Aschermittwoch)
  • „Karnevalshochburg“ -> da wo der Karneval besonders stark verwurzelt ist
  • „Jeck“ / „Narr“ / „Narren“ -> Ausdrücke für Personen, die Karneval feiern. Man kann „jeck“ auch als adjektiv benutzen: man kann es mit fröhlich, witzig, in Feierlaune beschreiben

Fazit:

In Deutschland geht es ja meist recht ordentlich zu. Der Karneval ist dagegen ein „Ausnahmezustand“ und „geregelter Kontrollverlust“. Es gibt Leute, die nichts damit zu tun haben möchten und andere, die ihn lieben.

Wenn man mitmachen möchte ein Tipp: Man sollte wissen, ob man in der Region wo man ist „Karneval“ oder „Fasching“ sagt. Und was der regionale Ausruf ist: Zum Beispiel „Helau“ oder „Alaaf“. Man muss sich nicht aufwendig verkleiden, etwas buntes reicht auch aus. Ansonsten gilt nur: Gute Laune!


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Deutschland für Anfänger Politik und Gesellschaft

Empfehlungen für Filme und Serien

Hier möchte ich einige bedeutende oder empfehlenswerte deutsche Filme und Serien auflisten.

Hintergrund: Bis 1933 hatte der deutsche Film Weltgeltung. Heute ist er international nicht so sehr bedeutend. Es gibt aber trotzdem gute Filme und einige gute Serien, die Spaß machen auch einen Einblick in das Land gewähren.

Kinofilme

Das Leben der Anderen (2006)
Drama, Geschichte
Überwachungen der DDR Staatssicherheit in der Kulturszene von Ost-Berlin, spielt in den 1980er Jahren

Die Blechtrommel (1979)
Romanverfilmung
Geschichte über ein ungewöhnliches Kind in Deutschland der 1930er und 1940er Jahre, interessant mit einem Blick in die Zeit

Der Untergang (2004)
Drama, Geschichte
gut gemachter Film über die letzten Tage Hitlers und den letzten Kämpfen in Berlin
Besonders, da es einen Teil des Menschen Adolf Hitlers zeigt (basierend auf den Erinnerungen seiner Sekretärin)

Das Boot (1981)
Kriegsdrama, Thriller
U-Boot-Krieg im Atlantik im zweiten Weltkrieg, Action und Erlebnisse der Besatzung

Baader-Meinhof-Komplex (2008)
Drama, über die RAF, linksextreme Terrorgruppe in den 70er Jahren

Eberhofer-Krimis (Rita Falk – Verfilmungen)
Mischung aus Komödie und bayerischen Heimatkrimi. Achtung, es wird oft Bayerisch gesprochen…
– Dampfnudelblues (2013)
– Winterkartoffelknödel (2014) – Winterkartoffelknödel – OFFIZIELLER TRAILER
– Schweinskopf al dente (2016) – SCHWEINSKOPF AL DENTE – offizieller Trailer
– Grießnockerlaffäre (2017)
– Sauerkrautkoma (2018) – SAUERKRAUTKOMA – offizieller Trailer

Lammbock (2001)
Komödie. Zwei Freunde, die in Würzburg einen Pizza-Lieferdienst betreiben, aber auch Marihuana anbauen.

Good Bye, Lenin! (2003)
Komödie, bei der ein Sohn seiner Mutter über Jahre vorgaukelt, dass die DDR weiter besteht

Sonnenallee (1999)
Komödie, über das Leben Ost-Berliner Jugendlicher in den 1970er Jahren

Werner
Animation, Komödie mit norddeutschem Humor, basiert auf den Werner-Comics (für Erwachsene)
– Werner – Beinhart (1990) – Werner Beinhart Fankanal
– Werner – Das muss Kesseln!!! (1996) – Werner 2 – Das muß kesseln!!! | Trailer
– Werner – Volles Rooäää!!! (1999)
– Werner – Gekotzt wird später! (2003) – Werner 4 – Gekotzt wird später! | Trailer
– Werner – Eiskalt (2011) – Werner Eiskalt – Trailer

Herr Lehmann (2003)
Tragikomödie, spielt 1989 in West-Berlin

Berlin Calling (2008)
Film über einen Berliner DJ. Die Hauptrolle spielt der Berliner DJ Paul Kalkbrenner – Berlin Calling (2008) – Trailer

Serien

Babylon Berlin
Serie über das Berlin der 20er Jahre

Türkisch für Anfänger (Serie, Comedy)
Comedyserie über eine Deutsch-Türkische Patchwork-Familie

Der Tatortreiniger
Comedy-Serie über einen „Tatort-Reiniger“, also jemand der nach einem Verbrechen professionell den Ort reinigt.

