Die Fossilienlagerstätte Grube Messel gehört zum Weltnaturerbe. Hier beschreibe ich kurz was es damit auf sich hat und gebe praktische Tipps für einen Besuch.
Lage und Erreichbarkeit
Messel ist eine Kleinstadt im Bundesland Hessen. Ca. 30 km von Frankfurt/Main und 10 km von Darmstadt entfernt. Die Grube Messel liegt außerhalb der Stadt, in einem Industrie- und Bergbaugebiet. Das kann auf einen Besucher erst einmal komisch wirken, wenn man einen besonderen Ort der Natur erwartet. Der Bergbau ist aber der Grund, weshalb die bedeutenden Naturschätze überhaupt gefunden wurde. Die Grube hat ein Besucherzentrum. Mit dem Auto ist es leicht erreichbar. Mit der Bahn ist es nicht ideal aber auch erreichbar. Der Bahnhof von Messel liegt im Industriegebiet und es gibt auch einen Bus. Vom Bahnhof zum Besucherzentrum kann man aber auch in einer halben Stunde zu Fuß gehen. Man muss nur den Schilder folgen.
Bedeutung als Weltnaturerbe
Die Grube Messel wird das „Pompeji der Archäologie“ genannt. Hier werden sehr viele Fossilien ausgegraben, die in einem sehr guten Erhaltungszustand sind. Auf der ganzen Welt gibt es so etwas kaum. Die Tiere und Pflanzen sind Millionen Jahre alt. Es sind aber keine Dinosaurier darunter, weil die Fossilien aus der Zeit danach stammen. Sie kommen uns ziemlich bekannt vor, allerdings vermutet man sie nicht in Mitteleuropa. Es sind Tiere aus den Tropenwald. Krokodile, Urpferde, Schildkröten, Insekten, Fische und kleine Säugetiere. Sie sind alle in einen See hineingefallen, den es vor Millionen Jahren gab und wurden konserviert. Den See gibt es nicht mehr. Heute wir Forschung betrieben, an der prähistorischen Tier, Pflanzenwelt und dem früheren Klima.
1995 wurde die Grube Messel von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt.
Besucherzentrum, Besuch und Führungen
Die Grube Messel ist ein „Forschungsbergwerk“. Sie ist abgesperrt und kann nicht einfach betreten werden. Man kann aber eine Führung mitmachen. Diese finden aber nur ein paar Mal am Tag statt. Die längeren Touren gibt es am Wochenende. An den Wochentagen kann man eine Kurztouren von ca. 1 Stunde mitmachen. Man sollte sich vorher aber informieren wann diese stattfinden, um den Besuch zu planen.
Im Besucherzentrum gibt es eine moderne Ausstellung zum Weltnaturerbe. Sie ist multimedial, es gibt Filme, Audiostationen und interessante Ausstellungsstücke. Die Texte an den Tafeln sind in Deutsch und Englisch. Hier ist alles auf das Wesentliche reduziert und gut verständlich. Hier kann man einer bis eineinhalb Stunden verbringen. Sie ist ein guter Einstieg, bevor man eine Tour macht.
Warum die Weltnaturerbestätte fast eine Müllkippe geworden wäre
Die jüngere Geschichte des Ortes ist auch interessant. In der Grube wurde ab 1859 Erz und Ölschiefer abgebaut, aus dem man Öl gewinnen konnte. Nebenbei hat man immer wieder Fossilien gefunden. 1970 wurde der Rohstoff-Abbau eingestellt. Es gab Pläne das große „Loch“ als Mülldeponie zu nutzen. Bürger wehrten sich aber gegen die Pläne und wollten die Fossilienforschung weiter ermöglichen. Am Ende hatten sie Erfolg, aber es war eine sehr knappe Entscheidung. Dort wo man später das Besucherzentrum gebaut hat waren schon erste Bauarbeiten für die Mülldeponie abgeschlossen. Eine Betonkante wo LKWs Müll ankippen wurde, wurde in das Gebäude des Besucherzentrums integriert.
Der Ort Messel
Wer sich für Fossilien interessiert, der findet im Ort Messel noch ein Museum. Messel hat nur ca. 4000 Einwohner. Es ist ein sehr ruhiger Ort, in dem es nur wenige Möglichkeiten zum Einkaufen oder Essen/Trinken gibt. Ich war an einem Dienstagnachmittag dort. Ich habe kein offenes Restaurant oder Biergarten gefunden. Zum Einkaufen oder um etwas zu erleben fahren die meisten Leute sicher in das große Darmstadt, das nur 10 km entfernt ist. Nur am Marktplatz gab es mehrere Leute zu sehen. Man kann in der Umgebung etwas wandern, aber darf keine Besonderheiten erwarten. Ich habe am Ende einen Döner in der Nähe des Bahnhofes gegessen.
Fazit
Ein Besuch im Weltnaturerbe Fossilienlagerstätte Grube Messel lohnt ich für Menschen, die sich für Natur interessieren. Es gibt keine aufregenden Dinosaurierknochen, aber man erhält trotzdem einen Einblick in das Leben vor Millionen von Jahren. Auch über Industriegeschichte kann man Einiges erfahren. Man darf keinen Freizeitpark erwarten, sondern sollte Freude an Natur und Wissenschaft habe.
Die eigentliche Grube. Das Gelände in dem nach Fossilien gegraben wird.BesucherzentrumIm Inneren des BesucherzentrumsFossil eines FischesDie Grube ist am Bahnhof ausgeschildertIn MesselWelterbe Grube Messel Urpferd LogoPrähistorisches Reptil
Ganz generell unterscheiden sich Menschen voneinander. Nicht nur in Körpergröße, Charakter, Geschlecht oder Altersgruppe, sondern auch in Bildungsweg, Beruf, Arbeitsplatz und Einkommen.
Nun kann man statistisch mal mehr oder weniger sinnvolle Untersuchungen anstellen, was womit vielleicht zusammenhängt. Dann fällt zum Beispiel auf, dass Menschen mittleren Alters im Schnitt höhere Posten im Arbeitsleben haben als Jüngere oder Menschen mit Sozialphobie kaum erfolgreiche Schauspieler werden. Das kann man gerecht oder ungerecht finden. Es sind die Fakten.
Eine solcher Korrelationen wird im heutigen Politik- und Medienbetrieb allerdings besonders aufmerksam betrachtet: Der Zusammenhang zwischen durchschnittlichen Einkommen und Geschlecht. Hier gibt es eine Kennzahl, an der sich ein Unterschied zwischen dem Einkommen der Durchschnitts-Frau und dem Durchschnitts-Mann ablesen lässt. Diese Lücke im Verdienst ist der „Gender Pay Gap“.
Was ist der Gender Pay Gap?
Er zeigt den Unterschied im durchschnittlichen Bruttostundenlohn zwischen Männern und Frauen. Die Prozentzahl zeigt an wieviel weniger Frauen als Männer durchschnittlich verdienen.
Dabei gibt es zwei Versionen:
der „unbereinigte Gender-Pay-Gap“
Er lag im Jahr 2020 deutschlandweit bei 18%. Bei diesem werden Faktoren wie Qualifikation, Berufserfahrung, Position oder Beruf/Branche nicht beachtet und oberflächlich der reinen Stundenlohn verglichen. Überspitzt formuliert wird hier das Gehalt einer Schülerin mit Ferienjob mit dem eines erfahrenen Piloten verglichen. Auch solche Lohngefälle beeinflussen den Durchschnittswert.
der „bereinigte Gender Pay Gap“
Er lag im Jahr 2020 deutschlandweit bei 6%. Hier werden Qualifikation, Berufserfahrung, Position oder Beruf/Branche als sogenannte strukturelle Ursachen tatsächlich berücksichtigt und herausgerechnet. Übrig bleiben Ursachen, die schlecht statistisch messbar und deshalb „nicht erklärbar“ sind. Es sind die Persönlichkeitsmerkmale wie z.B. Risikofreude, Durchsetzungsfähigkeit oder Kooperationsbereitschaft. Andere Ansätze gehen von einer systematischen Diskriminierung von Frauen aus. Hier gibt es also Raum für Diskussionen.
Der „Gender Pay Gap“ des statistischen Bundesamt (nach Vorgaben der EU) ist nur eine Methode das Lohngefälle zwischen den Geschlechtern zu messen. Andere Untersuchungen, die andere Datengrundlagen und Berechnungsmethoden verwenden kommen zu anderen, niedrigeren Zahlen. Der „offizielle“ Gender Pay Gap ist allerdings am weitesten verbreitet. Die Datengrundlage ist übrigens nicht sehr umfassend. Es werden das produzierende Gewerbe und Dienstleistungen einbezogen. Ohne Selbstständige, ohne die Bereiche öffentliche Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherungen. Außerdem werden nur Unternehmen ab 10 Mitarbeitern gezählt.
strukturelle Ursachen des Gender Pay Gap
Qualifikation, Berufserfahrung, Position, Berufe/Branchen: Das sind Eigenschaften, die Menschen im Arbeitsleben beschreiben. Wie allgemein unter Menschen sind diese Eigenschaften auch unter Männern und Frauen nicht gleich verteilt. Eine unterschiedliche Verteilung der Lohnfaktoren führt zu einer unterschiedlichen Verteilung von höheren und niedrigen Einkommen.
