Autor: Robert

  • Die Vertretung von Neustrelitz im Landtag

    Die Vertretung von Neustrelitz im Landtag

    Die Stadt Neustrelitz wird politisch auf mehreren unterschiedlichen Ebenen vertreten. Zum Einen gibt es Abgeordnete im Landtag in Schwerin. Die Vertretung im Bundestag in Berlin ist eine weitere Ebene. Man kann bis ins EU-Parlament gehen.

    Wer vertritt Neustrelitz im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern?

    Neustrelitz liegt im Landtagswahlkreis Nr. 21.

    Zur Zeit wird das Direktmandat im Landtag von Andreas Butzki (SPD) gehalten. Link zur Seite des Landtages.

    Bereits seit 1990 sitzt er in der Stadtvertretung von Neustrelitz. Seit 2011 im Landtag und seit 2014 im Kreistag. Daneben sitzt er in diversen Aufsichtsräten, Beiräten, Vereinen und Verbänden.

    Wahlwerbung zur Landtagswahl 2021 Andreas Butzki

    In welchem Landtagswahlkreis liegt Neustrelitz?

    Neustrelitz liegt im Wahlkreis 21 mit dem Namen „Mecklenburgische Seenplatte IV“. Er umfasst die Stadt Neustrelitz, die Gemeinde Feldberger Seenlandschaft, das Amt Mecklenburgische Kleinseenplatte und das Amt Neustrelitz-Land.

    Zu den Landtagswahlen 2021

    Wer waren die Direktkandidaten zur Landtagswahl 2021?

    Andreas Butzki – SPD
    Mitglied des Landtags seit 2011, ursprünglicher Beruf: Lehrer und Schulleiter, 61 Jahre
    https://www.andreas-butzki.de/

    Andrea Apmann – CDU
    berufstätige Mutter von 3 Kindern in Neustrelitz, 54 Jahre
    https://www.andrea-apmann.de/

    Horst Förster – AfD
    Mitglied des Landtages, ehemaliger Richter (ist über die Landesliste in den Landtag eingezogen)

    Martin Henze – Linkspartei
    Notfallsanitäter beim DRK, Hobbyimker, 40 Jahre

    Friederike Fiß – Grüne
    Ärztin, Ortsverbandssprecherin der Neustrelitzer GRÜNEN, 33 Jahre

    Direktkandidaten der FDP: Christoph Stitz, Freie Wähler: Thomas Pfitzner, dieBasis: Johanna Otte

    Dazu sitzt Torsten Kopelin (Linkspartei), der in Neustrelitz sein Wahlkreisbüro hat, im Schweriner Landtag. Er ist über die Linkspartei-Landesliste eingezogen.


  • Restaurierung der Orangerie

    Restaurierung der Orangerie

    Das Projekt

    Im Rahmen der denkmalgerechten Wiederherstellung des gesamten Schlossgarten-Areals wird auch die Orangerie instandgesetzt. Das Gebäude war ursprünglich eine Orangerie, ist aber vor nun etwa 180 Jahren zu einer Art Sommerresidenz und Veranstaltungsort umgebaut worden. Die Räume sind in den Zeiten des Großherzogtums besonders reich ausgestattet. In heutigen Zeiten ist es Restaurant und immer noch Veranstaltungsort.

    Die auffälligste Veränderung ist die Entfernung eines Anbaus, der in den 1970ern benötigt wurde. Dadurch erhält das Gebäude seine historische Form wieder. Die Form, die sich der Baumeister beim Umbau der alten Orangerie erdacht hat, denn auch die Nutzung ist heute ähnlich. Mit dem Unterschied, dass der Ort nicht nur der herzoglichen Familie und ihren Gästen vorbehalten ist, sondern für Jedermann.

    Zur Sanierung im Inneren lässt sich sagen, dass sie sehr umfangreich ist. Fotos aus dem Inneren lassen kaum erkennen, welches Gebäude es ist. Der Boden wird komplett ersetzt. Wände und Decken sind umkleidet, damit sie keinen Schaden nehmen. Skulpturen wurden nach Berlin zur Restauration geschickt. Andere sind in Neubrandenburg eingelagert.

    TrägerLand Mecklenburg-Vorpommern
    (Kostenschätzungen mehrfach erhöht, Stand Ende 2023 wird mit 10 Millionen Euro gerechnet, fast alle Kosten werden durch einen EU-Fonds finanziert)
    Standim Bau
    Baubeginn2020
    Ende der BauarbeitenAnfang 2024 (Abschluss der Arbeiten mehrfach verschoben)

    Eindrücke

    Rückseite im Juni 2020, schon mit Bauzaun
    Vorplatz zur Stadtseite. Juni 2020
    April 2021
    April 2021, abgerissener Anbau aus den 70ern
  • Meinung zum Projekt Schwimmhalle Neustrelitz

    Meinung zum Projekt Schwimmhalle Neustrelitz

    Symbolbild Schwimmhalle

    Dies ist mein Beitrag zur Diskussion um den möglichen Bau einer Schwimmhalle in Neustrelitz. Den Artikel, der das Projekt und seinen Stand beschreibt gibt es hier in meinem Neustrelitz-Monitor.

    Eine große Sache für eine kleine Stadt

    An Anklam, Neubrandenburg, Dargun und Waren sieht man, dass die Idee eine Schwimmhalle zu bauen zur Zeit nicht außergewöhnlich oder innovativ ist. Trotzdem beschäftigt das Projekt die Neustrelitzer Stadtpolitik bereits und wird sie auch in Zukunft intensiv in Beschlag nehmen. Es sind jahrelange Diskussionen um Standorte, Machbarkeitsstudien, Kosten und Fördermittel zu erwarten, denn das Projekt ist nicht klein. Es geht hier um voraussichtlich ca. 10 Millionen Euro Baukosten und man dürfte dauerhaft hunderttausende Euro jährlich Kosten für den Stadthaushalt erwarten.

    Es spricht nichts dagegen die Machbarkeit einer funktionalen Schwimmhalle für Vereine, Institutionen oder Schulen zu prüfen. Aber mir scheint, dass es hier nicht nur um Sachfragen geht.

    abgeguckt?

    In Anklam und Neubrandenburg braucht es Ersatz für eine bestehende alte Schwimmhalle. Der Bedarf ist also da und der Betrieb erprobt. Die Träger der Halle wechseln einfach nur Gebäude und Standort. Dargun und Waren liegen aber anders. In Dargun mit seinen knapp 5.000 Einwohnern wollte man wissen, ob eine kleine Schwimmhalle möglich wäre. Die Kosten waren aber zu hoch. In Waren gibt es bisher auch keine Vereins- und Schulschwimmhalle, aber mit der Müritztherme in Röbel eine nahe gelegene Alternative.

    Was ist wohl der Grund dafür, dass der Schwimmhallen-Bau in der näheren und weiteren Umgebung von Neustrelitz gerade Konjunktur hat? Warum erfolgt das alles zeitgleich in den letzten Jahren? Gibt es eine gegenseitige Inspiration – oder anders ausgedrückt: Machen Viele das Gleiche, weil nichts Besseres für die Stadtentwicklung einfällt?

    Nachvollziehbar sind Ersatzinvestitionen für Hallen aus den 1960ern bis 1980ern. Die werden jetzt, etwa 30-40 Jahre später eben sanierungsbedürftig. Ein weiteres Beispiel dafür ist die Rostocker Eis- und Schwimmhalle (Oktober 2020 Neubaupläne).