4 Blocks
Dramaserie, über arabische Clans (Mafia) in Berlin

Tatort:
Krimireihe mit 90-minütigen Episoden, die Sonntags 20:15 Uhr im Ersten deutschen Fernsehen kommt. Es ist die beliebteste Krimi-Reihe im deutschsprachigen Raum. Dabei gibt es eine Reihe aus München, Berlin, Dortmund, Dresden, Frankfurt, Stuttgart, Kiel, Freiburg, Wiesbaden und noch mehr (auch Wien, Österreich und Luzern, Schweiz). Es gibt dann etwa 1-4 Tatorte aus einer Stadt im Jahr. Die Tatorte sollen realistisch und nachvollziehbar sein. In den letzten Jahren gab es auch einige „experimentelle“ Tatorte, die ein wenig mit der Realität spielen. Außerdem werden immer wieder aktuelle Themen aufgegriffen.
Der Charakter der Reihen ist immer ein wenig unterschiedlich. Oft steht auch die Persönlichkeit der Ermittler und das Zusammenspiel der Teams im Vordergrund. Es gibt auch Reihen, die eher Komödien sind: „Tatort Münster“.

Das Grundkonzept ist immer gleich:

1. Es gibt einen Mord (typischerweise stirbt Jemand in den ersten Minuten).
2. Es wird der Mörder ermittelt (typisch ist, dass er/sie erst ganz am Schluss feststeht).
3. Meistens versucht am Ende der Mörder noch jemanden umzubringen. Die Ermittler können im letzten Moment eingreifen, um einen weiteren Toten zu verhinden.


Das Setting, also die Orte, die Charaktere zeitlose und aktuelle Themen aber sehr vielfältig. Es gibt auch einige Fanclubs und Menschen treffen sich zum gemeinsamen „Tatort-Gucken“.  Wie bekannt und beliebt der „Tatort“ ist sieht man auch an der Detailliertheit des Wikipedia-Artikels: https://de.wikipedia.org/wiki/Tatort_(Fernsehreihe)

Polizeiruf 110:
In der DDR wurde als Gegenstück zum westdeutschen Tatort seit 1971 der „Polizeiruf 110“ produziert. (Tatort: Start 1970 in Westdeutschland). Die Polizeiruf-Filme sind auch Krimis, aber in der DDR-Zeit hab es in Details Unterschiede und Besonderheiten, deren Gründe in dem komplett anderen Staatssystem liegen. Im Gegensatz zum „westlichen“ Tatort gab es dort meistens keinen Mord, sondern es wurden „kleinere“ Verbrechen aufgeklärt und es war mehr die Polizeiarbeit im Vordergrund und weniger Action.
Nach der Wiedervereinigung hat sich der „Polizeiruf“ dem Tatort angeglichen, es gibt ihn aber immer noch vor Allem in ostdeutschen Städten.

Beim Polizeiruf kann ich den aus der Stadt Rostock empfehlen (Seit 2010 gedreht). Ebenfalls der Polizeiruf München mit „Hanns von Meuffels“ (2011-2018) sind empfehlenswert.

Dokumentationen / Dokutainment

Bei Dokumentationen möchte ich nichts Spezielles empfehlen, weil es sehr viel interessantes und aktuelles gibt. Außerdem ist es stark vom eigenen Interesse abhängig. Ich stelle hier nur ein paar Reihen vor.

