Nachnamen in Deutschland

Hier werde ich über Nachnamen in Deutschland schreiben. Dass das interessant sein kann habe ich mehrere Male bemerkt.  Zum Beispiel, als mir ein Freund aus Äthiopien gesagt hat, dass er sich immer fragt welche Eigenschaften die Vorfahren einer Person mit dem Namen „Stein“ gehabt haben müssen. Oder als ich mit einem Portugiesen über die Regelungen in Deutschland gesprochen habe, die sich ja von Portugal oder Spanien, wo man ja mit 2 Nachnamen arbeitet, unterscheiden. Oder aber als ich von einem Syrer erfahren habe, dass es in arabischen Ländern üblich ist, dass bei einer Heirat die Frau ihren Namen behält, die Kinder aber den Nachnamen des Vaters erhalten. Oder mit einer Koreanerin über das Voranstellen des Nachnamens, was in Deutschland in einer Region vom Dialekt her auch existiert. Weil ich also gemerkt habe, dass es auf der Welt ganz unterschiedliche Konzepte gibt möchte ich hier einen Überblick verschaffen.

Allgemeines

Ganz allgemein wird zwischen Vor- und Nachnamen unterschieden. 

Robert Behrendt -> Robert ist der Vorname, Behrendt der Nachname

Den Nachnamen erbt man von den Eltern. Der Vorname wird von den Erziehungsberechtigten ausgesucht. Bei beiden gibt es in Deutschland genaue Gesetze.

Sie sind auch sehr festgelegt. Namen kann man in Deutschland nicht so einfach ändern. Es muss bei der staatlichen Verwaltung beantragt werden und wird nur in Ausnahmefällen genehmigt. Bei Nachnamen zum Beispiel wenn sie sehr anstößig oder lächerlich klingen (Zum Beispiel „Fick“), Oder wenn sie extrem lang und schwierig auszusprechen und zu schreiben sind. Manchmal auch wenn sie sehr leicht verwechselt werden können.

Herkunft der Familiennamen in Deutschland

Die Nachnamen stammen meistens aus dem Mittelalter. Bis vor etwa 500 bis 800 Jahren gab es praktisch nur die Vornamen. Die Personen wurden meist mit ihrem Beruf (Bauer, Fischer, Müller), einer persönlichen Eigenschaft (klein, groß, schön, alt, braunhaarig), ihrem Wohnort (am Bach, am Berg) und Anderem näher benannt. Ab dem Mittelalter wurden diese Nachnamen aber langsam festgeschrieben, also in Dokumenten vermerkt und an die Kinder vererbt. Schon seit langer Zeit gibt es sehr viele slawische Namen, also von Vorfahren aus Ost-Mittel- und Osteuropa. Das sind Namen wie Nowak oder Kowalski, die man vor Allem daran erkennt, dass sie sehr kompliziert zu schreiben sind, In den letzten hundert Jahren sind natürlich Namen aus Europa und seiner Nachbarschaft, also italienische, türkische, französische, griechische Namen dazugekommen. In Zukunft wird wohl auch der Anteil an arabischen, persischen und afrikanischen Nachnahmen an Bedeutung gewinnen.


Berufe

Mit der Festschreibung der Nachnamen wurden typische Berufe aus früher Zeit konserviert. Seit der Industrialisierung gibt es viele Berufe aber gar nicht mehr. So zum Beispiel „Böttcher“ oder „Köhler“. Andere kennt man noch – obwohl es nicht mehr viele gibt (z.B. „Schmidt“). Wieder andere sind sind zeitlos (z.B. „Koch“).

„Der Fassbinder“ von Christoph Weigel, 1698
NameBedeutung (von vergessenen Berufen)
Müller
Schmidt
Schneider
Bauer
Fischer
Koch
Böttcher, Schäffler, FassbinderHandwerker, die Fässer bauten
KöhlerHersteller von Holzkohle
Vogt, Meier, Schulz, ScholzVerwalter, Beamte
Beispiele von Nachnamen, die auf Berufen basieren

Persönliche Eigenschaften

Um Menschen zu beschreiben, beschreibt man auch deren Körper. Auch wenn die Nachfahren dieser Menschen ganz anders aussehen, sind diese Namen sehr verbreitet.

NameBedeutung
Groß, Lang, Langebesonders große Körpergröße
Kleinkleine Körpergröße
Jung
Altman kann nur vermuten, dass die Person sehr alt ausgesehen hat
Schwarz, Braun, Krausehier waren üblicherweise die Haare gemeint
(sehr dunkles, braunes oder krauses Haar)
stark
Beispiele von Nachnamen, die auf Körpereigenschaften basieren

Wohnstätten, Wohnort

Namen, die auf den Ort hinweisen, wo die Leute gewohnt haben. Das hat man vor Allem gemacht, weil der Beruf Bauer war so häufig war. Deshalb hat man zur besseren Unterscheidung der Leute einfach den Wohnort angegeben. Wer an einem Bach gewohnt hat wurde so „Bachmann“ genannt.