Eine höhere Qualifikation, längere Berufserfahrung, höhere Position bzw. Verantwortung führen in der Regel zu einer besseren Bezahlung. Auch eine Tätigkeit in Branchen mit geldmäßig hochwertigen Produkten und Dienstleistungen bedeuten höhere Gehälter.
Wenn man Menschen nach Geschlecht einteilt sieht man, dass Männer bei den Lohnfaktoren im Durchschnitt die Nase vorn haben. Es kann gar nicht deutlich genug gemacht werden, dass es sich hier nur um den groben Durchschnitt handelt. In Einzelbereichen, z.B. bei den Bildungsabschlüssen in der jungen Generation sind Frauen „besser gestellt“. Das wird sich aber erst in Zukunft auswirken. Auch das regionale Angebot an Arbeitsplätzen/Branchen wird durch einen Landesdurchschnitt nicht abgebildet.
Bei der unterschiedlichen Verteilung der Eigenschaften spricht man von „strukturellen Gründen“. Es sind die Strukturen in der Arbeitswelt, im Grunde statistisch messbare Unterschiede, für die man sich neben den Geschlechtern auch das Alter, die soziale Herkunft oder Ähnliches ansehen kann.
Je nachdem ob man einen Soziologen, Geologen oder Informatiker fragt, bekommt man verschiedene Ansichten was eine „Struktur“ ist. Im politischen Bereich wird das Wort „strukturell“ für tatsächliche oder gefühlte Gegebenheiten genutzt, die nicht auf staatlichen Gesetzen beruhen. Trotz der Gleichheit nach dem Gesetz sind Menschen unterschiedlich, auch was das Einkommen angeht.
So haben zum Beispiel alle Deutschen grundsätzlich die freie Berufswahl. Trotzdem gibt es Berufe für die sich eher Männer entscheiden und andere für die sich eher Frauen entscheiden. Extrembeispiele sind die zu ca. 98% männlichen Bauarbeiter und die medizinischen Fachangestellten, die zu ca. 97% weiblich sind. Die Berufe sind nicht 50%-50% verteilt. Es ist ein Fakt, obwohl es kein Gesetz vorschreibt.
Nun wird in unterschiedlichen Branchen unterschiedlich gut bezahlt. Männer entscheiden sich häufiger für die besser bezahlten Branchen. Der industriell-technische Bereich, den Männer bevorzugen ist besser bezahlt als der Bereich von Dienstleistungen und Gesundheitsberufen, die oft eine Frauendomäne sind. Während sich Qualifikation oder Berufserfahrung bei Jüngeren immer weiter angleichen ändert sich jedoch die Berufswahl bei Geschlechtern fast nicht 1.
Unterschiedliche Verdienste in unterschiedlichen Branchen sind ein wirtschaftliches Thema. Ich möchte hier nur ein Beispiel nennen, das auch gut in den Kontext passt: Männer- und Frauenfußball. Die Mannschaften von Männern ziehen mehr Publikum an und es fließen dadurch mehr Werbe-Einnahmen. Auch wenn die Leistung, bzw. die Arbeit jeweils gleich ist kommen hier unterschiedliche Gehälter zustande.
Die strukturellen Gründe für den Gender Pay Gap sind eigentlich nicht geschlechtsspezifisch und relativ einfach erklärbar. Es gibt ebenfalls eine Lohnlücke zwischen Männern mit hoher und niedriger Qualifikation sowie eine Lohnlücke zwischen Frauen in Führungspositionen und Berufseinsteigerinnen.
Es wird aber medial und politisch zu einem Geschlechterthema gemacht. Die Diskussion dreht sich dabei nicht um die Strukturen an sich, sondern um die dahinter liegenden Ursachen. Bei Berufswahl werden veraltete Rollenbilder angeprangert, während andere es nicht als Problem ansehen, dass sich Mädchen weniger für Technik und Naturwissenschaften und Jungen weniger für KiTa-Arbeit begeistern.
Objektiv ausgedrückt: wenige Frauen gehen in die digitale Wirtschaft
„Unterrepräsentation“ und „zu wenig“ sind Schlagworte. Dabei könnte man einfach akzeptieren, dass sich Frauen anders entscheiden als Männer. Es ist ein Ausdruck von Vielfalt.
Bei der Erreichung von Führungspositionen wird Benachteiligung unterstellt. Dabei wird fast immer ignoriert, dass es weniger Frauen als Männer gibt, die Führungsrollen anstreben.
Karriereknick durch Familiengründung
Qualifikation, Berufserfahrung, Berufswahl/Branche oder Position im Arbeitsleben bestimmen das Gehalt sowohl für Männer als auch für Frauen. Die unterschiedliche Verteilung verursacht direkt den Gender Pay Gap. Wie kommt aber die unterschiedliche Verteilung zustande?
Ein ganz wesentlicher Grund dafür ist tatsächlich geschlechtsspezifisch und wirkt sich direkt und indirekt auf viele der Lohnfaktoren aus: Die Arbeitsteilung im Familienleben. Mütter verbringen mehr Zeit mit den Kindern als Väter, vor allem unter der Woche 2. Väter nehmen auch weniger häufig und kürzer Elternzeit als Mütter.
Dadurch haben Frauen weniger Jahre Berufserfahrung und damit weniger Karrierechancen. Sie unterbrechen oft den Karrierefortschritt oder arbeiten danach nur noch Teilzeit. Eine Familienauszeit ist für Frauen meistens ein Karriereknick, der lange nachhallt.
An der Qualifikation ändert es im Allgemeinen nichts, da der klassische Bildungsweg schon abgeschlossen ist, wenn Frauen Mütter werden. Bei der Berufswahl gibt es keinen kausalen Zusammenhang, aber gleiche dahinterliegende Ursachen. Es ist aber kein Zufall, dass in Kindergarten und Grundschule hauptsächlich Frauen anzutreffen sind. Insgesamt sind die Auswirkungen sind enorm. Bei unter 30 Jährigen lag der (unbereinigt) bei 8%, bei über 40 Jährigen bei 20%.
Erweiterung auf Carearbeit / Sorgearbeit
In der Diskussion wird die Kinderversorgung mittlerweile um die Pflege alten Angehörigen, sowie Kochen und Putzen erweitert. Sie wird Care-Arbeit genannt und steht im Gegensatz zur Erwerbsarbeit für die man monetär entlohnt wird. Alle Bereiche der Care-Arbeit (oder „sich-kümmern-Arbeit“ oder „Sorgearbeit“) werden häufiger von Frauen geleistet. Frauen haben eine höhere Bereitschaft sich um die eigenen Kinder und Angehörigen zu kümmern als um Job und Karriere. Die kaum gestellte Grundfrage der Debatte ist aber, ob man das als Problem betrachtet.
Auf der einen Seite kann man es nämlich als biologische und soziale Tatsache sehen. Diese ergibt sich aus der Evolution des Menschen, wo die Bindung zwischen Kind und Mutter wichtiger war als die zwischen Kind und Vater. Auf der anderen Seite meint man, dass unterdrückerische Machtstrukturen am Werk sind, die ausgeglichen werden müssen. Der moderne Feminismus suggeriert, dass Frauen nur dann gleichgestellt sind, wenn sie Männer im Arbeitsleben kopieren. Im Gegenzug sollen Männer Frauen im Familienleben kopieren, wodurch eine Annäherung stattfinden soll. In dieser Gedankenwelt ist bei der Gegenüberstellung von Care- und Erwerbsarbeit leider eine Abwertung der „Carearbeit“ zu beobachten. Besonders diejenigen, die vorgeben für Frauen zu sprechen, bewerten Menschen heute hauptsächlich nach ihrem Einkommen. (nach den Ideen von Karl Marx).
Wenn man die Unterschiedlichkeit von Männern und Frauen als Problem ansieht, muss man auch eine Antwort darauf haben wird dafür sorgen soll, dass es gelöst wird. Die politisch-medialen Gruppen, die beim Gender Pay Gap aktiv sind, setzen auf den Staat. Gesetze bezüglich Gehältern in Unternehmen, Transferleistungen und Quoten (nur für Frauen vorteilhafte), aus Steuergeldern finanzierte Forschung und Kampagnen (z.B. der „Girls Day“ an Schulen.)