Terra X
Die Doku-Marke des ZDF. Hier gibt es Dokumentationen zu wirklich sehr vielen Themen.
Terra X (ZDF, Mediathek)

Beispiele:
Die Geschichte des Essens (1/3) – Vorspeise
Ritter (1/3): Helden aus Eisen (Entstehung des Rittertums)
Ein Tag in Berlin 1926
Kanada – Schatz der Kälte
Russland von oben (1/5)

Auch interessant:
ZDF-Produktionen in 360°

Phoenix History
Link zur Übersicht/Mediathek von aktuellen Sendungen: https://www.phoenix.de/sendungen/dokumentationen/phoenix-history-s-121553.html

Phoenix Dokumentationen
https://www.phoenix.de/sendungen/dokumentationen-s-121583.html

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Deutschland für Anfänger Feste

Das Weihnachtsfest

Nachdem ich in einem anderen Beitrag über die Weihnachtszeit geschrieben habe möchte ich hier über das Fest an sich schreiben. Über das, was zeitlich eng damit verbunden ist, Heiligabend, die Weihnachtsfeiertage und die Zeit nach Weihnachten.

Krippen und Krippenspiel: Zu Weihnachten gehört die biblische Weihnachtsgeschichte. Hauptsächlich in den Kirchen werden „Krippen“ aufgestellt. Das sind modellhafte Darstellung der Stallszene in der Weihnachtsgeschichte. Daneben wird von den Kindern der Kirchengemeinden ein Schauspiel eingeübt und aufgeführt, bei dem die Weihnachtsgeschichte aufgeführt wird.

Die Weihnachtszeit ist auch Zeit der Geschichten und klassischen Filme. Im Fernsehen werden besonders viele Märchen gezeigt. Dabei gibt es Klassiker, die schon seit vielen Jahren immer wieder gezeigt werden: Zum Beispiel „3 Haselnüsse für Aschenbrödel“ (Aschenputtel), die schwedischen „Michel aus Lönneberga“-Geschichten von Astrid Lindgren oder „Der kleine Lord“.

In der Weihnachtszeit sieht man oft Orangen/Mandarinen, Äpfel und Nüsse. Hintergrund: Früher waren diese Dinge nicht das ganze Jahr zu erhalten. Äpfel werden im Herbst reif und sind deshalb zu dieser Zeit reichlich vorhanden. Auch Nüsse sind gut lagerbar und lieferten im kalten Winter viel Energie. Orangen und Mandarinen sind in der Weihnachtszeit reif (in Südeuropa), deshalb werden auch sie zu Weihnachten verschenkt.

Der Heiligabend wird, wie auch der erste und zweite Weihnachtstag, je nach Familientradition anders gestaltet. Der 24. Dezember ist kein gesetzlicher Feiertag. Die Geschäfte haben üblicherweise aber nur bis mittags offen. Viele Leute nutzen dies als letzte Gelegenheit für Einkäufe. Deshalb sollte man die Dinge, die man für das Fest braucht schon vorher organisieren. Im Laufe des Tages werden die letzten Vorbereitungen getroffen. Traditionell wird auch der Weihnachtsbaum erst an diesem Tag aufgestellt und geschmückt.  Das Essen wird vorbereitet und Verwandte Reisen zu ihren Besuchen. Gläubige besuchen die Gottesdienste. Dabei ist es für viele Leute einer der wenigen Kirchenbesuche im Jahr.
Der Abend gestaltet sich meistens als ruhiges Familienfest in der Familie. In manchen Familien ist das Singen von Liedern oder Spielen von Instrumenten Brauch. Für die, die das nicht selbst machen gibt es aber im Fernsehen Konzerte, Shows, Märchen und Ähnliches. Brett- und Kartenspiele sind ebenfalls beliebt.
Es gibt auf jeden Fall leckeres Essen. Am Heiligabend gibt es allerdings den Brauch Würstchen mit Kartoffelsalat zu essen. Dies ist ein einfaches Essen, als Kontrast zu den aufwendigen Gerichte in den nächsten beiden Tagen.
Die Geschenke werde bei der „Bescherung“ verteilt. Wenn es Kinder in der Familie gibt, dann wird ein Weihnachtsmann engagiert, der die Geschenke überreicht. Das geht aber nicht einfach so. Man sollte darauf gefasst sein, dass man ein Gedicht aufsagen oder ein Lied singen muss, damit man das Geschenk bekommt.
Je nach Region bringt auch das „Christkind“ die Geschenke. Das ist natürlich nicht zu sehen, deshalb können die Kinder auch damit überrascht werden, dass die Geschenke plötzlich da sind.
Auch wenn kein spezieller Weihnachtsmann kommt, dann wird üblicherweise jemand bestimmt der die Geschenke verteilt – inklusive Spaßfaktor. Große oder kleine Geschenke, gekaufte oder selbstgemachte. Da ist alles möglich was man sich vorstellen kann.
Das wichtigste aber ist, dass man einen schönen Abend in der Familie verbringt.