    Nutzen

    Dort, wo sich eine Stadt zum ersten Mal überhaupt eine städtische Schwimmhalle zulegen möchte sieht die Sache aber anders aus. Es stellt sich die Frage, ob es plötzlich neuen Bedarf gibt oder ob ein schon lange bestehender Bedarf jahrelang ignoriert wurde.

    In Neustrelitz wird von den Befürwortern argumentiert, dass ein Ort für Vereins- oder Schulsport schon lange benötigt wird. Warum wurde dann aber der Antrag erst Anfang 2019 gestellt? Die potenziellen Nutzer wie Schulen oder Wassersportler gibt es nicht erst seit Kurzem. Zumal in der Seenplatte die Städte vor Jahrzehnten mehr Einwohner hatten und die Betriebskosten für so eine Halle heute kaum günstiger sein werden als vor 5 oder 10 Jahren. Was hat sich also im Vergleich zu den Vorjahren geändert, außer dass in mehreren anderen Städten Schwimmhallen diskutiert und geplant wurden?

    Fördermittel?

    Vielleicht hat die Welt der Fördermittel-Programme aus Land, Bund und EU hat etwas hervorgebracht, was man für Schwimmhallen einsetzen kann. Man liest von 45-90% Förderung der Bausumme. Jedoch habe ich in der Presse von keiner besonderen MV-Landesförderung für Schwimmhallen gelesen.

    Auf Bundesebene wurde erst im Februar 2020 ein milliardenschweres Programm zur Sanierung von Sportstätten, insbesondere Hallen- und Freibäder angekündigt. Der Grund ist das Hallen- und Freibadsterben. Laut DLRG schließen jährlich etwa 80 Hallen- und Freibäder in Deutschland. Woanders ist meist der Erhalt von bestehenden städtischen Schwimmhallen das Thema. Nach einer kurzen Recherche sieht man, dass deutschlandweit Schwimmhallen-Neubauten üblicherweise Ersatz für bestehende Gebäude sind.

    Ein passendes Vorbild bei den Kosten?

    Fördermittel und Baukosten sind für mich aber gar nicht das Ausschlaggebende. Was wirklich im Fokus liegen sollte sind die jährlichen Zuschüsse, die die Stadt aus dem Haushalt bestreiten müsste. Eintrittsgelder reichen für den laufenden Betrieb einer Schwimmhalle jedenfalls nicht aus.

    Für Neustrelitz habe ich den Zuschuss geschätzt. Zugegeben grob laienhaft, aber ausgehend von realen Zahlen der Kostenanalysen von Dargun und Waren.

    In Dargun wurden 220.000 € als städtischer Zuschuss erwartet, für eine kleine Halle. In Waren würden für die kleine Variante Betriebskosten von 750.000€ anfallen, während Einnahmen von 250.000€ erwartet werden. Der Rest wäre ein Zuschuss durch die Stadt Waren von 500.000€. Beides sind zeitlich aktuelle Schätzungen und Preisniveau und technischer Standard dürften gleich sein. Deshalb nehme ich an, dass auch in Neustrelitz ein Zuschuss von etwa einer halben Million € jedes Jahr realistisch ist.

    Darauf kommen dann natürlich noch ein paar hunderttausend Euro an Kredittilgung für den Eigenanteil der Stadt. Und darauf wiederum Nutzungsgebühren für die Vereine und Eintritt für die Neustrelitzer Bürger ganz direkt.

    Zum Vergleich: Eine halbe Million Euro ist die Hälfte von dem, was die Stadt für den Betrieb des Theaters ausgibt.

    Die politische Dimension

    Der Antrag wurde durch die SPD-Fraktion eingebracht, unterstützt durch Grüne, FDP und PulS. Zum ersten Mal zur Sprache kam er Anfang 2019. Im Mai 2019 waren Kommunalwahlen in MV und gleichzeitig stand die SPD in den Umfragen auf einem Tiefstand. Ich kann nur spekulieren, aber auf mich wirkt die Schwimmhallen-Idee wie ein schnelles Wahlkampfversprechen. Das Thema ist ja sehr wahlkampftauglich. Welcher Bürger wäre schon dagegen eine nahegelegene Schwimmhalle nutzen zu können? Mit einem Hinweis auf die Kosten im Stadthaushalt lässt sich schwer dagegenhalten. Die sind nun mal abstrakt.

    In der Beschlussvorlage für die Stadtvertretung wird auf Anklam als Vorbild verwiesen. Mit einem dortigen Zuschuss von knapp 100.000€. Wie bereits erwähnt geht es in Anklam um Ersatz eines Schwimmhallen-Gebäudes, während sich sonst nicht viel ändert. Ich halte Dargun und Waren für den besseren Vergleich, denn wie in Neustrelitz geht es darum Gebäude + Träger- und Nutzungskonzept völlig neu zu erschaffen. Diesen Aspekt konnte ich in der Beschlussvorlage nicht lesen.

    Allein, dass die Machbarkeitsstudie im deutlich kleineren Dargun mit einer kleinen Schwimmhalle einen Zuschuss von 220.000€ verursachen würde, sollte stutzig machen. Immerhin aber wurde derjenige, der 2016 mit der Idee einer Schwimmhalle Wahlkampf gemacht hat, am Ende Darguner Bürgermeister.

    Fazit

    Ob nun kurzsichtiges Wahlversprechen oder nicht. Die Idee einer Schwimmhalle in Neustrelitz ist grundsätzlich positiv. Schwimmen auch im Winter zu ermöglichen steigert die Lebensqualität in der Stadt. Der Nutzen wäre vorhanden und ich bin offen dafür das Projekt weiter zu verfolgen. Die Machbarkeitsstudie solle aber schnell Klarheiten über die Kosten schaffen. Ich erwarte jedoch die gleiche Offenheit für ein mögliches Einstellen des Projektes, wenn sich zeigt, dass die Kosten den Nutzen übersteigen. Oder wenn das gleiche Geld woanders besser eingesetzt ist.

    Mir scheinen die größten Befürworter der Schwimmhalle genau diejenigen zu sein, die sich an anderer Stelle als die größten Skeptiker erweisen. Ich dagegen plädiere für sachliche Argumente.

    Übrigens, ich selbst bin Anfang der 2000er Jahre auch im Sportunterricht in Neustrelitz geschwommen. Im Sommer, in der Badeanstalt am Glammi, was ich auch für heutige Schüler zumutbar halte. Schwimmen habe ich schon vorher in einem anderen See gelernt. Ich gebe also gerne zu, dass ich da bezüglich des Schulsport-Arguments ein wenig voreingenommen bin.

    Klares Wasser im Glambecker See… Sogar im Hochsommer!
  • Schwimmhalle Neustrelitz

    Schwimmhalle Neustrelitz

    Das Projekt

    Es existiert die Idee für den Bau einer Schwimmhalle. In der Stadtvertretung wurde diskutiert und im Oktober 2019 eine Machbarkeitsstudie beschlossen. Mit dieser sollte die Verwaltung die Umsetzbarkeit eines solchen Vorhabens prüfen. Die Studie wurde 2022 veröffentlicht. Aus ihr ging hohe Kosten hervor, weshalb der Bau einer Schwimmhalle in Neustrelitz nicht mehr weiterverfolgt wird.

