Karneval / Fasching / Fastnacht

Karneval, Fasching, Fastnacht… Wie so oft gibt es in Deutschland für ein und dieselbe Sache je nach Region verschiedene Bezeichnungen.
In Deutschland beschreibt man es oft so: Kontrollierter Exzess!

Bezeichnung

Hauptsächlich werden diese 3 Bezeichnungen verwendet:
(Der) Karneval -> das kommt aus dem lateinischen, entweder „carne levare“ (Fleisch wegnehmen) oder „carne vale“ (Fleisch, Lebe wohl!)
(Die) Fastnacht -> „die Fastenzeit naht“ oder „die (letzte) Nacht vor dem Fasten“
(Der) Fasching -> aus dem mittelalterlichen „Fastenschank“ also den letzten Ausschank von alkoholischen Getränken vor der Fastenzeit

Für mich persönlich handelt es sich um Fasching! Ich werde aber hier „Karneval“ verwenden, weil es in Deutschland überregional verwendet wird und auch im Englischen verwendet wird.

Straßenkarneval in Würzburg | Foto: Robert Behrendt
Straßenkarneval in Würzburg | Foto: Robert Behrendt

Formen und Elemente:

Regionalität: Wie bedeutsam der Karneval ist, ist sehr von der Region abhängig. Meist sind es überwiegend katholische Regionen, in denen sich eine starke Karnevalskultur entwickelt und erhalten hat. Besonders beliebt ist er im Rheinland (Köln, Düsseldorf, Aachen, Bonn, Mainz und andere). Er wird aber überall gefeiert, obwohl es nicht überall die gleiche Intensität gibt.

Sitzungs-, Straßen- und Partykarneval
Klassisch kann zwischen Sitzungskarneval und Straßenkarneval unterscheiden. Bei den Sitzungen handelt es sich um besondere Veranstaltungen in Innenräumen, die von den Karnevalsgesellschaften organisiert werden. Der Straßenkarneval findet vor Allem draußen und in Bars statt. Auch hier gibt es aber organisierte Veranstaltungen wie de Karnevals-Umzüge oder den Rathaussturm, bei dem die Narren symbolisch die Macht in der Stadt übernehmen.
Dann gibt es auch noch Karneval-Parties in verschiedenen Formen, sei es in Bars, Clubs, in Schulen oder privat.

Karnevalsgesellschaften: Das sind Vereine, deren Mitglieder mit voller Leidenschaft Karneval feiern und vor Allem die Veranstaltungen organisieren.

Karnevals-Sitzungen: Sie werden von den Karnevalsgesellschaften veranstaltet. Hier ist ein großer, dekorierter Saal voll mit meist kostümierten Gästen. Es treten mehrere Künstler, Comedians und Tanzgruppen auf. Die „Sitzung“ wird von einem Sitzungspräsidenten und dem Elferrat geleitet. Alles ist ausgelassen, dennoch gibt es eine ironische ernsthafte Fassade im Ablauf, der an eine Mitgliederversammlung einer ernsthaften Organisation erinnert. Wie so oft ist es eine Parodie auf sonst ernsthafte Versammlungen. Zur Faschingszeit werden sehr viele dieser Sitzungen, von den großen und bekannten Vereinen im Fernsehen übertragen. Wenn man sie richtig erleben möchte muss man aber wirklich da sein. Der Humor auf solchen Sitzungen ist meistens nicht sehr hochintellektuell, aber es geht einfach um den Spaß.

Straßenkarneval: Feiern auf der Straße und in angrenzenden Bars. Es wird gelacht, getrunken und besonders ausgelassen gefeiert. Hier sind Dinge erlaubt, die sonst nicht möglich sind: Zum Beispiel Alkohol in rauen Mengen bei Tag und Nacht. Sprüche, die an normalen Tagen sexistisch wären sind im Straßenkarneval keine Rede wert. Natürlich ist es nicht immer so extrem. Man sollte aber schon Spaß verstehen, wenn man mitten in der Menge ist.

Karnevals-Umzüge: Sie sind der Höhepunkt des Straßenkarnevals. Hier ziehen Kostümierte zu Fuß oder auf geschmückten Fahrzeugen durch die Stadt. Es ist auch eine Parade der Karnevalsgesellschaften. Auf den Fahrzeugen wird gefeiert oder auch aktuelle Themen kritisch und humorvoll aufgenommen. Meist werden die „Mächtigen“ verhöhnt. Der größte ist der Rosenmontagsumzug in Köln. Es gibt aber auch in vielen kleinen Orten kleine, gemütliche Umzüge.

Karnevals-Rufe: Auf dem Höhepunkt der Karnevalszeit gibt es einen eigenen Gruß. Mit ihm kann man auch zeigen, dass man bei dem ganzen Trubel mitmacht. Sie sind auch regional unterschiedlich. Die bekanntesten sind „Helau“ und „Alaaf“. Man sagt zum Beispiel in Köln „Alaaf“ und in Düsseldorf „Helau“. Weil zwischen diesen beiden Städten eine Art „Feindschaft“ besteht, sollte man den richtigen Gruß verwenden 😉

Schwäbisch-Alemannische Fasnet: Eigenständiger, ursprünglicher Karneval im südwestdeutschen Raum. Die Elemente des „modernen“, rheinischen Karneval gibt es hier bewusst nicht.

Typisches Essen: Krapfen/Berliner

Wie ich schon erwähnt habe, geht es im Straßenkarneval manchmal derb zu. Hierzu ein Zitat aus einem Meinungsartikel von Dagmar Rosenfeld, Chefredakteurin der WELT:

Im Karneval wird die Frage beantwortet, wie weit wir gehen, wenn wir uns gehen lassen. Gerade weil an den tollen Tagen außer Kraft gesetzt wird, was sonst die Regel ist, offenbaren sie, wie wertestabil und gleichberechtigt unsere Gesellschaft ist. Und die ist so stabil, dass sie selbst im Unanständigsein Anstand wahrt.