Aussehen des Weihnachtsmanns: Hat sich aus dem Nikolaus entwickelt. Das Aussehen des Weihnachtsmann war bis in die 30er Jahre unterschiedlich. Es gab mehrere, die oft vom Ursprung (Bischof) inspiriert waren. Coca Cola in den USA hat den Weihnachtsmann nicht erfunden, aber er hat den Rot-Weißen Stil weltweit populär gemacht und damit vereinheitlicht! Es wurde für eine Werbekampagne genutzt, wobei rot und weiß natürlich wegen der eigenen Farben ausgesucht wurde.
Das Christkind: Martin Luther hat als Reformator der Kirche die Heiligenverehrung (Katholizismus) abgelehnt und hat einen Ersatz für den Nikolaus gesucht, der ja ein Bischof war und heilig gesprochen wurde.

Der erste und zweite Weihnachtstag wird vor Allem auch für Besuche genutzt. Und natürlich, um die Geschenke auszuprobieren 🙂 An diesen Tagen wird sehr gut gegessen. Sehr typische sind Gans oder Ente mit Rotkohl und Klößen. Oft nutzt man die Zeit für Besuche bei Verwandten. Ironischerweise ist Weihnachten auch immer mit „Familienstreit“ verbunden. Besonders wenn sich Verwandte treffen, die sich eigentlich nicht mögen. Und Harmonie und Besinnlichkeit kann man natürlich nicht erzwingen… Wenn das Fest vorbei ist und sich erstmal eine lange Zeit nicht sieht, dann ist alles wieder in Ordnung. Bis zum nächsten Weihnachtsfest… Um zu erfahren, was die Deutschen am 25. und 26. Dezember wirklich machen dann muss man sie fragen. Das ist nämlich je nach Geschmack anders.
Man kann natürlich davon ausgehen, dass es Leute gibt, die diesen ganzen Trubel nicht mitmachen. Diese Weihnachtsmuffel suchen sich in diesen Tagen Beschäftigungen, die gar nichts mit Weihnachten zu tun haben. Oder sie fahren um die Zeit in den Urlaub!

Die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester wird auch die „Zeit zwischen den Jahren“ genannt. Viele Leute nehmen Urlaub. In manchen Unternehmen wird gar nicht oder fast gar nicht gearbeitet. Mit Silvester/Neujahr endet aber die ruhige Zeit. Traditionell wird der Weihnachtsbaum und alle andere Dekorationen am 6. Januar abgebaut. Die Deko wird wieder eingelagert und wartet auf das nächste Weihnachten. In Deutschland ist natürlich auch geregelt wie die Weihnachtsbäume entsorgt werden! Entweder gibt es einen besonderen Termin, an dem die Stadtreinigung eine extra Weihnachtsbaum-Tour macht, um alles einzusammeln. Oder (meist in kleineren Orten) gibt es ein kleines gemütliches Fest, das „Weihnachtsbaumverbrennen“, bei dem meist die örtliche Feuerwehr alle Weihnachtsbäume des Ortes in einem große Feuer verbrennt.

Weihnachtsbäume, zur Abholung bereit! | Foto: Robert Behrendt

Der 6. Januar ist der Tag der heiligen 3 Könige. Dies hat vor Allem in katholischen Regionen Bedeutung. In einigen Bundesländern ist er auch ein gesetzlicher Feiertag. Es gibt die die Tradition der „Sternsinger“. Dabei ziehen Kinder als hl. 3 Könige verkleidet an die Häuser, singen und sammeln Spenden für Arme etc. In großen Orten muss man sie zu sich bestellen. Als Abschluss bekommt man an der Haustür eine Segnung. Es ist der letzte Teil aller Weihnachtstermine. Damit ist dann Schluss bis zum nächsten Jahr.