Ein anderer Ansatz wäre eine neue Perspektive und Bewertung von Arbeit. Wenn man Arbeit nur danach bewertet wieviel Geld dafür gezahlt wird, kann man nur eine Ungleichheit von Männern und Frauen sehen. Wenn man einbezieht, dass Care-Arbeit z.B. auch in familiären Zusammenhalt auszahlt und sie genauso wichtig für die Gesellschaft ansieht wie die Erwerbsarbeit sieht die Sache anders aus. Bei gleicher Wertschätzung spielt es nämlich keine Rolle wie sie unter den Geschlechtern aufgeteilt ist. Hier müssen Frauen für ihre Care-Arbeit selbstbewusst Wertschätzung einfordern, wenn sie diese nicht erkennen können. Die typisch weiblichen Persönlichkeitsmerkmale wie Zurückhaltung und Bescheidenheit sind aber genau wie bei Gehaltserwartung und -verhandlungen im Arbeitsleben ein Hindernis.
„nicht erklärbare“ Ursachen des bereinigten Gender Pay Gap
Die Unterschiede beim bereinigten GPG sind der eigentliche Streitpunkt. Man kann sie nicht anhand von Zahlen erklären. Außerdem diskutiert man hier über die Ursachen, die zu den „harten Fakten“ wie Branchenzugehörigkeit oder Karrierestand führen. Das sind Eigenschaften von Männern und Frauen, die sich nicht mit einer „formalen Qualifikation“ messen lassen. Eng verbunden damit sind Persönlichkeitsmerkmale. Außerdem gibt es noch die Diskriminierungsthese.
Neben der schon erwähnten höheren Bereitschaft für die Sorge um Kinder und Angehörige gibt es hier folgende Erklärungsansätze:
Persönlichkeitsmerkmale
Das betrifft Durchsetzungskraft und Selbstvermarktung in Gehaltsverhandlungen bzw. beim Verlangen von Gehaltserhöhungen. Es sind die Persönlichkeitsmerkmale von Menschen, die auch unterschiedlich unter den Geschlechtern verteilt sind. Männer sind von Natur aus risikobereiter und unsere männlichen Vorfahren sind in der Tendenz diejenigen, die sich gegen andere durchsetzen mussten. Untersuchungen zu diesen Faktoren gibt es nur wenige, obwohl sie ein Kernpunkt der Argumentation sind für diejenigen, die die Diskriminierungsthese ablehnen. Dabei zeigt dieser „junge Forschungsansatz“ 3, dass es ganz wesentlich zum GPG beiträgt. Zum einen hat z.B. Auswirkungen auf Gehaltsverhandlungen, aber auch allgemein die Bereitschaft risikoreiche und damit höherbezahlte Berufe zu wählen.
Eignung und Bereitschaft
Es gibt Bereiche, in denen Männer und Frauen unterschiedlich geeignet sind. Wo z.B. körperliche Kraft gefragt ist haben Männer biologisch einen Vorteil: Auf einer Baustelle wird auch die höhere Leistungskraft besser vergütet. Das lässt sich aber nicht in einer formalen Qualifikation abbilden. Wo soziale Fähigkeiten gefragt sind, haben Frauen einen Vorteil. Intuitiv hält man sie für einfühlsamer und verantwortungsvoller. Und Intuition trügt meistens nicht. Dort, wo Gesundheit und Betreuung von Menschen geht erfüllen Frauen die Anforderungen an den Beruf besser aus.
Bereitschaft zu Überstunden in besser bezahlten Berufen: Zum Beispiel leisten Männer häufiger unbezahlte Überstunden. Diese höhere Leistungsbereitschaft könnten Unternehmer mit einem höheren Grundgehalt „entlohnen“. Die Leistungsbereitschaft von Frauen wirkt sich dagegen manchmal negativ aus. In einem Pflegeberuf zu arbeiten braucht auch eine Bereitschaft sich um andere zu Sorgen. Diese haben eher Frauen und arbeiten dadurch häufiger in diesen Bereichen, die nicht so viel Geld erwirtschaften wie ein Industrieunternehmen.
Pendelbereitschaft: Männer sind bereit weiter zu pendeln und haben damit eine bessere Auswahl an Arbeitsplätzen, auch gut bezahlten. Frauen dagegen arbeiten häufiger näher am Wohnort, was natürlich auch mit der Kinderbetreuung zu tun hat. Ein „Gender-Pendelzeit-Gap“ würde zum Nachteil von Männern ausfallen. Mehr Zeit in Auto und Bahn als mit den Kindern zu verbringen ist das allerdings kein Privileg der Männer. Eigentlich ist es ein Nachteil und Verringerung der Lebensqualität, die aber durch ein höheres Gehalt ausgeglichen wird.
Diskriminierungsthese
Dann gibt es noch die Erklärungsmuster, die von Diskriminierung von Frauen durch Männer ausgehen. Z.B. fehlendes Zutrauen in die Arbeitsleistung durch männliche Vorgesetzte oder die „gläserne Decke“ bei der angenommen wird, dass Frauen hohe Positionen durch ihr Geschlecht nicht erhalten. Das hat teils auch Züge von Verschwörungserzählungen, wenn von „Männerbünden“ die Rede ist. Hier werden oft Vorstandsmitglieder in DAX-Konzernen genannt, die jedoch kaum geeignete Kandidatinnen finden. Es geht um Männer mit unberechtigten Vorbehalten gegen Frauen in bestimmten Berufen, Männer, die unter sich bleiben wollen usw. Die Frage hier ist wie relevant das heute noch ist bzw. bis zu welcher Generation das noch Einfluss hat. Davon ist noch etwas vorhanden. Ich kenne es auch aus eigener Erfahrung, jedoch gibt es da eine Grenze. Ganz subjektiv sehe ich die bei den Geburtsjahrgängen um 1980. Bei älteren Männern kommen solche Ansichten durchaus noch vor – ganz ohne Bösartigkeit. Bei Jüngeren, jedenfalls in unserem Kulturkreis, gibt es solche Ansichten praktisch nicht mehr.
Diese biologischen, sozialen, psychologischen Faktoren, sind schwer greifbar und statistisch messbar. Es sind die „unerklärbaren“ Ursachen für den bereinigten Gender Pay Gap. Zusammen mit den Ursachen für die strukturellen Unterschiede des GPG bilden sie Spielraum für Diskussionen. Bis hin zur ideologischen Einteilung der Gesellschaft in Täter (Männer) und Opfer (Frauen).
Die Diskriminierungsthese dominiert die politisch-mediale Diskussion bzw. den Aktivismus beim Gender-Pay-Gap. Daran lässt sich die ideologisch Färbung des Gender Pay Gaps erkennen.
Die Umstände passen: Niedrigzinspolitik führt zu günstigen Baukrediten und die Kinder der Baby-Boomer-Generation sind im Hausbau-Alter. Auch in Neustrelitz besteht zur Zeit eine hohe Nachfrage nach Grundstücken für Einfamilienhäuser. Entsprechend den Zielen der Stadtentwicklung möchte die Stadt diesen Bedarf decken und weist deshalb neue Baugebiete aus. Dort können Bauwillige Grundstücke kaufen und bauen. Die folgenden Baugebiete befinden sich aktuell in Planung. Außerdem werfe ich einen Blick darauf wie es überhaupt zur Ausweisung der neuen Baugebiete kommt und blicke kurz in die nähere Zukunft.
Hier ist ein Baugebiet mit 25 Grundstücken und einer Straße zur Erschließung in Planung. Es liegt außerhalb des Stadtkerns, zwischen Wohnblöcken, Kleingärten und Baumreihen. Die Innenstadt ist zwar relativ nah, es wirkt hier aber doch etwas abgeschieden. Eine Bebauung mit Eigenheimen und Stadtvillen (zwei Geschosse) wird jedenfalls zur Durchmischung der Dr.-Schwentner-Straße beitragen, denn hier stehen praktisch nur Wohnblöcke.
Plan neues Baugebiet Dr. Schwentner-Straße Stand Februar 2021
Das Gelände war Teil des „Soldatenstädtchens“, das an die ehemalige große Kaserne grenzte. Hier befanden sich Wohnungen und Einrichtungen für Offiziersfamilien. Zuerst für die Wehrmacht, dann für die Sowjetarmee. Nach der Wende fand sich keine Nutzung. Die Gebäude abgerissen und die Fläche lag lange Zeit brach.