    In der Frühphase des Projektes wurde bei möglichen Nutzern, also Vereinen, Schulen, Bundespolizei der Bedarf angefragt und ein Standort und ein bzw. mehrere Träger gesucht. Als Standorte wurden der freie Platz neben dem Heizkraftwerk und die freie Fläche Ecke Karbe-Wagner-Straße/ Strelitzer Chaussee vorgeschlagen.

    Es ging dabei um eine rein funktionale Schwimmhalle, in der Sport betrieben wird. Der Vorteil wäre, dass man eine Möglichkeit im Winter hätte, um Bahnen vor Ort zu schwimmen. Die Alternative zum gesamten Projekt ist, dass Sportler im Winter die Schwimmhallen in Neubrandenburg oder zukünftig womöglich Waren nutzen.

    Die Befürworter verwiesen auf Anklam als Vorbild. Dort wurde eine bestehende Schwimmhalle durch einen Neubau ersetzt, doch in Neustrelitz dagegen wäre eine Schwimmhalle eine Neuheit gewesen. Sie sollte hauptsächlich für Schul- und Vereinssport genutzt werden. In der Beschlussvorlage werden die DRK-Wasserwacht, der DLRG, Schulen, Vereine und das Ausbildungszentrum der Bundespolizei genannt, die alle einen Ort für Ihre Schwimmausbildung bräuchten.

    Wer die Schwimmhalle betreiben soll und wie dies geschehen soll, bzw. wer die laufenden Kosten tragen war über die ganze Diskussionsphase unklar. Die Befürworter der Schwimmhalle hatten dazu kein Konzept vorgelegt.

    Status

    BauherrStadt
    StandEingefroren
    (Machbarkeitsstudie ergab zu hohe Kosten)
    Baubeginnnicht absehbar
    Ende der BauarbeitenVergleichswert Anklam: etwa 1,5 Jahre Bauzeit

    Ähnliche Projekte in anderen Städten in MSE und MV

    Während meiner Recherche habe ich bemerkt, dass in der Seenplatte und MV der Neubau von Schwimmhallen zur Zeit im kommunalpolitischen Trend liegt. Die folgenden Projekte sind schon weiter vorangeschritten als in Neustrelitz. Ich stelle sie hier kurz vor, damit man eine Vorstellung davon bekommt, wie Zeit- und Kostenaufwand sein könnten. Auch wenn jede Stadt anders ist kann man hier gewissermaßen auch in die Zukunft sehen.

    Anklam

    Hier gab hier ein Hin und Her zwischen Sanierung der alten Schwimmhalle und einem Ersatzneubau, inlusive einem Streit mit dem Land um Fördermittel. Im Sommer 2018 fiel die Entscheidung für Neubau und im April 2020 wurde ein Bauvertrag abgeschlossen. Die Baukosten betragen 11 Millionen €, nachdem man lange Zeit von 7,5 Millionen ausgegangen ist. Davon werden 90% durch eine Förderung des Landes getragen (eine ungewöhnlich hohe Rate). Der Bau begann im Mai 2020 und die Eröffnung der neuen Schwimmhalle mit ihren acht 25m-Bahnen ist für Ende 2021 geplant.

    Dargun

    Erste Überlegungen für eine kleine Schwimmhalle gab es schon Anfang der 2010er Jahre. 2016 ist ein Bürgermeisterkandidat mit diesem Thema im Wahlkampf angetreten. Er gewann. Ende 2019 ergab eine Machbarkeitsstudie, dass jährlich 220.000 € bezuschusst werden müssten. Diese Kosten wären für Dargun zu hoch. Das Projekt wurde eingestellt.

    Waren

    In Waren wurde für den Schulsport die Schwimmhalle eines Hotels genutzt. Dieses schloss aber im Januar 2015, so dass Forderungen zum Bau einer neuen Schwimmhalle aufkamen. Mitte 2015 wurde durch Stadtvertreter Toralf Schnur ein Bürgerentscheid initiiert. Der fand zwar nicht wie beabsichtigt statt, jedoch war dies der Startpunkt für die spätere Entwicklung. In den darauffolgenden Jahren gab es Auseinandersetzungen um die Durchführung des Bürgerentscheids, Beauftragung der Machbarkeitsstudie und möglichen Alternativen.

    Anfangs gab es nämlich Vorschläge, die Müritztherme in Röbel auch für Schulsport zu nutzen. Lange Zeit bestanden auch Hoffnungen auf ein privates Großprojekt, das ebenfalls eine öffentliche Schwimmhallennutzung ermöglicht hätte. Dieses wäre zwar die wirtschaftlichste Lösung gewesen, es befand sich jedoch ständig in der Schwebe. Anfang 2020 stand dann fest, dass es nicht realisiert werden würde. Die Frage nach dem Bau einer Schwimmhalle lag wieder alleine bei der Stadt Waren.

    Aus einer Machbarkeitsstudie aus dem Herbst 2018 gingen Kostenschätzungen hervor. Je nach Variante (mit 4 oder 6 Bahnen je 25m) werden die Baukosten mit 10 bzw. 13 Millionen € veranschlagt. Die jährlichen Betriebskosten für die Schwimmhalle wären 750.000 € bzw. 850.000 €. Bei geschätzten Einnahmen von 250.000 € kämen also je nach Variante jährlich 500.000 bis 600.000 € als Zuschuss auf den Warener Stadthaushalt zu.

    Im Laufe der Zeit ist von der Ursprungsidee abgewichen. Statt einer funktionalen Schwimmhalle nur für Schul- und Vereinssport, die nicht in Konkurrenz zur Müritztherme in Röbel steht. Es zeichnet sich ab, dass die 6-Bahnen Variante bevorzugt wird und zusätzlich ein Sauna- und Thermalsolebereich kommen soll. Im Februar 2021 wurde eine neue Kostenschätzung veröffentlicht. Außerdem wird ein Standort gesucht. Mit Vorliegen der aktualisierten Studie soll über Fortführung des Projektes entschieden werden.

    Neubrandenburg

    In Neubrandenburg soll ein Neubau eine alte Schwimmhalle ersetzen. Die Ersatzinvestition wird dringend benötigt, weil die bestehende Halle in die Jahre gekommen ist und mittlerweile zu klein ist.

    Ende 2019 wurden bereits Standorte gesprochen, wobei die interessanteste Option der Umbau des denkmalgeschützten Lokschuppen am Hauptbahnhof ist. Die sinnvolle Nutzung des ganzen Ruinen-Areal wäre ein zusätzlicher positiver Effekt für das Stadtbild. Mitte 2020 wurden die Bedingungen für die Machbarkeitsstudie besprochen.

    Dieser Artikel wurde am 6.4.2021 veröffentlicht und am 17.3.2023 aktualisiert.


  • Schrebergarten-Phänomen

    Schrebergarten-Phänomen

    Schrebergärten“ oder „Kleingärten“ sind für manche Ausländer, aber besonders für nichteuropäische erklärungsbedürftig. Davon habe ich nicht nur gelesen, sondern diese Erfahrung auch persönlich gemacht.

    Scheinbar ist es für Beobachter von außen nicht ganz klar, ob es dauerhaft bewohnte kleine Häuser sind oder etwas anderes. Dabei sind keine Wohnungen für Arme und auch nicht einfach Wochenendhäuser. Es steht dahinter ein Phänomen, dass es Mitteleuropa weit verbreitet ist.