Weihnachten ist ein christliches Fest, das durch Geographie und Geschichte bereichert wurde. Die Zeit zur Wintersonnenwende ist der Höhepunkt des kalten, dunklen Winters und das Ende des Jahres. Deutschland ist durch seine Geschichte christlich geprägt und so feiern Christen zu dieser Zeit die Geburt Jesus Christus. Dieses Fest ist zu einem festen Bestandteil der Kultur geworden. Der religiöse Aspekt ist noch spürbar, ist aber mittlerweile nur ein Teil. Der größte Teil der Dinge, die ich hier beschrieben habe sind auch ohne den religiösen Anlass schöne Traditionen und Bräuche. Unabhängig vom Ursprung begehen auch Menschen ohne Glauben oder anderer Religionen mehr oder weniger der Traditionen.
Es ist die Zeit von Licht im Dunkeln, der Rückblick auf das alte Jahr und Blick in das neue Jahr. Es sind Feiertage für die Familie, Besinnlichkeit, Frieden… Es ist also etwas, das allen Menschen wichtig ist.

Foto: Robert Behrendt
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Die Weihnachtszeit

Ich möchte hier über die Weihnachtszeit und später auch über das Weihnachtsfest mit seinen Bräuchen geben. Ich kann dabei nur einen Ausschnitt zeigen, denn es gibt sehr viele regionale Besonderheiten von denen ich gar nichts weiß. Jede Familie hat auch ihrer eigenen Traditionen und Abläufe. Darüber hinaus bin ich kein Christ, weshalb Weihnachten für mich weniger mit Religion zu tun hat, sondern mehr mit Familie und Ruhe mitten im Winter.

Weihnachten, das christliche Fest zur Feier der Geburt von Jesus Christus, das ist genauer der 24. Dezember (Heiligabend) und der 25. und 26. Dezember (1. und 2. Weihnachtsfeiertag). Die Wochen davor werden Vorweihnachtszeit genannt.

Diese Weihnachtszeit beginnt so richtig mit dem 1. Advent. Der 1. bis 4. Advent, das sind die 4 Sonntage vor Weihnachten. Dazu gibt es den Brauch, einen Adventskranz aufzustellen. Traditionell besteht er aus Tannengrün, auf dem sich 4 Kerzen befinden. Jeden Adventssonntag wird eine weitere Kerze angezündet. Tannengrün, so wie der Weihnachtsbaum, sind klassische Dekoration. Sie symbolisieren als immergrüne Pflanzen (also auch über den Winter) die Natur / das Leben /den Frühling nach dem man sich zurücksehnt. 
Natürlich darf der Adventskalender mit seinen 24 Türen nicht fehlen. Die klassische Variante unserer Zeit ist mit kleinen Schokoladenfiguren gefüllt. Heutzutage kann aber alles Mögliche drin sein. Kosmetik, Literatur, Tee oder Sexspielzeug. Man kann auch aus einem Kasten Bier einen Adventskalender basteln. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Die Grundidee sind 24 kleine Überraschungen für jeden Tag vom 1. bis 24. Dezember, um das Warten zu erleichtern. Ungeduldige und Schokoladensüchtige machen aber alle 24 Türchen auf einmal auf, um die Schokolade zu essen.

Dekoration

Die Weihnachtsdekoration wird am ersten Adventswochenende aufgestellt und bis bleibt bis zum 6. Januar stehen. 
Beispiele für typische Weihnachtsdekoration sind: der Schwibbogen, das Räuchermännchen, das Lebkuchenhaus, der Nussknacker und die Weihnachtspyramide. Lichterketten in allen möglichen Formen gehören auch zur Weihnachtsdekoration. 
Auch die Geschäfte in der Stadt und sehr viele Unternehmen dekorieren zur Weihnachtszeit. 
Aufgeregt blinkende und farbverändernde Lichter entspringen allerdings eher asiatischem Geschmack, also da wie die meiste Lichterdekoration hergestellt wird. Die schönere Dekoration ist ruhig und stilvoll.