Die Fläche im Januar 2022
Bedeutung dieses Baugebietes für die Stadtentwicklung
Es bedeutet auch ein wenig „natürliche“ Stadtentwicklung. Die Bebauung an der Dr.-Schwentner-Straße ist nämlich „unnatürlich“, also nicht organisch gewachsen. Dass hier mitten in der Landschaft Mehrfamilienhäuser ohne Umfeld stehen ist im wahrsten Sinne des Wortes historisch bedingt. Die großen mehrgeschossigen Gebäude wurden in den 1930ern und in der späten DDR-Zeit in die Nähe der Kaserne und weiteren Militäreinrichtungen gebaut. Die Kaserne und die Anlagen gibt es nicht mehr. Auf diese Flächen wurde teils ein großes Solarfeld, das Krankenhaus und die Umgehungsstraße gebaut. Andere Teile wurden aufgeforstet oder sind einfach Brachland. Die heutigen Gebäude an der Dr.-Schwentner-Straße sind Reste eines ehemaligen riesigen Komplexes aus der Zeit als Neustrelitz Militärstandort war.
Dr.-Schwentner-Straße Satellitenbild 2021 (Quelle: Google Maps)
Dadurch, dass auch Teile der „Randbebauung“ nicht mehr existieren funktioniert die Gegend nicht wie ein eigener Stadtteil (anders als z.B. in Kiefernheide wo man auch einkaufen kann oder in die Schule geht).
Die Dr.-Schwentner-Straße ist eher eine Randlage und hier stehen ausschließlich Wohnblöcke. Die Mieten sind günstig und ich schätze, dass ein Großteil der Einwohner erst in den 1990ern nach Abzug der Armee hingezogen sind. Zu dieser Zeit war es kein Privileg mehr eine solche Wohnungen zu bekommen. Kurz gesagt: hier finden sich viele Haushalte mit niedrigem Einkommen. Der Anteil dürfte höher als in Kiefernheide oder an der Rudower Straße sein, wo neben den Blöcken viele andere Wohngebäude, insbesondere Einfamilienhäuser stehen.
Mit den neuen Eigenheimen an der Dr.-Schwentner-Straße wird nicht architektonische, sondern auch die soziale Durchmischung gefördert.
Wohnquartier zwischen Höhen- und Karbe-Wagner-Straße
Dieses neue Wohnquartier liegt zwischen einem bestehenden Wohngebiet, der Walter-Karbe-Schule und dem Fasanerie-Park. Dass das Gelände bisher noch unbebaut ist hat auch etwas mit der ehemaligen militärischen Nutzung der Fläche zu tun. Hier entstehen 15 Eigenheimgrundstücke und es wird auch eine komplett neue Straße benötigt. Der Kaufpreis für die Grundstücke wurde in der Stadtvertretung auf 50€/qm festgelegt, wobei hier noch Erschließungskosten dazukommen. Die Fläche direkt daneben, zur Strelitzer Chaussee hin, ist unter anderem als Platz für eine möglicherweise in der Zukunft zu bauende Schwimmhalle im Gespräch.
Zur Festlegung eines neuen Straßennamens
Ein Name für eine neue Straße muss her! Für das „Wohnquartier zwischen Höhen- und Karbe-Wagner-Straße“. Am 21.10. wird die Neustrelitzer Stadtvertretung darüber entscheiden, ob sie „Walter-Gotsmann-Straße“ heißen soll. Dieser Herr Gotsmann hat bereits eine Straße in seinem Geburtsort Granzow (Ortsteil von Mirow) und in NB gibt es schon einen „Walter-Gotsmann-Weg“. Zuerst habe ich mir gedacht, dass er damit doch schon ausreichend „versorgt“ ist und es vielleicht noch Persönlichkeiten gibt, nach denen noch keine Straße benannt ist… Aber wenn man sich seinen Lebensweg ansieht ist der vor Allem Neustrelitz verbunden. Da scheint es verwunderlich, weshalb woanders schon, aber noch nicht hier eine Straße nach ihm benannt wurde.
Auch an der Schlangenallee (einer der interessantesten Straßennamen in Neustrelitz) ist ein Baugebiet in Planung.
Die andere Straßenseite ist bereits seit längerer Zeit bebaut, so dass für die neu entstehenden 10 Grundstücke keine neuen Versorgungsleitungen verlegt werden müssen.
Neues Baugebiet Schlangenallee am 14.10.2021
Es handelt sich eigentlich um eine Erweiterung des bestehenden Wohngebietes, welches abseits des Zentrums liegt. Ohne Verbindung mit anderen bewohnten Stadtteilen wirkt es mitten in die Landschaft gesetzt.
Einer grenzt es direkt an ein Gewerbegebiet, andererseits wird das dadurch ausgeglichen, dass es an den Wald (Kalkhorst) und den entwässerten Wiesen grenzt. Das Wohnumfeld ist hier also vielfältig: Wald, Gewerbegebiet und die Kulturlandschaft um Alt-Strelitz.
Der alte Schulsportplatz und weiteres Gelände im Umfeld werden nun als Baugebiet vorbereitet. Damit wird das bestehende Wohngebiet mit Eigenheimen erweitert. Es wird nachverdichtet und damit keine neuen Flächen in Außenbereich verbraucht. Die Nachverdichtung bedeutet hier, dass alte Kleingärten durch Wohnhäuser in Innenstadtnähe ersetzt werden. Das Wohngebiet am Sandberg wächst in alte, aufgegebene Kleingärten und einen ehemaligen Sportplatz hinein.
„Zudem besteht die dringende Notwendigkeit einer städtebaulichen Ordnung in dem Bereich, da sich die aufgegebenen Gärten zu einem städtebaulichen Missstand entwickeln.“ (Aus der Stadtverwaltung, Begründung der Änderung des B-Plans)
bestehender Kleingarten direkt neben einem Neubau
verlassener, verfallener Kleingarten
Direkt an der Schule wurde 2020 eine neue Sportanlage gebaut. Dem Wachstum des Baugebietes in die Gärten sind aber Grenzen gesetzt. So sollten eigentlich noch mehr Gärten in Bauland umgewandelt werden, war aber wegen hohem Grundwasserspiegel baulich nicht möglich. In einem anderen Bereich haben sich Eigentümer der jetzigen Gärten dagegen ausgesprochen.
ehemaliger Sportplatz
Rest des Sportplatz
Das städtebauliche Planungsgebiet Zierker Straße/Sandberg (Bebauungsplan Nr. 12/91) vergrößert sich von 11,86 ha auf 14,63 ha, also grob um ein Viertel. Die neuen Bereiche sind kein zusammenhängendes großes Neues Baugebiet, sondern mehrere auseinanderliegende Grundstücke.
Kern des neuen Baugebietes Sandberg/Bollenacker
Wie kommen neue Baugebiete eigentlich zustande?
Der Anstoß für ein neues Baugebiete kommt in der Regel aus dem Amt für Stadt- und Grundstücksplanung. Grundlage dafür ist die erwartete Entwicklung von Bevölkerung und Wohnungsmarkt. Dabei spielen Bevölkerungszahl, Altersstruktur, Leerstand und der Immobilienmarkt eine Rolle.
Ein neues Baugebiet durchläuft mehrere Phasen. Die Schaffung von Baurecht, Ankauf der Grundstücke, Einholung von Gutachten und die Planung der Erschließung. Dann auch die tatsächliche Erschließung mit Straßen und Versorgungsleitungen und am Ende der Verkauf der Grundstücke. Zwischendurch erfolgen Beschlussfassungen der Stadtvertretung. Auch Bürger können Bedenken und Änderungswünsche äußern. Alles in Allem ist es ein langwieriger bürokratisch-demokratischer Prozess
Die Stadtverwaltung sucht also geeignete Flächen und schlägt sie vor. Die Entscheidungen treffen jedoch die gewählten Stadtvertreter. Das sind mehrere einzelne Beschlüsse in den verschiedenen Phasen, die bestimmen welche Art Gebäude errichtet werden dürfen, Grundstückaufteilung oder die Festlegung von Preisen. Die tatsächliche Umsetzung und Ausgestaltung sieht dadurch oft anders aus als die Ursprungsidee.
Für die zukünftigen Bedarfe in Neustrelitz wird zur Zeit eine neue Wohnungsmarktstrategie in Auftrag gegeben.
Ausblick auf die nähere Zukunft
Es gibt natürlich interne Überlegungen im Amt, die aber noch nicht spruchreif sind. Die Information der Öffentlichkeit basiert hier auf dem Strelitzer Echo als amtliches Mitteilungsblatt.