    Entwicklung

    Um sie zu verstehen muss man in die Vergangenheit gehen. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert, zur Zeit der Industrialisierung, zogen viele Leute vom Land in die Städte. Diese waren vom schnellen Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum geprägt. Überall entstanden neue Fabriken, die aber das Leben in den Städten schmutzig und unangenehm machten. Zumindest in den Vierteln der Arbeiter. Die Massen von Fabrikarbeitern wollten frische Luft, konnten sich aber keinen Urlaub leisten. Bis auf die Sonn- und Feiertage hatten sie gar keine freien Tage. Die Leute waren auf ihre engen Stadtwohnungen beschränkt. Außerdem wuchs die Bevölkerung sehr stark – das führte auch zu großer Armut. Die Ernährung der Armen war ein Thema.

    Die Lösung waren kleine Gärten, in denen man sich erholen konnte und auch Obst und Gemüse für die eigene Ernährung anbauen konnte. Dafür musste nur eine geringe Miete (Pacht) bezahlt werden. Die einzelnen Gärten waren wie heute noch umzäunt und nebeneinander gestellt. Auf dem Grundstück befinden sich meist kleine Häuschen („Lauben“). Die Kleingärtner organisierten sich in Vereinen. Die Kleingartenanlagen entstanden am Stadtrand. Später, durch das Wachstum der Städte wurden einige aber auch von ihr umschlossen.

    Diese „Kolonien“ oder „Siedlungen“ waren viele nebeneinander liegende Gartenparzellen, mit gleicher Größe, Form und das Ganze war organisiert (in Vereinen). Sie passten also zur Moderne bzw. zur Industrialisierung. Man ist in der Masse aufgegangen – das war eine Entwicklung der Zeit. Gleichzeitig aber auch eine Art Gegenbewegung. Man hat ein Stück gesundes Landleben in der Industriestadt bekommen.

    In der Mitte des 20. Jahrhunderts waren sie auch noch mal wichtig. Vor Allem nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Wohnungen knapp waren, durch Zuzug und Zerstörung, wurden manche Gärten auch dauerhaft genutzt. Die Phase des Wiederaufbaus war von großen Gebäuden für viele Bewohner geprägt. Auch da gab es ein Bedürfnis nach ein wenig Natur in der Großstadt…

    Mit der Entwicklung der Wirtschaft/Gesellschaft und erweiterten Möglichkeiten wurden die Satzungen der Vereine immer wichtiger, denn mit der Individualisierung bestand auch die Gefahr, dass jeder sein eigenes Ding macht. Durch den Verlust der Gleichheit bestand die Gefahr, dass der Charakter der Siedlungen verloren geht. Dadurch werden die Satzungen streng durchgesetzt. Es mutet heute manchmal absurd kleinlich an die ganzen Regelungen durchzusetzen und aufrecht zu erhalten – Höhe von Hecken (damit man sich nicht abschottet…) und der Zwang Gemüse anzubauen (um den Charakter zu halten).

    Die Bezeichnung „Schreber“-Gärten und andere Namen

    „Schreber-“ kommt vom einem Arzt aus Leipzig, „Moritz Schreber“. Der hat Mitte des 19. Jahrhunderts eigentlich allgemein mit körperlicher Betätigung im Sinne der Gesundheit zu tun gehabt. Erst nach seinem Tod entwickelte sich aus seinen Ideen das Konzept des Schrebergartens. Kleingärten etc. Auch manchmal Datscha?

    Gartenlaube -> das Haus darauf, manchmal aber auch Synonym zum Kleingarten.

    Regeln

    • Kleingärten werden üblicherweise verpachtet und nicht verkauft.
    • man muss in einen Kleingartenverein eintreten. Dieser stellt Regeln auf
    • Man darf nicht dauerhaft darin wohnen.
    • Es gibt genaue Vorschriften wie groß das Garten-Haus ist, das man bauen darf.
    • auch ist oft vorgegeben wie viel Fläche mindestens mit Gemüse angepflanzt werden darf. Auch die Höhe der Hecken ist streng geregelt.

    Manche Siedlungen haben sich gewandelt. Die Leute haben (trotz Verbot) ihre Häuser immer mehr ausgebaut, so dass sie eigentlich kleine Wohnhäuser sind.

    Besonderheiten

    Manchmal liegen sie dort wo man überhaupt keine Entspannung vermuten würde: direkt an Bahngleisen oder Schnell-Straßen etc. Ich vermute der Grund der Platzmangel in den Städten.

    Mit Fahnenmasten kann man sich ausdrücken. So sieht man Deutschland-Fahnen oder andere Fahnen mit denen die Leute sich verbunden fühlen.

    Bedrohungen der Kleingarten-Kultur

    Als die bestehenden Kleingärten-Kolonien vor Jahrzehnten gegründet wurden lagen sie meist am Stadtrand. Die Städte sind oft um sie „herumgewachsen“ und liegen oft innerhalb der bebauten Flächen. Siedlungen in solchen Lagen sind heute oft begehrtes Bauland.

    Früher, als Lebensmittel gemessen am Einkommen noch teurer waren hat das Selbst-Anbauen von Gemüse einen Vorteil gebracht. Heute kann man allerdings jedes Gemüse zu günstigen Preisen im Supermarkt kaufen. Auch ohne Gartenarbeit. Das Anbauen von eigenen Lebensmitteln ist heute also nicht mehr nötig, sondern ein Hobby. Es geht hauptsächlich um Erholung in den Gärten. Dadurch geht in manchen Regionen etwas von der ursprünglichen Kleingarten-Kultur verloren.

    Allerdings muss man dabei bedenken, dass diese Kleingarten-Kultur eng mit der beschriebenen Industrialisierung verbunden ist. Die Kleingärten sind also ein Phänomen, das sich langsam wandelt.

    Wie viele gibt es?

    Es gibt in Deutschland fast 1 Million Kleingärten. In Ostdeutschland sind sie auf die Einwohnerzahl gerechnet aber 3 Mal so häufig wie in Westdeutschland. Das hat historische Gründe. Während der Teilung Deutschlands in zwei Staaten wurden in der DDR viele Wohnblöcke gebaut und für deren Einwohner wurden auch gleich Kleingarten-Kolonien angelegt. In den neuen Bundesländern gibt es rund 500 000 Gärten. In den alten Bundesländern genauso viele, obwohl dreimal so viele Menschen dort leben.

    Weitere Infos:

    https://www.gartenhaus-gmbh.de/magazin/schrebergarten-die-10-wichtigsten-zahlen-und-fakten/

  • Kleines Lexikon der Beleidigungen

    Kleines Lexikon der Beleidigungen

    Beleidigungen oder Schimpfwörter – das sind oft die ersten Worte, die man in einer Sprache lernt. Ich bin nicht weit von der deutsch-polnischen Grenze aufgewachsen. Die ersten Worte, die ich auf polnisch gelernt habe waren „Kurwa“ und „spir dalay“. Mit einem türkischen Freund habe ich darüber diskutiert welche Gruppen unter „Kanaken“ bezeichnet werden. Nur Türken, oder auch Araber bzw. Perser?

    Hier möchte ich ein paar geläufige Schimpfwörter bzw. Beleidigungen aufschreiben. Ich selbst benutze so gut wie keine davon. Ich kenne sie aber und schreibe die Wörter ohne Beschönigungen auf.

    Stellt euch vor: Eine Französin, eine Dänin, ein Araber und ein Deutscher sitzen zusammen und tauschen sich über Beleidigungen aus. So bin ich einen Entwurf für dieses Lexikon durchgegangen. Erwachsene Leute haben kein Problem darüber zu sprechen.