Weihnachtsdekoration im Berliner Hauptbahnhof, Foto: Robert Behrendt

Nikolaus

Am 6. Dezember ist der Nikolaus-Tag. In Deutschland gibt es an diesem Tag schon einmal einen Vorgeschmack auf Weihnachten, indem es kleine Geschenke gibt. Es gibt folgenden Brauch: Die Kinder putzen ihre Schuhe oder Stiefel und stellen sie über Nacht nach draußen vor die Tür. Am nächsten Morgen sind die Schuhe mit kleine Geschenke gefüllt: Aber nur wenn sie gut geputzt sind, denn Fleiß wird belohnt! Wer seine Schuhe nicht ordentlich putzt bekommt nichts. Außer Schuhen werden mancherorts auch Teller über Nacht aufgestellt. Heutzutage bekommen die Kinder aber fast immer etwas, auch wenn sie nicht brav waren. 
Es hat sich dahin entwickelt, dass es zum Nikolaus in Kindergärten, Grundschulen oder ähnlichen Orten einen Nikolaus gibt, der kleine Geschenke bringt. An Weihnachten trifft man sich ja nicht mehr. In frühen Zeiten hat der Nikolaus am 6. Dezember die eigentlichen Geschenke gebracht. Die „Bescherung“ ist aber in Deutschland wie in anderen Ländern zum Weihnachtsfest gewandert. Dann bringt der Weihnachtsmann oder das Christkind (je nach Region) die Geschenke.
Im englischsprachigen Raum heisst der Geschenkebringer auch Santa Claus und kommt zu Weihnachten. Nicht nur der Name, sondern auch das heimliche Bringen der Geschenke in der Nacht entspricht der Deutschen Tradition. Es sind nicht Stiefel oder Teller, sondern Strümpfe in die die Geschenke gelegt werden. Die Idee ist dieselbe – nur der Termin ist anders.

was dazugehört…

Weihnachtsfeiern gehören zu den obligatorischen Dingen in Vereinen, Unternehmen und sonstigen Organisationen und Gruppen, dass man eine Weihnachtsfeier abhält. Der Anlass und Gedanke ist gleich, es ist auch ein gemeinsames Treffen am Ende des Jahres. Ansonsten können sie sehr unterschiedliche Stimmungen haben. Es kann ein gemütliches Kaffee-Trinken im Altenheim sein, ein gemeinsamer Restaurantbesuch einer Firma bzw. Abteilung. Oder eine große Party des Unternehmens oder Vereins. Besonders bei Unternehmen ist das einer der wenigen Anlässe bei denen man mit allen Kollegen eine Party veranstaltet. Dabei geht es üblicherweise lustig bis „extrem lustig“ 😉 zu.

In der Vorweihnachtszeit spricht man oft auch vom „Weihnachtsstress“. Dieser entsteht durch die Vorbereitung des Festes. Vor Allem durch das Besorgen von Geschenken oder das Organisieren von Reisen oder Weihnachtsessen.

Zum Weihnachtsgebäck nur folgendes: Es gibt sehr viele verschiedene Sorten, teilweise nur regional bekannt. Überall bekannt sind aber Plätzchen, Stollen, Lebkuchen, Zimtsterne, Spekulatius…
In den Geschäften wird meist schon Ende Oktober Weihnachtsgebäck angeboten. Der frühe Zeitpunkt hat aber nichts mit Tradition zu tun, sondern mit Umsatz. Selbstgemacht schmeckt es auch fast immer besser. Besonders schön ist das Plätzchen-Backen zuhause.

Plätzchen | Foto: RB

Weihnachtsmärkte

Weihnachtsmärkte gibt es vor Allem im deutschsprachigen Raum, Deutschland, Österreich, Schweiz. 
Sie finden in der Vorweihnachtszeit statt, also Ende November bis Ende Dezember. Traditionell sind sie zum eigentlichen Weihnachtsfest bereits beendet. Meistens schließen sie also zum 22./23. Dezember.
Man besucht sie mit der Familie oder mit Freunden. In weihnachtlich geschmückten Verkaufsständen findet man leckeres Essen für zwischendurch, man trinkt heiße Getränke und sieht sich nach kleinen Geschenken um. Normalerweise ist man zu dieser Jahreszeit nicht lange draußen – dort ist es aber auch bei kalten Temperaturen gemütlich. Man findet dort eine ruhige, angenehme Stimmung, die man einfach so genießen kann.