Abzusehen sind aber Erweiterungen von bestehenden Wohngebieten. Meiner Ansicht nach wird das Wohngebiet Sandberg weiter in die zum Teil verfallenden Kleingärten hineinwachsen. Zumindest dort, wo es vom Baugrund her möglich ist. Außerdem ist es für Neustrelitzer kein Geheimnis, dass zwischen Zierker See und Zierker Straße, wo sich gerade alte Betonflächen und Lagerhallen befinden, Baugrundstücke reißenden Absatz finden würden. So schnell ist es aber nicht zu erwarten. Momentan (Februar 2022) steht das Gelände als Lagerfläche und und Lagerhallen zum Verkauf. Hier könnte also ein privater Immobilienentwickler aktiv werden. Zwar ist der Bereich im Flächennutzungsplan der Stadt für Gewerbe ausgewiesen, das ist aber natürlich änderbar.
Weitere Baugebiete, die durch die Stadt in Vorbereitung sind:
Baugebiet in Vorbereitung westlich des Stargarder Ring (12 Grundstücke vorgesehen). Erweiterung des Wohngebiet „Erdbeeracker“
Baugebiet in Vorbereitung am Schwarzen Weg (8 Bauplätze vorgesehen)
Übrigens: An der Wilhelm-Stolte-Straße, gegenüber dem Großen Spiegelberg sind auch neue Eigenheime entstanden. Mit der nochmaligen Erweiterung des Erdbeerackers wächst die bebaute Fläche der Stadt hier „von zwei Seiten zusammen“. Man kann in dem Bereich davon sprechen, dass die letzte große flächenmäßige Lücke zwischen dem Neuen und dem Alten Strelitz baulich geschlossen wird. Das Zusammenwachsen von Strelitz und dem „Neuen Strelitz“ soll schon bei der Gründung des neuen Strelitz vor fast 300 Jahren angedacht gewesen sein.
Der rbb berichtet, dass letzte Woche der Neubau eines Rechenzentrums bei Berlin, in Märkisch Oderland gescheitert ist. Es soll sich dabei um ein Cloud-Rechenzentrum von Alphabet bzw. Google handeln.
„Dadurch hätte das Zentrum mit 1,3 Millionen Kubikmeter pro Jahr ähnlich viel Wasser verbraucht wie die Tesla-Fabrik im nahen Grünheide.“
Der örtliche Wasserverband Strausberg-Erkner hat das Projekt gekippt. Grund ist die Wasserknappheit in Ostbrandenburg. Für den angedachten Standort Neuenhagen sprach die Nähe zu Berlin und eine hier verlaufende Starkstromleitung.
Als ich das gelesen habe, hatte ich sofort die Idee, dass sich Neustrelitz als Standort anbieten sollte. Auch das Wirtschaftsministerium bzw. Ministerpräsidentin Schwesig können sich hier einschalten. Ich erinnerte mich daran, dass auch Tesla bei der Standortsuche in Mecklenburg-Vorpommern vorbeigesehen hat. Es konnte kurzfristig kein genügend großes Areal aufgetrieben werden. Ministerpräsidentin Schwesig wurde nicht durch das Wirtschaftsministerium informiert. Die Sache hätte vielleicht anders laufen können. Diesmal sollte so eine Chance nicht vertan werden…
Neustrelitz ist relativ Berlin-nah, Wasser sollte hier nicht allzu knapp sein, und eine Starkstromleitung verläuft auch an der Stadt vorbei, gut versteckt im Wald.
Wie ich dann herausfand ist es wahrscheinlich dieselbe Höchstspannungsleitung. Sie hat eine sehr hohe Kapazität und führt von der Ostsee (Lubmin bei Greifswald) an den östlichen Rand von Berlin. Sie sollte sicher das geplante Kernkraftwerk mit Ost-Berlin verbinden. Heute transportiert es Windstrom aus Vorpommern in die Metropole. Strom wäre also auch in Neustrelitz genug vorhanden, sogar näher an der Erzeugung. Und Erneuerbar sowieso.
Wie und Wo genau?
Für die nötigen Fachkräfte zu sorgen wäre eine Aufgabe der Landesregierung. Das ergibt sich aus den Zielen bezüglich Unternehmensansiedlungen. Wer Industrie ansiedeln möchte, der muss auch einen Plan haben wie die Fachkräfte „besorgt“ werden. Das Wirtschaftsministerium wäre hier gefragt. Dass solche Arbeitsplätze in der südlichen Seenplatte zumindest denkbar sind, zeigt auch der Standort des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR-Standort in Neustrelitz: 110 Mitarbeiter, für das Rechenzentrum werden 100 geschätzt). Generell: in Neustrelitz kann man nicht nur wohnen, sondern auch von Berlin einpendeln.
Es soll ein „grünes Gewerbegebiet“ in Neustrelitz entstehen. Das sollte genug Platz bieten. Durch das angrenzende Biomasseheizkraftwerk sind auch Kopplungen mit dem Fernwärmenetz denkbar. Hier könnte Abwärme genutzt werden. Der Wasserverbrauch in Brandenburg würde 1,3 Millionen Kubikmeter/Jahr betragen. Die Stadtwerke hätten hier eine Aussage treffen sollen, ob das möglich ist. (Allerdings: In Anbetracht dessen, dass generell Unternehmensansiedlungen in Neustrelitz gewünscht sind, dürfte auch die Wasserversorgung zukunftsfähig sein).
Hier soll das „Grüne Gewerbegebiet“ entstehen.
Die Emailadressen in Schwerin und Neustrelitz hatte ich schon rausgesucht
Die Emailadressen von Wirtschaftsministerium, Staatskanzlei (Ministerpräsidentin), Stadtwerke Neustrelitz und dem Bürgermeister als Chef der Verwaltung hatte ich schon rausgesucht. Ich wollte an alle eine Email schreiben und diese auch öffentlich machen. (Öffentlichkeit treibt die Dinge oft an). Kontakt zu Google könnte man irgendwie auch herstellen.
Es galt für mich noch eine Sache nachzuprüfen:
Ist Neustrelitz nah genug?
Zwar ist mir bekannt, dass die Entfernung zwischen Rechenzentrum und Verbrauchern eine Rolle spielt, aber wie viele Kilometer konkret üblich sind musste ich mir erst einmal ansehen.
Das amerikanische Unternehmen CloudHQ hat in Offenbach ein Rechenzentrum geplant, das durch die dortige Glasfaserverbindung in weniger als einer Millisekunde mit Frankfurt verbunden ist. Zwischen Offenbach und Frankfurt liegen 10 Kilometer.
(Übrigens scheinen Groß-Rechenzentren gerade wie Pilze aus dem Boden zu schießen.)
Frankfurt/Main. Das Zentrum ist nur 10km vom Rechenzentrum-Standort Offenbach entfernt.
„Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Low Latency (kurze Latenzzeit) ist Nähe. Das heißt: vermeiden, dass Daten um die halbe Welt zu zentralen Serverfarmen geschickt werden, von denen dann eine Antwort retour geht. Denn hier setzt die Physik Grenzen. Via Glasfaser sausen die Daten mit zwei Drittel der Lichtgeschwindigkeit durchs Netz, das sind 200 Kilometer pro Millisekunde. Für Anwendungen, die eine Latenzzeit von rund einer Millisekunde haben sollen, darf das Rechenzentrum also theoretisch maximal 100 Kilometer entfernt sein. Verzögerungen durch zwischengeschaltete Netzelemente und die Datenverarbeitung sind hier noch nicht eingerechnet. Der Schlüssel zu Low Latency ist also, Rechenleistung nicht hunderte von Kilometern vom Nutzer entfernt vorzuhalten, sondern nah bei ihm.“
Der nördliche Rand von Berlin ist etwa 100km von Neustrelitz entfernt. Ins Zentrum sind es 110km. Damit wäre Neustrelitz wohl nur im äußersten Notfall als Standort geeignet. Wenn man schon weit in den Norden gehen würde, dann gäbe es sicher genug Alternativen, die alleine wegen der Kilometer geeignet wären – wenn auch Strom und Wasser schwieriger zu bekommen sind.
Halten wir fest:
Platz, Strom, Wasser [siehe Nachtrag] wäre wohl genug da. Auch die rund 100 Arbeitsplätze würde man irgendwie besetzt bekommen – wenn es auch nicht so leicht wäre. Neustrelitz ist aber technisch gesehen zu weit entfernt, um als Rechenzentrum-Standort für Berlin in Frage zu kommen. 100km sind gegeben. Das ist das Maximum was möglich wäre. Normalerweise sind es 10km. Neustrelitz ist für so eine Ansiedlung also meines Wissens nach nicht geeignet.
Ob nun überhaupt eine extrem geringe Latenz für dieses Rechenzentrum notwendig wäre, ob Neustrelitz genug Wasser hätte, also ob es nicht doch möglich wäre Neustrelitz zum Google-Standort zu machen… Um das kurzfristig in die Wege zu leiten fehlt mir leider ein Stab von Mitarbeitern.
Es war aber durchaus Wert dieser Idee einmal nachzugehen.