    Die Worte sind immer Kontextabhängig. Es gibt welche, die nach dem Wörterbuch neutral sind. Je nach Situation haben sie aber eine abwertende Bedeutung.

    Diese Aufzählung ist rein wissenschaftlich und bildet nur die Realität ab.
    Sie wird von mir subjektiv kommentiert und bewertet.

    Diese Einteilung (Skala) zeigt den „negativen Respekt“ an.

    Schwach Kann man mal benutzen. Ist in der Öffentlichkeit nicht als persönlich zu sehen.
    MittelSchon böse. Menschen könnten daraufhin aggressiv werden.
    StarkJe nachdem wer es hört kann das großen Ärger geben…

    Beleidigungen von Personen bezogen auf:

    Beleidigungen lassen sich in Kategorien einteilen. Übrigens: Ich verwende immer die männliche Form. Es gibt oft nur eine männliche Form des Wortes.

    kognitive Fähigkeiten

    „Idiot“ Man kennt es in vielen Sprachen. Idiotie war ursprünglich ein medizinische Diagnose für Leute mit Denkstörungen. Heute benutzt, um jemanden als dumm zu beleidigen.
    „Depp“ Wie Idiot, aber etwas schwächer. Mit ironischem Unterton kann man auch einem Freund sagen „Du bist ein Depp!“, wenn man ehrlich sagen möchte, dass er etwas dummes getan hat.
    „Trottel“ Betont, dass jemand ungeschickt ist und Fehler macht.
    „Hirni“
    „Knallkopf“, „Knaller“ im Sinne von „sehr auffällig dumm“. Knaller kann auch ironisch positiv sein.
    „Heini“

    soziale Gruppe

    Wort/Varianten Info
    „Horst“, „Vollhorst“ Bezieht sich auf den Vornamen „Horst“, der aus der Mode gekommen ist.
    „Bauer“ (dieses Wort kann neutral oder als Beleidigung genutzt werden). Bezieht sich auf den Beruf Bauer oder Landwirt. Wird im Bezug darauf genutzt, dass Menschen aus ländlichen Gebieten ungebildet seien.
    „Proll“, „Prolet“ Von „Proletarier“, bezieht sich auch auf soziale Gruppen, denen man unterstellt sie seien ungebildet. Anders als beim „Bauer“ hat der Begriff seinen Ursprung bei einfachen Arbeitern (in der Stadt).
    „Bonze“ Genutzt für Menschen in höheren Positionen, um sie als arrogant und weit entfernt vom einfachen Menschen darzustellen. Z.B. „Parteibonze“
    „Schnösel“ Ähnlich wie „Bonze“. Aber eher für einen selbstgefälligen, reichen, arroganten Menschen. In anderen Sprachen: Google übersetzt es ins Englische als „prig“
    „Penner“ Das klassische Schimpfwort für obdachlose Menschen. Von „pennen“, einem umgangssprachlichen Begriff für schlafen. Ein Penner ist jemand, der auf der Straße pennt/schläft. In anderen Sprachen: Google übersetzt es ins Englische als „jerk“
    „Hartzer“ Ein dauerhaft Arbeitsloser. Meist im Kontext von ungebildeten Leuten, die zuhause sitzen, evtl. tagsüber trinken und rauchen. Kommt von „Hartz4“, dem umgangssprachlichen Begriff für das Arbeitslosengeld 2, welches Langzeitarbeitslose zur Unterstützung bekommen. „Einen auf Hartz IV machen“ ist die abfällige Umgangssprache für „Von Hartz 4 leben“. Kann aber auch selbstironisch genutzt werden.

    sonstige Eigenschaften

    Wort/Varianten Info
    „Weichei“ Wie ein weiches Ei… D.h. schwach, ängstlich, also jemand der sich etwas nicht traut. Man kann jemanden sagen „Du bist ein Weichei!“ wenn man jemanden dazu bringen möchte sich etwas zu trauen.
    „Pussy“ auch jemand „weiches“. Weich wie eine Frau, oder besonders weiche Frau
    „Muttersöhnchen“ Jemand Unselbstständiges. Jemand, der davon abhängig davon ist was die Mutter sagt. Gilt für Kinder und auch für erwachsene (Männer).
    „Alki“ Kurzform und Umgangssprache für „Alkoholiker“. Bei unteren soziale Schichten genutzt.
    „Suffkopp“, „Suffi“ Wie „Alki“, aber nicht in allen Regionen genutzter Ausdruck. Bezieht sich auf „Saufen“ als vulgäres Wort für „(Alkohol) trinken“. Aus dem hochdeutschen Sauf-Kopf (was niemand nutzt) wird Suff-Kopp.
    „Schisser“ Jemand, der besonders viel Angst hat. (Jemand, der sich vor Angst „in die Hose scheisst“)
    „Bastard“ Ursprünglich ein unehelich geborenener Sohn. Diese eigentliche Bedeutung spielt heute keine Rolle, denn in der deutschen Mehrheitsgesellschaft sind Kinder, die nicht in einer Ehe geboren wurden nichts moralisch Verwerfliches mehr wie noch vor vielen Jahren. Das Wort wird aber noch benutzt, weil es mit „minderwertig, verkommen, ehrenlos“ verbunden wird.

    Vergleiche mit Tieren

    Wort/Varianten Info
    „Schwein“, „Sau“ Auch als Beleidigung genutzt. Geht auf das Klischee zurück, das Schweine sehr unsauber sind (Was aber tatsächlich nicht stimmt). Mit einer Verbindung mit Schwein oder Sau (weibliches Schwein) damit kann man aus einem neutralen Begriff eine Beleidigung machen: „Bayern-Schweine“ (Fussball, FC Bayern), „Schweine-System“ (meist von Linksextremisten gebraucht)
    „Kuh“ „Kuh“ als schwerfälliges Tier wird auch als Schimpfwort für Frauen benutzt. Oft wird es dann von Frauen für andere Frauen benutzt.
    „Affe“ Wenn man jemand als „leicht Verrückten“ bezeichnen möchte. Kann auch rassistisch genutzt werden, um jemanden zu entmenschlichen.
    „Ratte“ Um Jemanden als hinterlistig und schmutzig zu beleidigen.
    „Ungeziefer“ für Gruppen
    „Bulle“ Beleidigung und abfälliges Wort für Polizisten. Im Englischen „cop“ oder „pig“
    „Hund“ Vorrangig durch türkisch/arabische Migranten benutzt. „Du Hund!“
    (falsche) „Schlange“ eine hinterlistige Frau
    „Brillenschlange“ hauptsächlich durch Kinder benutzt, um andere Kinder abzuwerten, die eine Brille tragen
    (Köter) „Köter“ ist eine „Beleidigung“ für Hunde. Für Menschen wird sie üblicherweise nicht genutzt.

    Sau-…, aber auch Schweine-… sind Verstärker, also positiv oder negativ (saugeil, saugut, schweinekalt, saukalt)

    Sexualität

    Wort/Varianten Info
    „Wichser“
    „Schlampe“, „Nutte“, Hure
    „Hurensohn“
    „Fotze“ abfällige Bezeichnung für das primäre weibliche Geschlechtsorgan, das auch als starkes Beleidigung für die ganze Frau genutzt wird.
    „Tunte“, „Homo“, „schwul“ verliert langsam beleidigenden Charakter
    „Schwuchtel“ abfällige Bezeichnung für Schwule/ homosexuelle Männer. Wird allerdings oft auch für nicht-homosexuelle Männer benutzt und hat eine ähnliche Bedeutung wie „Weichei“ oder „Pussy“
    „Arschficker“ besonders abfällige Bezeichnung für Schwule/ homosexuelle Männer.