Dagmar Rosenfeld
https://www.welt.de/debatte/kommentare/article189539633/Genderdebatte-An-Karneval-hat-MeToo-Ferien.html

Historische Bedeutung

Karneval ist die Zeit vor der christlichen Fastenzeit bis Ostern. Die Grundformen des Festes in Deutschland geht auf das Mittelalter zurück. Früher, als die Fastenzeit noch streng für alle galt, mussten bis zur Fastenzeit alle Vorräte an tierischen Lebensmitteln und alkoholischen Getränke „aufgebraucht“ werden. Es wurde also nochmal ein richtig ausschweifendes Fest gefeiert, bevor 40 Tage gefastet wurde. Daneben gab es noch aus sehr alten Zeiten Bräuche, die den Winter verscheuchen sollten. Diese sind damit zeitlich zusammengefallen. Im Ergebnis hat sich ein ausgelassenes Fest mit Maskierungen, Verkleidungen etc. entwickelt. Es war auch war es eine Zeit in der in ein paar Tagen die „Verhältnisse in der Welt“ umgedreht wurden. Die Diener wurden zu Herren und andersherum. Die „Narren“ übernahmen die Macht. Das ist auch der Grund warum es in Deutschland symbolische „Erstürmungen“ der Rathäuser gibt.
Viele Elemente stammen aber auch aus dem 19 Jahrhundert. Es wurden die Soldaten mit ihren Uniformen, mit ihrem Gleichschritt und Disziplin parodiert. Angefangen hat es mit versteckten Spott an den napoleonischen Besatzungstruppen im Rheinland. Danach gegenüber den Preußen, die nach den Befreiungskriegen gegen die Franzosen in vielen Ländern nun das Sagen hatten. Deshalb sehen die traditionellen Bühnen-Tänze, Uniformen etc. militärisch aus: Es ist eine Parodie auf das Militär!

Zeitlicher Ablauf

11. November (11.11.): Anfang der Karnevals-Zeit
Historisch, weil es in frühchristlicher Zeit eine Fastenzeit vor Weihnachten gab.
Hier werden die Rathäuser gestürmt.

Februar/März: Hier finden Veranstaltungen und Prunksitzungen der Vereine statt.

Engere Karnevalstage:Die richtigen Karnevalstage finden kurz vor der Fastenzeit statt, also im festen Abstand zu Ostern. Weil Ostern vom Mondkalender abhängt, der nicht ganz mit dem Sonnenkalender (365 Tage) übereinstimmt, fällt Ostern und damit Karneval jedes Jahr an unterschiedliche Daten in den Monaten Februar und März.

  • Weiberfastnacht/Weiberfasching: Donnerstag vor Aschermittwoch. Hier fängt der Straßenkarneval an.
  • „Karnevalsfreitag“, „Karnevalssamstag“ und „Karnevalssonntag“ -> das Wochenende, an dem schon viel gefeiert wird
  • Rosenmontag -> Der „Höhepunkt“ des Karnevals. Hier findet der berühmte Rosenmontagszug in Köln statt
  • Faschingsdienstag
  • Aschermittwoch (Von „Asche“ -> hier bleibt vom ganzen Fest nur die Asche übrig und es ist vorbei)
    Interessant ist hier, dass traditionell die Parteien einen „politischen Aschermittwoch“ veranstalten. Dabei geht es darum vor den eigenen Leuten zu sprechen und den politischen Gegner besonders hart zu kritisieren.

Aschermittwoch ist der Beginn der christlichen Fastenzeit, die bis Gründonnerstag/Ostern verläuft. Die Fastenzeit dauert 40 Tage, die Sonntage sind aber ausgenommen. Bei der Fastenzeit geht es traditionell um den Verzicht auf Fleisch. In der heutigen Zeit geht es vielen gläubigen Christen aber vor allem um das Symbol. Man verzichtet zum Beispiel auf Alkohol, Süßigkeiten etc. Laut einer repräsentativen Umfrage im Jahr 2017 fasten in Deutschland 11% der Bevölkerung in der christlichen Fastenzeit. Dieser Ursprung ist also nicht mehr so bedeutend.

Wichtig ist zu wissen: Kein Karnevals-Tag ist ein gesetzlicher Feiertag. Rosenmontag und Faschingsdienstag sind in einigen Gegenden aber Tage an dem die Unternehmen ihren Angestellten frei geben.

kleines Glossar:

  • „fünfte Jahreszeit“ -> so wird der Karneval / Fasching auch genannt (die Zeit vom 11.11. bis Aschermittwoch)
  • „Karnevalshochburg“ -> da wo der Karneval besonders stark verwurzelt ist
  • „Jeck“ / „Narr“ / „Narren“ -> Ausdrücke für Personen, die Karneval feiern. Man kann „jeck“ auch als adjektiv benutzen: man kann es mit fröhlich, witzig, in Feierlaune beschreiben

Fazit:

In Deutschland geht es ja meist recht ordentlich zu. Der Karneval ist dagegen ein „Ausnahmezustand“ und „geregelter Kontrollverlust“. Es gibt Leute, die nichts damit zu tun haben möchten und andere, die ihn lieben.

Wenn man mitmachen möchte ein Tipp: Man sollte wissen, ob man in der Region wo man ist „Karneval“ oder „Fasching“ sagt. Und was der regionale Ausruf ist: Zum Beispiel „Helau“ oder „Alaaf“. Man muss sich nicht aufwendig verkleiden, etwas buntes reicht auch aus. Ansonsten gilt nur: Gute Laune!