Nachtrag:
Ich habe bei Stadtwerken Neustrelitz nachgefragt. Die technischen Anlagen zur Wasserversorgung wären in der Lage einen so hohen zusätzlichen Verbrauch zu decken. Auch dann würde das Grundwasser immer noch genug Reserven für weitere Einwohner und Gewerbe haben. Die Voraussetzung wäre die Erweiterung der Nutzungsgenehmigung zur Grundwasserentnahme. Dass in Neustrelitz beim Wasserverbrauch so gut aufgestellt ist hat historische Gründe. Einerseits hatte die Stadt zu DDR-Zeiten noch wesentlich mehr Einwohner und zusätzlich als Garnisonsstadt der Sowjetarmee einen deutlich höheren Verbrauch. Auch der nie in Betrieb gegangene „Neue Schlachthof“ hätte sehr viel Wasser und Abwasser-Kapazitäten benötigt, die heutzutage nicht genutzt werden.
Möglich ist es also. Dabei ist eine Größenordnung von 1,3 Millionen cbm Wasser/Jahr Verbrauch übrigens gar nicht sicher. Die Zahl deutet darauf hin, dass für die Kühlung der Server die Verdunstungskühlung eingesetzt wird. Diese Technik ist zwar günstig, hat aber eben einen hohen Verbrauch. Es gibt mehrere andere, sparsamere Kühltechniken, die eingesetzt werden könnten. Z.B. eine Luftkühlung, die mit einem geschlossenen Wasserkreislauf arbeitet.
Hier könnten sogar noch bessere Lösungen einsetzen, um die Abwärme direkt zu nutzen. Neustrelitz hat ein Fernwärmenetz. Direkt neben dem neuen „Grünen Gewerbegebiet“ steht das Biomasse-Heizkraftwerk der Stadtwerke. Es dürfte möglich sein, einen weiteren „Wärmeerzeuger“ ohne großen Aufwand an das Fernwärmenetz anzuschließen.
Diese effiziente Nutzung/Kopplung ist die Zukunft im Bereich Energiewende/Wärmewende. Erste Projekte gibt es bereits. Z.B. im Frankfurter Gallusviertel (In und um Frankfurt entstehen sehr viele Rechenzentren, weil es ein zentraler Punkt in der Internetstruktur ist)
„Die geplanten rund 1.300 Neubauwohnungen sowie Gewerbeeinheiten am südwestlichen Rand des Frankfurter Gallusviertels mit einem Jahresbedarf von 4.000 Megawattstunden (MWh) werden künftig zu mindestens 60 Prozent aus der Abwärme des benachbarten Rechenzentrums versorgt“, erläuterte Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann. Bis zu 40 Prozent werden durch die umweltschonende Fernwärme aus den hocheffizienten Heizkraftwerken der Mainova ergänzt. … Mit der Hitze, die in den Serverfarmen entsteht, werden wir 3.000 Menschen mit Wärme versorgen – das ist in dieser Größenordnung deutschlandweit einmalig.“
Zusammengefasst: In Neustrelitz ist erneuerbarer Strom vorhanden (Höchstspannungsleitung in der Nähe). Die Wasserversorgung wäre auch gewährleistet. Mit Nutzung der Abwärme und Nutzung neuer Kühltechniken würde auch wesentlich weniger bzw. kaum Wasser verbraucht werden.
Außerdem: Wie man in einer Präsentation der Machbarkeitsstudie des Grünen Gewerbegebiet sehen kann liegt direkt an der angrenzenden Bundesstraße ein Anschlusspunkt an das Transeuropäisches Glasfaser-Hochgeschwindigkeitsnetz.
Der Standort ist also eigentlich wie gemacht für ein Groß-Rechenzentrum! Wenn der Platz ausreicht (das ganze Gewerbegebiet bietet 90.000 m²).
Im Rechenzentrum sollen 100 Mitarbeiter beschäftigt werden. Das sind in etwa so viele wie im DLR-Standort Neustrelitz arbeiten (110). Die hochqualifizierten Arbeitsplätze im DLR konnten auch besetzt werden. Außerdem wird wohl niemand ernsthaft bestreiten, dass der DLR-Standort ein Gewinn für die Stadt ist.
Bleibt letztendlich noch die Frage nach der Entfernung zu Berlin, um die Daten schnell genug „verschicken“ zu können. Hier ist allerdings auch interessant zu wissen, dass Groß-Rechenzentren selbst in Island stehen (wegen dem niedrigen Kühlaufwand). Im Hinblick auf 5G, autonomes Fahren etc. wäre es für die Seenplatte selbst nicht schlecht schnell angebunden zu sein und nicht auf Berliner Digital-Infrastrukturen angewiesen zu sein.
Höchstspannungsleitung hier bei Alt-Strelitz
In Anbetracht dessen lohnt sich vielleicht doch mal Google oder das Wirtschaftsministerium in Schwerin anzuschreiben. Da hat man vielleicht die Möglichkeiten die entsprechenden Stellen bei Google zu kontaktieren. Gute, hochqualifizierte Arbeitsplätze, mit erneuerbarer Energie gespeist und in einem innovativen Zukunftsbereich… Das sollte doch die Regierung interessieren. Auf jeden Fall ist es sinnvoller als Steuergeld nach Honkong zu schicken.
In der Theaterwerkstatt werden Bühnenbilder für die Theatervorstellungen der Theater- und Orchester GmbH hergestellt. Bisher waren die Werkstätten in alten, provisorischen Gebäuden untergebracht. Schlosser, Tischler, Maler, Kascheure und Dekorateure sollen im neuen Areal bessere Arbeitsbedingungen bekommen. Außerdem werden die Gewerke hier unter einem Dach vereint.
Eine rund 1000 Quadratmeter große Halle mit Werkstätten sowie Büro- und Lagerräumen. Mit Verladerampen, Umfahrung, Grünanlagen und Ausgleichsflächen beträgt die Gesamtfläche des Areals rund 4.500 Quadratmeter.
Die Grundsteinlegung war am 24.11.2020. Die Fertigstellung ist für Spätsommer 2021 geplant.
Es wurden 3,1 Millionen Euro investiert, mit Hilfe des Landes und der Kommunen.
Die Theatergesellschaft „Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg / Neustrelitz“ (kurz TOG) ist ein Theater mit Spielstätten in Neubrandenburg und Neustrelitz. Dazu gehören das „Landestheater Neustrelitz“, das Schauspielhaus Neubrandenburg und die Konzertkirche Neubrandenburg. Als Mehrspartentheater bietet es Schauspiel, Musiktheater und betreibt die Neubrandenburger Philharmonie. In Vor-Corona-Zeiten gab es bis zu 120 000 Besucher je Spielzeit.
Die Zierker Straße, der Hauptweg vom Zentrum Richtung Norden. Hier prägen noch einige Gebäude mit Verfallserscheinungen das Stadtbild.
Zierker Straße 61
Leeres, verfallenes Gebäude. An der Straßenfassade ist der äußere Putz entfernt und kleine Sicherungen mit Metallbändern sind zu erkennen (gesehen am 6.10.2021). Das deutet darauf hin, dass es nicht komplett sich selbst überlassen ist.
Zierker Straße 57 und 58
Leeres, verfallenes Gebäude auf dem noch die alten Antennen aus DDR-Zeiten zu sehen sind. Doppelgebäude, links ist die Nummer 57, rechts die 58. Sehr stark sanierungsbedürftig. In der Nr. 57 befand sich ein kleines Geschäft. Die Tür dorthin war im Frühjahr noch teilweise zerstört, Stand 6.10.2021 mit eine Spanplatte gesichert. Notdürftige Sicherungsmaßnahmen finden also statt. Aus meiner Erinnerung: Etwa im Jahr 2018 stand eine der beiden Hausnummern für ca. 70.000 Euro zum Verkauf. Bei dem Sanierungsbedarf dieses wahrscheinlich denkmalgeschützten Gebäudes war das aber eher ein symbolischer Preis.
Straßensicht der unsanierten Zierker Straße 57 (linke Hälfte) und 58 (rechte Hälfte)
Zierker Straße 56
Verfallenes Gebäude, das zur Straße in eingerüstet ist (erstmalig gesehen am 31.5.2021). Im Innenhof sieht man, die Baustelle. Am Altbau läuft anscheinend die Entkernung. Auf der Rückseite, zur Mühlenstraße hin wird gerade ein Neubau errichtet. (Ich bin mir nicht sicher, aber möglicherweise gehört der Rückwärtige Neubau zum Gesamtobjekt)
Zierker Straße 56, Straßenfront am 6.10.2021
Zierker Straße 43 (Bauruine)
Bauruine, an der keine Aktivität zu sehen ist. Schade, dass es hier scheinbar nicht weitergeht. Das Gebäude wirkt leider auch etwas deplaziert. Es passt nicht zwischen die Nebengebäude, so bildet es keinen Abschluss zum Dach des mehrgeschossigen Nebengebäude rechts. Außerdem wirken die Dachgauben und der Mittelteil (weiß leider nicht wie das baulich bezeichnet wird) für das Gebäude überproportional groß.