Je nach Größe der Stadt gibt es große und kleine Weihnachtsmärkte. Sehr große Städte haben oft auch mehrere in verschiedenen Stadtteilen. Die kleineren Märkte in kleinen Orten dauern meist auch nicht lange. Sie finden oft nur wenige Tage, oder ein Wochenende statt. Dafür sind sie oft gemütlicher und von den Bewohnern selbst organisiert. 
Es gibt sehr viele Kleinigkeiten zu essen Die Klassiker sind Bratwurst, gebrannte Mandeln, Waffeln und heiße Maronen. Üblicherweise trinkt man Glühwein. Dies ist erhitzter Wein mit Gewürzen und Zucker (Zimt, Nelken, Zitrone etc). Normalerweise ist es Roter Wein, es gibt aber auch Weißen Glühwein. Wer „Mit Schuss“ bestellt, der erhält etwas Rum oder Amaretto in den Glühwein. Daneben gibt es die Feuerzangenbowle. Wer es ohne Alkohol mag trinkt einen Punsch, bzw. Früchtepunsch. Am Glühweinglas kann man praktischerweise auch seine Hände wärmen.

Auf den Weihnachtsmärkten kann man auch Geschenke und Dekoration kaufen. Dabei ist es natürlich am schönsten wenn handwerklich gemachte Dinge verkauft werden. Diese gibt es oft auf speziellen kleineren Märkten. Generell gibt es natürlich immer Unterschiede und spezielle Ausrichtungen. Zum Beispiel Mittelalter-Märkte auf denen man auch warmen Met trinken kann. Es gibt auch Märkte mit vielen Fahrgeschäften und nerviger Musik. Traditionelle Märkte erkennt man aber daran, dass keine Musik oder nur Live-Musik gespielt wird. Weihnachtsmärkte haben oft auch Eigennamen wie den „Dresdener Striezlmarkt“ oder der „Nürnberger Christkindlsmarkt“.
Für einen Besuch empfehle ich persönlich den Weihnachtsmarkt in Erfurt.

Woher stammt die traditionelle Dekoration?

Die Weihnachtszeit im Dezember ist die Zeit in der die Tage kürzer werden und es also wenig Tageslicht gibt. Der kürzeste Tag ist der Tag der Wintersonnenwende am 21. bzw.22. Dezember. An diesem minimal kurzen Tag vergehen von Sonnenaufgang (ca. 8:15 Uhr) bis Sonnenuntergang (ca. 16:15 Uhr) nur 8 Stunden. Deshalb ist die Dekoration mit Licht besonders verbreitet. Man sehnt sich schon seit langer Zeit nach dem Licht der Sonne zurück. Mit dem Christentum ist auch Jesus Christus als „Licht in der dunklen Welt“ dazugekommen.
Es ist auch die Zeit, in der alle Blätter der Laubbäume abgefallen sind. Es wird(normalerweise) kalt und es kann schneien. In dieser Situation haben Nadelbäume eine besondere Bedeutung. Sie sind immergrüne Pflanzen und die einzigen Bäume,die auch im Winter grün bleiben. Sie sind daher zu einem Symbol für das Leben und eine Wiederkehr des Frühlings geworden. Zweige von Nadelbäumen wie Tannen sind so zur klassischen Dekoration geworden. Das gleiche gilt auch für Misteln.

So ist auch der Weihnachtsbaum in Mitteleuropa, in Deutschland,Teil von Weihnachten geworden ist. In einigen Teilen Deutschlands wird er auch Christbaum genannt. Zur Dekoration wird er geschmückt. In alten Zeiten wurde auch Essbares an ihn gehängt. Wie er geschmückt ist der Fantasie, dem Geschmack und Stil überlassen. Wichtig ist nur, dass er eine Spitze hat! Gerade weil in Deutschland das Ökologische Denken weit verbreitet ist, wird ein echter Baum bevorzugt. Echte Bäume sind authentisch, Plastikbäume sind manchmal praktisch, aber definitiv nicht so schön! An öffentlichen Orten gehört er zur normalen Weihnachtsdekoration und steht während der ganzen Adventszeit.  Im privaten, in der Familie wird er privat traditionell an Heiligabend aufgestellt und geschmückt. Einige Tage vorher wurde er frisch gekauft, und zwar in Baumärkten, Supermärkten, auf Weihnachtsmärkten oder direkt auf der Weihnachtsbaum-Plantage.

Nadelbäume und Misteln in Quedlinburg | Foto: RB

Vielen Dank an Gayane Karapetyan für die Fotos (inklusive Beitragsbild).

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