NameBedeutung
Berg, Bergeram Berg
Steinauch Berg/Felsen. Stein ist ein anderes Wort für einen Felsen
Becker / Bachan einem Bach wohnend
(Bäcker mit „ä“ kommt meist vom Beruf,
Becker mit „e“ vom Wort Bach/oder auch „Beck“)
Beispiele von Nachnamen, die auf dem Wohnorten eines Vorfahren beruhen
Wer hier wohnt, „wohnt am Berg“ und kann als „Berger“ bezeichnet werden.
Wer hier wohnt, wohnt „am Bach“ und kann als „Bachmann“ bezeichnet werden.

Vornamen als Nachnamen

Es sind auch einige Vornamen auch zu Nachnamen geworden. Damit wurde die Person als der Sohn des „…“ benannt.

„Behrendt“ ist z.B. eine Ableitung des Vornamen „Bernard“. Bernard ist aber eigentlich ein Vorname. (die Bedeutung des Vornamens ist: „Hart/stark wie ein Bär“.)

Herkunft einer Person

NameBedeutung
Pohlmannaus Polen
Böhmaus Böhmen
Frankeaus Franken
Deutschmannein Deutscher
Beispiele von Nachnamen, die auf der Herkunft eines Vorfahren beruhen

Slawische Namen

Durch die enge Verbindung in en ostmitteleuropäischen Raum (vor Allem heutiges Polen) gibt es auch schon seit Jahrhunderten viele slawische Namen. Ca. 8-9% der Familiennamen in Deutschland haben einen slawischen Ursprung. Sie enden üblicherweise mit -ak, -ow oder -ski.

Beispiele: Nowak, Noack, Pietsch, Koslowski, Kowalski, Lewandowski

Hugenotten-Namen (französisch)

Hugenotten waren französische Protestanten, die durch die Katholiken in Frankreich vertrieben wurden. Das war vor etwa 300 Jahren. Sie haben in vielen protestantischen Gegenden Europas, auch in den protestantischen Ländern Deutschlands eine neue Heimat gefunden.

Beispiele: Dumont, Boué, Godeffroy, de Maizière, Sarrazin

Einwanderung der letzten 70 Jahre

Aus der Einwanderung des 20. Jahrhunderts stammen viele türkische Namen. „Yilmaz“, „Öztürk“ oder „Erdogan“ zum Beispiel kommen auch in Deutschland relativ oft vor. Bei etwa 3 Millionen Türken und türkeistämmigen Deutschen kann man von etwa 3 – 3,5% türkischen bzw. kurdischen Familiennamen ausgehen. Daneben gibt es noch nennenswerte Zahlen von italienischen, griechischen, spanischen und englisch-amerikanischen Familiennamen.

Spezialfall: Adelsnamen

Der Adel war lange Zeit die weltliche gesellschaftliche Führungsschicht in Deutschland. Es gab Adelstitel, die aus bestimmten Funktionen entstanden sind, wie z.B. „Graf“, „Freiherr“ oder „Ritter“. Die Titel sind später vererbt worden. Mit dem „von“ oder „zu“ wird meistens der Herkunftsort der Familie angezeigt.
Seit dem Ende der Monarchie in Deutschland 1919 haben die Mitglieder des Adels keine Privilegien mehr. Die Adelstitel und -Namen, die vorher Rang und Stellung anzeigten wurden einfach zu festen Nachnamen.

Paul „von Hindenburg“
Otto „von Bismarck“
Ursula „von der Leyen

Es gibt aber eine Besonderheit. Bei den Adelstiteln gibt es die Ausnahme, dass die männliche und weibliche Form weiterhin verwendet werden darf.

Mann -> „Freiherr von…“ | „Graf von…“
Frau -> „Freifrau von…“ | „Gräfin von…“

Das jemand einen Adelsnamen hat zeigt heute also nur etwas aus der Historie der Familie. Rechtlich ist jemand mit einem adeligen Namen ein ganz normaler Bürger.

Denkmal Valentin Becker

Denkmal für Valentin Becker. Jetzt weiß der Leser woher „Becker“ kommt.

Regeln für Familiennamen beim Heiraten

Bei der Heirat ist der klassische Fall, dass die Frau den Nachnamen des Mannes annimmt. Das ist auch die jahrhundertealte Tradition, die bis in die 1960er/1970er Jahre gesetzlich vorgeschrieben war. Heute kann man sich aussuchen, ob ein Partner den Namen des Anderen annimmt, oder ob beide ihren eigenen Nachnamen behalten. Einer der beiden Partner kann auch einen Doppelnamen tragen. Nach einer Scheidung hat man in der Regel das Recht seinen alten Namen wieder anzunehmen. Eigenkreationen, also Mischungen von Namen sind nicht erlaubt. Für Ausländer, die in Deutschland leben kann bei Heirat auch das Namensrecht des Heimat-Staates angewandt werden.