Als Neubau im Außenbereich oder in einem Dorf würde es außergewöhnlich gut passen. An dieser Stelle in der Zierker Straße passt es definitiv nicht richtig ins Stadtbild.
Zierker Straße 43 Umfeld
Zierker Straße 24
Vorgebäude, sieht nicht genutzt aus. Unsanierte Fassade. Allerdings ist das Dach neu.
Zierker Straße 24 Straßensicht unsanierte Fassade
Zierker Straße 47 (Baulücke)
Leeres Grundstück. Bis vor kurzem stand hier noch ein kleineres baufälliges Gebäude. Hier ist zu erwarten, dass in absehbarer Zeit ein Bauprojekt starten wird. Als Baulücke stellt es aber einen Ort des Verfalls dar.
Zierker Straße 47 als Baulücke
Zierker Straße 32b (Baulücke)
Hier ist zu erwarten, dass in absehbarer Zeit ein Bauprojekt starten wird. Als Baulücke stellt es aber einen Ort des Verfalls dar.
Die Schlossstraße in Neustrelitz ist sicher einmal als Prachtstraße angedacht gewesen. Eine lange Zeit war sie das auch. Die Gebäude aus dieser Zeit stehen fast alle auch noch. Dennoch ist die Straße heute vor Allem durch Verfall geprägt. Es gibt auch positive Entwicklungen wie das Kulturquartier in der alten Post und demnächst die Ehrenamtsstiftung im Carolinenpalais. Sie bleibt aber die am schwersten durch die Zeit getroffene Straße in der Innenstadt. Hier stelle ich die Schlosstraße 5, Schlosstraße 6 und Schlosstraße 14 vor.
Schlosstraße 5
Baujahr 1885 steht oben am Portal. Also klassische Gründerzeit. Die heutige Fassade wirkt schlicht, aber auch prächtig. Ich frage mich, ob sie beim Bau auch schon so wenig Details hatte. Der braun-graue Putz heute lässt das Gebäude hässlich erscheinen. Es wäre aber nach einer Sanierung ein sehr ansehnliches Gebäude, das man durchaus in einer Schlossstraße erwarten kann.
Schlossstraße 6
Die Schlosstraße 6, mit seinem Innenhof und dem Hofgebäude ist wohl der interessanteste Ort des Verfalls in der Schlossstraße. Das liegt auch daran, dass man hier lange Zeit einfach in den Innenhof gehen konnte.
(Das Gebäude steht gerade am Anfang einer Totalsanierung. Meinen Beitrag hier werde ich bald aktualisieren)
Das Gebäude wurde 1738 gebaut. Es stammt also aus den allerersten Jahren der Stadtgründung. Gegen Ende des 19 Jahrhunderts wurde es umgebaut. Ich schätze, dass es vor Allem Innen umgebaut wurde und die Straßenfassade nicht sehr verändert wurde. Zu DDR-Zeiten gab es sicher viele separate Wohnungen im Gebäude. Das bemerkt man an den vielen einzelnen Bädern und Kachelöfen. Im ehemals herrschaftlichen Haus wurden in der Nachkriegszeit improvisierte Wohnungen hergerichtet. Das kenne ich bereits von Gutshäusern in den Dörfern. Nach der Wende Leerstand. Der Verein des „Kunsthauses“ wurde hier gegründet. Dieser ist aber mittlerweile in die Schlossstraße 2 umgezogen. (Dieses Gebäude wirkt auch wie ein Kandidat für diese Seite, ist aber in Nutzung – deshalb steht es nicht hier). Das Hauptgebäude der Schlossstraße 6 steht voller Gerümpel, ist teils schmutzig, man kann sich aber leicht bewegen. Das Nebengebäude im Hof ist in einem extrem schlechten Zustand. Das Dach ist teils abgedeckt, das Holz verrottet und Decken sind teils schon eingestürzt.
Aktualisierung vom August 2021: Stand Juni 2021 war der Eigentümer der Gebäude, wohl im Ausland, nicht kontaktierbar. Ihr Zustand schadet der Attraktivität der Stadt. Es gab keine Handhabe daran etwas zu ändern, Briefe von Behörden wurden lediglich in den halboffenen, zerstörten Briefkasten gesteckt. Anfang August 2021 tut sich etwas auf dem Gelände: Es wurde ein Tor eingebaut, dass den Innenhof zur Straße hin absperrt. Ich habe am 4.8. einen arbeitenden Bagger auf dem Innenhof gesehen. Am 9.8. war durch die Fenster zur Straße hin zu sehen, dass der Sperr- und sonstige Müll im Inneren ausgeräumt wurde!
Die Innenaufnahmen sind im Juni 2021 entstanden, als Grundstück und Gebäude verlassen und ungesichert Gebäude waren. Mittlerweile ist die Situation anders.
Schlossstraße 14
Ein zweistöckiges Gebäude, das direkt neben dem Kulturquartier steht. Es wirkt behäbig, plump, wie ein massiver Stein. Anfang des 20. Jahrhunderts war die Fassade strukturiert. Möglicherweise verbirgt sich hinter dem Putz mutmaßlich aus DDR-Zeiten noch die alte Fassade. Auf den alten Ansichten sollte man sich allein den Torbogen rechts neben dem Gebäude ansehen! Es befand sich in dem Gebäude der „Hofphotograph C. Wolff“, auch „Buchdruckerei“ kann auf einer alten Ansichtskarte erkennen.
Schlossstraße 14, Straßenseite im Mai 2021Alte Ansicht der SchlosstraßeColorierte Gesamtansicht der Schlossstraße Anfang des 20. Jhd. rechts die Nummer 14
Was ich für meine Seite recherchiere, erkunde und veröffentliche mache ich aus privatem Interesse. Dieses Interesse ist aber auch Auslöser dafür, dass ich Stadtführungen in Neustrelitz anbiete.
Verfallene Orte haben zwei Aspekte. Zum Einen sind sie ein Missstand. Mitten in einer Stadt zeigen sie an, dass etwas nicht stimmt und im wahrsten Sinne des Wortes faul ist. Anstatt Leben gibt es da Zersetzung und Niedergang. Zum Anderen aber sind es auch besondere Orte mit eigener Ästhetik und Faszination. Sie sind weder üblich genutzte Orte noch reine Siedlungsreste. Sie sind ein „undefinierter Zwischenzustand“.
Ich interessiere mich für beide Aspekte und möchte im Sinne meines Neustrelitz-Monitors eine Übersicht schaffen über diese Orte in Neustrelitz. Sei es die Schlossstraße, Sassenstraße, die ehemalige Bahnberufsschule, oder der Große Spiegelberg. Ob ungenutzer Raum, allgemeines Stadtbild oder Denkmalschutz. Das Thema ist für Neustrelitz sehr relevant.
Der Zierker See prägt Neustrelitz auf verschiedenen Ebenen wesentlich. Nicht nur heute ist es angenehm an einem See zu wohnen. Die natürliche Landschaft hatte dazu beigetragen, dass die Stadt zwischen Zierker und Glambecker See gegründet wurde. Auch beim Wassersport und Tourismus hat die Stadt dem See Einiges zu verdanken.
Leider hat die Stadt dem See wiederum nicht gut getan. Er ist heute ein Problemfall und weit von einem natürlichen Zustand entfernt. Zwar ist er von Natur aus ein Flachwassersee, jedoch ist die heutige Wassertiefe von durchschnittlich 1,6m eine Folge menschlicher Eingriffe. Auch wenn der Zierker See im natürlichen Zustand trüb und nicht klar ist, ist er heute besonders schlammig. In ihm gibt es zu viele Nährstoffe, das ökologische Gleichgewicht ist gestört. Zum Baden ist der Zierker See seit einigen Jahrzehnten ungeeignet.
Ursache und Lösung
Am Anfang der menschlichen Einflüsse stand der Bau des Kammerkanals 1843, der den Seespiegel abgesenkt hat. Später gab es einen zu hohen Nährstoffeintrag. Einerseits durch Düngereinsatz in der Landwirtschaft, andererseits durch städtisches Abwasser. So wurde das Abwasser der Stadt anfangs ungeklärt in den See eingeleitet und erst 1970 gab es erste Maßnahmen an der städtischen Kläranlage. Die Wasserqualität verschlechterte sich jedoch immer weiter.
Die Stadt versucht diesem Problem der Euthropierung, Nährstoffanreicherung in einem Ökosystem, seit den 1990ern verstärkt zu begegnen. Es soll die Wasserqualität erhöht und der natürliche Zustand wieder hergestellt werden.