    Schmutz / Fäkalien

    Wort/Varianten Info
    „Arsch“, „Arschloch“ eine häufig benutzte Standard-Beleidigung, die auf den Vergleich mit dem „schmutzigsten“ Körperteil abziehlt
    Scheiße, bzw. Scheiß-„…“ Als direkte Beleidigung nutzt man Stück, also: „Du Stück Scheiße!“. Man nutzt es auch als Adjektiv, also „Du bist scheiße!“ oder „XY ist scheiße“. Man kann auch etwas beliebiges als „Scheiß-…“ bezeichnen. Oft auch als Zusammensetzung mit normalen Worten. Beispiel 1: „Auto“ ist ein neutrales Wort. Mit „Scheiß-Auto“ drückt man aus, dass es ein schlechtes Auto ist. Beispiel 2: „Ausländer“ oder „Deutscher“ ist auch neutral. Wenn man „Scheiß-Ausländer“ oder „Scheiß-Deutscher“ sagt, dann beleidigt die Herkunft. (siehe dazu die nächste Kategorie)
    Drecks… selbes Prinzip wie „Scheiß…“ (Drecks…) Verstärkung wie Sau/Schwein Für …Schlampe, …sau, …schwein Beispiel: Drecksfotze. Aber auch Dinge wie „Drecksauto“, „Dreckstür“, Dreckssoftware etc.
    Mist, Mist…, Miststück „Mist“ ist funktioniert genauso wie Dreck oder Scheiß. Ist aber etwas schwächer. Sehr verbreitet ist das Wort „Miststück“ – eine typische Beleidigung von Frauen für Frauen.

    Herkunft / Ethnie / Rasse

    Wort/Varianten Info
    „Kanake“ Beleidigung für Einwanderer aus dem vorderasiatischen Raum, besonders für Türken in Deutschland. Wird von Türken aber auch als identitätsstiftende Selbstbezeichnung benutzt (ähnlich wie „Nigger“ in den USA). Das Wort hat seinen Ursprung als Selbst-Bezeichnung von Südsee-Völkern und ist wohl durch die europäische Kolonisierung dort nach Europa gekommen. Wie das Wort genau verbreitet wurde und wie es zur Beleidigung wurde ist unbekannt.
    „Kartoffel“ / „Hans“ Deutsche (von Türken und Türkeistämmigen für Urdeutsche benutzt)
    „Alman“ Ähnlich wie „Kartoffel“ / „Hans“. Bedeutet eigentlich nur „Deutscher“ auf türkisch bzw. arabisch. Es wird von Türken, Türkeistämmigen und Arabern aber auch so benutzt, dass Urdeutsche abfällig/verächtlich/respektlos benannt werden. In den letzten Jahren wird er aber manchmal auch von Deutschen ohne Migrationshintergrund genutzt, um eine bestimmte Gruppe von Deutschen zu bezeichnen. Für „verweichlichte, über-tolerante, nette Deutsche, die sich nicht wehren, wenn man sie angreift oder beleidigt“. Also die Gruppe, die tatsächlich dem Klischee entspricht, das viele Einwanderer aus dem Nahen und Mittleren Osten von Deutschen haben.
    „Bimbo“ für Schwarze, „Nigger“ als englisches Wort ist selten. Das Wort „Neger“ (engl. „negro“) ist schwer zu beurteilen. Es erlebt gerade einen Wandel. Früher allgemein und heute bei einem Teil der Bevölkerung (meist Ältere) ist es nicht als Beleidigung gemeint, sondern (wenn auch leicht abfällig) als Wort für Schwarze. Mehr und mehr wird es aber als Beleidigung definiert.
    „Jude“ Neutrales Wort, das als Schimpfwort benutzt werden kann. „hinterhältig“, sehr politisch unkorrekt. Wird aber noch benutzt, oft von Türken/Arabern oder Staatsbürgern mit arabisch/türkischem Hintergrund
    „Nazi“ eigentlich für Neonazis und Rechtsextreme, wird aber oft benutzt um jemanden zu diffamieren oder anzuschuldigen. Unterstellung von Rassismus (von Europäern)
    „Polacke“ für Polen
    „Schlitzauge“ für Asiaten. Daneben gibt noch das Wort „Fidschi“, das in Ostdeutschland genutzt wird.
    „Spaghetti“ / „Itacker“ Italiener
    „Froschfresser“, „Franzacke“ Franzosen
    „Schluchtenscheisser“ Österreicher
    „Piefke“ In Österreich ein beleidigender Ausdruck für Deutsche. („Piefke“ war ein deutscher Komponist?!)
    „Saupreiß“ In Bayern für alle Nicht-bayerischen Deutschen. Früher ernst, heute eher ironisch
    „Gelbfüssler“ für Baden-Würtemberger (nur Badener?) -> historischer Ursprung. Heute aber keine starke Beleidigung.

    Behinderungen und Aussehen

    Wort/Varianten Info
    „Krüppel“
    „Mongo“ bezieht sich ursprünglich auf das Down-Syndrom, das bis in die 1960er „Mongolismus“ genannt wurde
    „Spast“, „Spasti“ Aus dem medizinischen Bereich: Spastik/Spastiker (Gehirn oder Rückenmarksschädigung). Diese Bedeutung ist aber kaum noch bekannt. Das Spast oder Spastiker wird wie das Wort „Idiot“ genutzt
    „behindert“ Neutrales Wort, das als Schimpfwort benutzt werden kann. „Du bist doch behindert!“
    „Missgeburt“ selbsterklärend?
    „hässlich“ selbsterklärend
    „Hackfresse“ bezieht sich auf ein hässliches Gesicht (Fresse, vulgäres Wort für Mund)
    „Fettwanst“, „fett“ auf Aussehen bezogen, „fette Kuh“

    Ursprünglich religiöse Wörter und Sonstiges

    Wort/Varianten Info
    „Sack“
    „Teufel“ religiöser Ursprung, heute veraltet
    „Gesochs“, „Pack“, „Abschaum“ für Gruppen

    Es gibt noch so viele mehr, aber für die einen bin ich zu alt, andere sind regional und andere habe ich noch nie gehört.

    Beleidigende Ausdrücke

    Die Beleidigungen, die ich hier aufgezählt habe werden genutzt, indem man sagt dass jemand … ist. Genauso wie für Menschen gilt das auch für Tiere und Dinge.