Wenn zum Beispiel Martin Müller und Anne Schmidt heiraten, haben sie nach deutschem Recht folgende Möglichkeiten:

Variante (nach Häufigkeit)Namen nach der HochzeitHäufigkeit (2016)
1. die Frau nimmt Namen des Mannes anMartin Müller + Anne Müller74%
2. beide behalten ihren NamenMartin Müller + Anne Schmidt12%
3. ein Ehepartner
(meistens die Frau)
nimmt einen Doppelnamen an
Martin Müller + Anne Schmidt-Müller
oder
Martin Schmidt-Müller + Anne Schmidt
8%
4. der Mann nimmt Namen der Frau anMartin Schmidt + Anne Schmidt6%

Dreifachnamen sind übrigens nicht möglich! Das hat das Bundesverfassungsgericht am 5. Mai 2009 festgelegt. Man kann also nicht durch mehrere Ehen „Namen sammeln“ und dann z.B. „Schmidt-Müller-Stein“ heißen.

Beispiel einer bekannten Person
Angela Kasner wurde 1954 geboren. 1974 heiratete sie Ulrich Merkel. Sie änderte ihren Namen auf Angela Merkel. 1981 ließen sie sich scheiden, Angela Merkel behielt aber den angenommenen Ehenamen. 1998 hat sie Joachim Sauer geheiratet. Sie behielten aber beide Ihre jeweiligen Namen und sind nun das Ehepaar Angela Merkel und Joachim Sauer.


Geschichtliche Entwicklung Ehenamensrecht (für besonders Interessierte Leser)

Am Ende des 19. Jahrhunderts, im Kaiserreich 1875 wurde die Zivilehe eingeführt. Seit diesem Zeitpunkt kann man von allgemeinen Regeln in ganz Deutschland sprechen. Mit dem BGB von 1896 war zum gesetzlich geregelt, dass (der Tradition entsprechend) der Name des Mannes bei Eheschließung automatisch der Familienname wird.

Eine Änderung daran gab es 1966 in Ostdeutschland (DDR) und ab 1976 auch in Westdeutschland (BRD):
Entweder der Name des Mannes oder der Frau wurden zum Familiennamen bestimmt, den auch die Kinder bekommen. Wenn es gewünscht war konnte einer der beiden Ehepartner seinen bisherigen dem neuen Ehenamen verbinden. Doppelname, z.B Schmidt-Müller. Dass beide ihren Namen behalten war aber nicht möglich. Zu beachten ist, dass die Gesetze in den beiden deutschen Staaten mit 10 Jahren Unterschied geändert wurden. Bei der Gleichstellung der Frau war das sozialistische Ostdeutschland schneller als das freiheitliche Westdeutschland.

1991 wurde im wiedervereinigten Deutschland beschlossen, dass beide auch ihre eigenen Namen behalten durften. Auch war damit ein Doppelname für beide Personen möglich. Schon 1993 wurde aber die Möglichkeit der gemeinsamen Doppelnamen für Verheiratete und auch für Kinder wieder zurückgenommen.
Seit 1993 gelten die oben genannten Regeln.


Weitergabe der Familiennamen bei Kindern

Wenn die Eltern verheiratet sind: In einer Ehe kann ein Familienname bestimmt werden. Diesen erhalten auch die Kinder. Wenn es keinen vorher bestimmten Familiennamen gibt, wird einer der Namen der Eltern gewählt.

Wenn die Eltern nicht verheiratet sind: Bei Kindern, die nicht in einer Ehe geboren werden erhalten die Kinder normalerweise den Namen der Mutter. Das Kind kann aber auch den Namen des Vaters annehmen, wenn beide Eltern das Sorgerecht haben.

Ein Doppelname kann nicht an die Kinder weitergegeben werden. Das war nur in einer Zeit von 1991 bis 1993 möglich. Lena Meyer-Landrut, die für Deutschland den Eurovision Song Contest 2010 gewonnen hat ist einer dieser Ausnahmen, sie ist 1991 geboren und hat den Doppelnamen von ihrem Vater.

Anne und Martin bekommen eine Tochter, Leonie. Je nachdem wie die Eltern heißen gibt es folgende Möglichkeiten für Leonies Nachnamen:

Name der ElternName der Tochter
Anne Schmidt und Martin Schmidt Leonie Schmidt
Anne Schmidt und Martin Schmidt-Müller Leonie Schmidt
Anne Schmidt und Martin Müller
(egal ob Anne und Martin verheiratet sind oder nicht)
Leonie Schmidt
oder
Leonie Müller
Karl Schmidt

Herr Schmidt hat nicht den Beruf seines mittelalterlichen Vorfahren gewählt.