Im kleinen „Hafenbecken“ an der weißen Brücke sieht man es besonders gut
Was ist Seentherapie?
Als Seentherapie werden Maßnahmen zur Verbesserung des ökologischen Zustandes von Seen zusammengefasst. Wenn in den Medien über den Zierker See berichtet wird findet man einerseits den Begriff „Sanierung“ und anderseits den Begriff der „Restaurierung“. Laut Wikipedia sind beides Teilgebiete der Seentherapie. Dabei bezeichnet die Sanierung von Seen Maßnahmen außerhalb des Sees, um ihn von schädlichen Einflüssen zu entlasten (z.B. Verbesserungen der städtischen Abwasserklärung). Bei der „Restaurierung“ geht es im Maßnahmen innerhalb des Sees (Bestandsregulierung von bestimmten Pflanzen und Tieren, Schlamm ausbaggern).
Dabei macht es Sinn zuerst mit der Sanierung zu beginnen, also zu verhindern, dass überhaupt zu viele Nährstoffe in den See gelangen, bevor man mit der Restaurierung die Folgen beseitigt. Am Zierker See wird beides gemacht, es gibt Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen.
Maßnahmenüberblick
bereits erfolgt:
Abwasserklärung der Stadt verbessern (Kläranlage, Abwassersystem), damit weniger Nährstoffe eingetragen werden. 1993 wurde eine neue Kläranlage fertiggestellt. 2005 wurde eine Versickerungsanlage für geklärte Abwässer gebaut. Das Kanalnetz wurde saniert und ein Regenrückhaltebecken gebaut.
Pflanzen und Fische (biologische Änderungen, Entnahme und Besatz bestimmter Arten). So wurden 2016-2020 Silber- und Marmorkarpfen abgefischt.
Angedachte Maßnahmen:
weitere biologischen Änderungen erfolgen (Entnahme von Schlamm aufwirbelnden Gras- und Silberkarpfen, Einsetzen von wasserfilternden Muschelkulturen und einen vor Fischen geschützten Bereich für Wasserpflanzen)
Polder-Flächen im nordwestlichen Uferbereich renaturiert werden (Ein Polder ist ein eingedeichtes niedrig gelegenes Gelände in der Nähe von Gewässern. Im Falle des Zierker Sees ist es der Polder Torwitz, der durch Entwässerungsgräben und ein Schöpfwerk zur Ableitung des Wassers künstlich angelegt ist.)
Nährstoffeinträge reduziert werden (wenn klar ist woher die Nährstoffeinträge stammen)
Phosphatfällungen eingesetzt werden (falls die anderen Maßnahmen nicht wie gewünscht wirken)
[Phosphatfällungen waren schon in der Vergangenheit angedacht, jedoch gab Befürchtungen, dass dies dem Fischbestand schaden könnte. Die zuständigen Behörden erteilten keine Genehmigung. Diese Bedenken werden von Seiten des Landes aber mittlerweile als wissenschaftlich unbegründet abgewiesen.]
verworfene Ideen
Entschlämmung, das Herausholen von großen Mengen Schlamm aus dem See (Das Ausbaggern von Seen hat sich in anderen Seetherapien als nicht zielführend herausgestellt)
Ausbaggerung Kammerkanal (im Rahmen einer Bundeswasserstraßensanierung). Hiervon ist aber momentan keine Rede.
Ziel ist die Senkung der Nährstoffeinträge bzw. die Phosphor-Konzentration im See. Dazu sollen der Eintrag von Phosphor in den See von jetzt jährlich 600kg auf höchstens 500kg gesenkt werden. Hier muss aber noch erforscht werden woher der übermäßige Phosphor-Zufluss eigentlich stammt.
Daneben soll die Sichttiefe erhöht werden.
Eine kurze Geschichte der Therapie des Zierker Sees
In den vergangenen Jahrhunderten wurde immer wieder in den See eingegriffen. Durch Landgewinnung und den Bau des Kammerkanals hat sich der Wasserspiegel immer weiter abgesenkt. Durch Nährstoffeinflüsse und vor allem die ungeklärte Einleitung von Abwasser (bis 1970) hat sich die Wasserqualität sehr verschlechtert. Seit den 80ern ist er kein Badesee mehr.
In den 1990ern war angedacht Schlamm aus dem See zu holen. Das konnte jedoch nicht finanziert werden. Bereits im Jahr 2000 wurde eine Studie zum Wasserhaushalt, Maßnahmen zur Nährstoffreduktion und einer möglichen Ausbaggerung erstellt. (Ich vermute, dass diese die Grundlage für die Maßnahmen bis 2020 war)
Man hat mit einer Reihe von „einfachen“ Maßnahmen versucht die Wasserqualität in den Griff zu bekommen. Bauliche und technische Änderungen am Abwassersystem sind erfolgt. Eine Maschine oder Anlage lässt sich planen und umbauen. Man braucht technisches Know-How, Geld und Arbeit. Sie funktioniert dann besser. Einen See als organisches System zu verändern ist dagegen eine langwierige, unsichere Angelegenheit. Es wurden Pflanzen und Fische dem See entnommen. Ob genau das erfolgreich war lässt sich kaum messen.
Ende 2020 wurde klar, dass die Maßnahmen, die die Stadt in den letzten Jahren durchgeführt hatte zwar eine leichte Verbesserung der Wasserqualität zur Folge hatten, es jedoch nicht ausreichte. Es sind bereits Fördermittel des Landes eingesetzt worden, jedoch wurde das Land Mecklenburg-Vorpommern nun direkt um Hilfe gebeten. Eine Projektgruppe des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt entwickelte weitere Maßnahmen.
Am 5. August 2021, in einer außerordentlichen Stadtvertretersitzung verkündete Landesminister Backhaus folgendes: Das Land wird eine Sanierung des Sees zu 100% fördern. Konkrete Maßnahmen müssen aber erst noch entwickelt werden. Durch Erfahrungen mit anderen Seesanierungen verspricht das Ausbaggern keine Erfolge, es wird voraussichtlich auf Phosphatfällungen und biologische Maßnahmen hinauslaufen. Im Prinzip war das nichts Neues. Es wurde nur das konkrete Jahr 2027 als Zielmarke genannt, da dieses durch eine EU-Richtlinie zum Gewässerschutz vorgegeben ist. Die Stadt Neustrelitz muss das Projekt anschieben (am wichtigsten: Einen Projektleiter suchen), wird aber keine Kosten tragen müssen.
Im September 2021 wurde die Vereinbarung zwischen Land MV und Stadt Neustrelitz unterschrieben. Die Stadt wird Studien beauftragen, damit ein Maßnahmenpaket erstellt und umgesetzt wird. Das Land wird alle Kosten übernehmen.
Es sollte also ein neuer Anlauf folgen, um die Wasserqualität des Zierker Sees zu verbessern. Antrieb und Finanzierung kommen letztlich von außerhalb Mecklenburg-Vorpommerns. Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie schreibt vor, dass Gewässer in der EU spätestens 2027 in einem guten ökologischen und chemischen Zustand sein müssen. Das Geld dafür kommt zum größten Teil auch aus EU-Mitteln (75%) und Bundesmitteln (15%) und nur 10% aus MV, wie eine Landtagsanfrage ergab.
Im folgenden Jahr 2022 gab es offensichtlich keine wirksame Bearbeitung des Projektes durch die Stadtverwaltung Neustrelitz. Scheinbar gab es vorbereitende Gespräche mit Landesbehörden über den Start von Studien. Diese Untersuchungen wurden aber nicht begonnen. Erst im Januar 2023 gab es Schritte für eine Beauftragung der Untersuchungen (Beratungen im Bauausschuss der Stadtvertretung). Letztlich ist nach der rein bürokratischen Vereinbarung zwischen Bundesland und Stadt, die wenige Tage vor der Landtagswahl 2021 stattfand, eineinhalb Jahre nichts passiert. (Stand Anfang 2023)
Das Land Mecklenburg-Vorpommern geht davon aus, dass teilweise auch 2027 nicht alle Gewässer des Landes den vorgeschriebenen Zustand erreichen. Es bleibt für den Zierker See zu hoffen, dass der Zeitdruck und die finanziellen Mittel aus EU und Bund in den nächsten Jahren das erreichen, was Stadt und Bundesland in den letzten 30 Jahren nur unzureichend geschafft haben.
Trotz der Umweltprobleme bietet der See einen schönen Anblick. Außerdem bekommt man keine gesundheitlichen Probleme wenn man doch einmal ins Wasser fällt.
Diesen Beitrag habe ich am 27.5.2021 veröffentlicht und zuletzt am 17.3.2023 aktualisiert.