    Z.B. „Du bist ein Arschloch!“

    Daneben gibt es noch „beleidigende Ausdrücke“

    • „Fick dich!“ (Kurzform von „Fick dich selbst!“) -> Wie das englische „Fuck you!“ (auch die Englische Version wird in Deutschland genutzt, gefühlt noch häufiger)
    • „Ich ficke Dich!“, „Ich ficke… deine Mutter/Freunde/etc.!“, so wie „Ich mache dich fertig!“-> im Sinne von jemanden etwas Schlechtes antun (z.B. schlagen)
      -> hier gibt es aber unzählige Ausdrücke, die das gleiche meinen, die aber mehr oder weniger vulgär sind
    • „Verpiss Dich!“ -> vulgär für „Geh weg!“ oder „Verschwinde!“. Wenn man über andere redet („Er hat sich verpisst“) dann bedeutet dass, dass die Person sich still/heimlich/aus Angst entfernt hat. (Dieser Ausdruck kommt aus der Militärsprache -> dazu mehr in einem anderen Beitrag), Englisch „piss off!“

    Straftatbestände, Urteile und Strafen

    Beleidigung (von Einzelpersonen)
    (Paragraf 185 des Strafgesetzbuches)
    In diesem Paragrafen steht nicht viel, auch wird dort nicht definiert was eine Beleidigung ist. Man kann es erkennen wenn man sich Gerichtsurteile ansieht. Ob etwas eine Beleidigung ist (oder nicht) wird also vor Gericht, von Richtern festgestellt. Wer sich beleidigt fühlt muss also erst einmal eine Anzeige erstatten.
    Der Paragraf 185 StGb besagt, dass eine festgestellte Beleidigung mit Gefängnis bis maximal einem Jahr oder mit einer Geldstrafe bestraft werden muss. Wenn bei einer Beleidigung auch eine körperliche Handlung (Ohrfeige, Anspucken etc.) dazukommt wird das Strafmaß höher. Dann sind es maximal 2 Jahre Gefängnis. (Eine Strafe wegen Beleidigung läuft aber immer auf eine Geldstrafe hinaus, ich habe noch nie von einer Gefängnisstrafe wegen Beleidigung gehört)

    Volksverhetzung (Beleidigung von „Minderheiten“)
    (Paragraf 130 des Strafgesetzbuches)
    Gegen Beleidigung von Personen und ganze Bevölkerungsgruppen (Herkunft, Rasse, Ethnie, Religion). Zum Beispiel wenn jemand alle Schwarzafrikaner beleidigt.
    Der Artikel bezieht sich aber ausdrücklich auf Minderheiten-Gruppen. Deutsche fallen nicht darunter, so dass der Paragraf auch kritisiert wird. Es gibt zum Beispiel ein Gerichtsurteil in dem gesagt wird, dass eine Beleidigung von Deutschen nicht unter diesen Artikel fallen kann. Im „Köterrasse“-Fall hat ein Türkeistämmiger in einem Twitter-Post alle Deutschen als „Hundeclan“/“Köterrasse“ (anders gesprochen Rasse von dreckigen Hunden) bezeichnet. Dies wurde in Hamburg nicht als „Volksverhetzung“ gewertet. Würde aber ein Deutscher türkischstämmige Bürger so beleidigen, also im umgekehrten Fall wäre es eine Straftat.

    Zusätzlich werden damit positiver oder relativierende Äußerungen zu bestimmten Verbrechen im Nationalsozialismus (1933-1945) abgedeckt. So auch, wenn man den Holocaust leugnet – d.h. zu behaupten dass er nicht stattgefunden hat. Viele Straftaten bezüglich dieses Paragrafen beziehen sich auf dieses Themenfeld.

    Ausdruck von Ärger

    „Scheiße!“, „Verdammt!“, „Mist!“, „So ein Scheiß…“ sind Ausdruck von Ärger. Sie sind keine Beleidigungen gegen Personen, sondern so etwas wie „Beleidigungen von Situationen oder Dingen“.

    „Verflixt!“ oder „Kruzifix!“ sind Beispiele für Ausdrücke, die heute veraltet sind. Sie werden meistens nur noch ironisch benutzt.

    Diese Ausdrücke führen uns aber schon in ein anderes Thema. Das allgemeine Thema der „vulgären Sprache“. Dies werde ich aber in einem anderen Beitrag behandeln.

  • Wanderung nach Rimpar mit Schloss

    Wanderung nach Rimpar mit Schloss

    Wander- und Sightseeing-Ausflug nach Rimpar, etwa 8 km nördlich von Würzburg. Ich möchte zu dieser Tour in die ländliche Umgebung einladen. Meine Idee ist eine kleinere Gruppe von max. 10 Leute, aber es wird kein Problem sein, wenn wir mehr sind.

    Der Plan

    • Spaziergang durch die Landschaft nach Norden nach Würzburg zum Ort Rimpar
    • Wenn gewünscht, essen wir ein kleines Mittagessen in einem lokalen Restaurant
    • Wir werden die das Schloss von Rimpar besuchen (eventuell mit Führung), es gibt auch einige nette kleine Museen, die nur jeden zweiten Sonntag für 2 Stunden geöffnet sind (freier Eintritt, ehrenamtlich geführt)
    • berühmtes Altarbild des Würzburger Bildhauers Tilman Riemenschneider in der ehemaligen Klosterkirche in Maidbronn
    • auf dem Rückweg vorbei an einem Schlachtfeld der Napoleonischen Kriege

    Das Schloss von Rimpar hat eine fast 700-jährige Geschichte mit einer engen (manchmal blutigen) Beziehung zu Würzburg. Sie haben vielleicht noch nie von Rimpar gehört, aber vielleicht haben Sie schon einmal den Namen der berühmtesten Auswanderer aus Rimpar gehört: die 3 Lehman-Brüder. Sie gründeten im 19. Jahrhundert eine Bank in den Vereinigten Staaten. Diese Bank brach im Jahr 2008 zusammen und löste eine globale Finanzkrise aus: Lehman Brothers Inc.

    Wo?Startpunkt und Endpunkt ist am Haupteingang Würzburg Hauptbahnhof
    Wann?Nach Absprache, meist am Wochenende, Empfohlen Sonntag.
    Beginn vor Mittag, Rückkehr am Nachmittag (z.B. 10 – 16 Uhr)
    Wieviel kostet es?Keine weiteren Kosten. Wenn im Schloss eine Führung stattfindet dann kostet diese 2-3€
    Warum mit Mir?Ich kenne die Wegstrecke gut und war bereits mehrmals im Schloss und den Museen darin.
    Einmal habe ich die Schlossführung auch „simultan“ auf englisch übersetzt.

    Dieses Angebot ist nicht mehr aktuell. Touren, die ich heute anbiete findet man unter:
    seenplatte-guide.de

  • Themenführung Landwirtschaft

    Themenführung Landwirtschaft

    Getreide, Gemüse, Pflanzenöle, Zucker. Jeden einzelnen Tag essen wir. Aber wer hat sich schon einmal die Produktion unserer Grundnahrungsmittel genau angesehen? Die Landwirtschaft ist unsere Lebensgrundlage und prägt den Charakter fast aller Kulturen der Welt. Ich möchte eine kleine Themenführung veranstalten, in der ich Landwirtschaft um Würzburg zeige, direkt vor Ort. Da die Stadt nicht sehr groß ist, braucht man keine langen Wege. Oft findet man die Äcker direkt am Rand der Wohngebiete. Ich habe mir da einen passenden Ort herausgesucht.

    Ich stamme aus einem kleinen Dorf und habe direkte familiäre Verbindungen zum Beruf des Landwirtes. In meiner Jugend habe ich ab und zu Traktoren über Felder gesteuert und war bei der Geburt von Kälbern anwesend. Ich bin zwar kein Experte, habe aber ein gewisses Grundverständnis für das Thema.

    In der Landwirtschaft gibt es über das ganze Jahr Veränderung. Zu jeder Jahreszeit gibt es andere Schritte der Bodenbearbeitung oder die Pflanzen stehen in einer anderen Wachstumsphase. Vom Pflügen des Ackers, über das Wachsen der jungen Getreidepflanzen, die gelben Blütenmeere des Raps bis hin zu den Wäldern aus Mais und der Ernte gibt es ständig anderes zu entdecken. Deshalb ist diese Tour jedes Mal ein wenig anders. In 2 bis 3 Stunden werden wir an verschiedenen Stationen Halt machen.

    Wo?Treffpunkt ist am Würzburger Hauptbahnhof. Von dort aus gehen wir zu Fuß aus der Stadt.
    Das dauert nicht lange.
    Wann?Am Wochenende oder Nachmittags in der Woche. Auch im Herbst/Winter kann es interessant sein.
    Wie lange?Etwa 2-3 Stunden
    Kosten?keine

    Der Ort an den wir gehen liegt noch im offiziellen Stadtgebiet von Würzburg. Er liegt nördlich der Altstadt. Dadurch führt ein Weg, der sehr beliebt bei Wanderern und Fahrradfahrern ist. Dieser Weg ist ideal, denn hier werden auf kleinen Raum sehr viele Kulturpflanzen angebaut. Nur wenige hundert Meter voneinander entfernt findet man Weizen, Raps, Rüben, Gerste, Mais, Hafer etc.

    Im April fangen die Pflanzen an zu wachsen.
    Im Juni sieht es schon ganz anders aus.

    Dieses Angebot ist nicht mehr aktuell. Touren, die ich heute anbiete findet man unter:
    seenplatte-guide.de

  • Ausflug nach Veitshöchheim

    Ausflug nach Veitshöchheim

    Der Rokkoko-Garten und das kleine aber feine Schloss Veitshöchheim ist eines der beliebtesten Ausflugsziele in der Nähe von Würzburg. Wer die Residenz und den Hofgarten in Würzburg mag, der sollte sich auch einmal die Sommerresidenz der ehemaligen Fürstbischöfe ansehen! Wir fahren mit dem Schiff! Mit den Ausflugsschiffen am Main in der Würzburger Altstadt (ca. 40 Minuten Fahrt). Direkt in Veitshöchheim angekommen gehen wir in den Garten über den ich etwas erzähle und in dem ich meine Lieblingsplätze zeigen werde. Wenn gewünscht können wir auch in das kleine Schloss gehen, das man gegen geringe Gebühr besichtigen kann. Auch die kleine Stadt Veitshöchheim selbst ist sehenswert! Am Ende können wir auch noch in eines der Restaurants oder Biergarten am Main gehen, während wir auf die Rückfahrt mit dem Schiff warten. Der Ausflug startet 12 oder 13 Uhr und endet 16 oder 17 Uhr (am Main im Stadtzentrum, beim Alten Kranen). Mit den Schiffs-Tickets kann man auch schon vorher selbst zurückfahren.

    Wo?Startpunkt und Endpunkt ist in Würzburg am Main, Alter Kranen
    Wann?Nach Absprache, meist am Wochenende, Samstag oder Sonntag.
    Treffen ca. 11:30 Uhr, Rückkehr nach Würzburg: ca. 17-18 Uhr
    Wieviel kostet es?Fahrpreise und Eintritte:
    Schifffahrt (hin- und zurück): 13€ (bei bestimmten Anbieter)
    Eintritt in den Garten ist kostenlos
    Optional: Eintritt in das Schloss: 4,50€ (Normalpreis)
    Warum mit Mir?Diese Tour kann man auch definitiv alleine machen.
    Da ich schon oft dort war kann ich aber auf Dinge aufmerksam machen,
    die dem „normalen“ Besucher nicht auffallen.

    Bei Interesse schreibt mir einfach eine Email.

    Auf dem Schiff

    Dieses Angebot ist nicht mehr aktuell. Touren, die ich heute anbiete findet man unter:
    seenplatte-guide.de

  • Aktien und Aktienkultur

    Aktien und Aktienkultur

    Eine der ersten Fragen, die ich meinem Freund David aus Australien gestellt habe, als ich ihn kennengelernt habe war: „Bei welcher Bank hast du dein Konto?“. Das lag daran, dass ich kurz davor Aktien von Australischen Banken gekauft habe (Ich war tatsächlich Miteigentümer seiner australischen Bank). Wir tauschen uns oft über Aktien, Kryptowährungen und Ähnliches aus. Am Anfang habe ich mit ihm über Konten bei deutschen Banken gesprochen. Dann, mitten im Corona-Börsencrash haben wir über die Chancen für Investitionen gesprochen. Das war der Anstoß hier einmal über Aktien und Aktienkultur in Deutschland zu schreiben.

    Wie funktioniert eine Aktie?

    Unternehmen haben Eigentümer. Wenn das mehrere Eigentümer sind, dann hat jeder einen bestimmten Anteil. Wie die Eigentumsrechte organisiert sind ist sehr unterschiedlich. Unternehmen, die auf Aktien basieren sind eine Möglichkeit davon.

    Aktienunternehmen sind in Tausende oder Millionen Aktien aufgeteilt. Eine Aktie ist also ein (winziger) Anteil am Unternehmen. Sie werden an Börsen gehandelt, können also leicht gekauft und verkauft werden. Und das von jedem (Personen oder andere Unternehmen). Anders als bei anderen Unternehmen braucht man keine aufwändigen Kaufverträge und Absprachen.

    Beispiel: Das Unternehmen X besteht aus 100 Millionen Aktien. (Ein Mensch mit braunen Haaren hat ca. 110.000 Haare auf dem Kopf. Das wären also die Anzahl der Kopfhaare von 909 Menschen)

    Dividende

    Unternehmen haben (wenn es gut läuft) Gewinn. Die Leitung des Unternehmens macht einen Vorschlag wie viel davon an die Aktionäre gezahlt werden soll. Die Aktionäre beschließen gemeinsam ob das Geld an alle ausgeschüttet wird. Das Geld landet direkt auf dem Konto. In Deutschland geschieht das typischerweise einmal im Jahr, etwa April und Mai.

    Beispiel: Man besitzt eine Aktie, die 100€ Wert ist. Die Dividende wird auf 3€ festgelegt. Dann werden auch 3€ auf das eigene Konto ausgezahlt.

    Hauptversammlung

    Meist im Frühling/Sommer finden auch die „Hauptversammlungen“ statt. Es ist wie „das Parlament“ des Unternehmens in dem grundlegende Beschlüsse gefasst werden. Mit jeder Aktie hat man ein Stimmrecht. Dort wird man eingeladen, auch mit nur einer einzigen Aktie. Man kann auch eigene Anträge stellen und kann an den Vorstand Fragen stellen, die sie beantworten müssen. Es ist also eigentlich wie in einem demokratischen Parlament. Mit dem Unterschied, dass nicht jede Person das gleiche Stimmrecht hat, sondern die Person so viele Stimmrechte hat wie sie Aktien besitzt.

    Steuern

    In Deutschland zahlt man Steuern auf Einkommen. Einkommen kann sein: Arbeitslohn/Gehalt, Zinsen, die man erhält oder Dividenden (Kapitalerträge). Die Steuersätze sind unterschiedlich. Wer mehr verdient, der zahlt auch einen höheren Prozentsatz. Bei Kapitalerträgen kann man die Steuer sofort abziehen lassen. Man zahlt dann 25% auf Gewinne und Dividenden.

    Beispiel Gewinn:
    Man kauft eine Aktie für 100€ und verkauft sie später für 120€. Das sind 20€ Gewinn. Davon bezahlt man 25% -> 5€. Es bleiben 15€ übrig.

    Beispiel Dividende:
    Bei 3€ Dividende sind das 0,75€ Steuern. Es bleiben also 2,25€ übrig.

    Bis zu 801€ pro Jahr sind aber steuerfrei. Wer nur wenig investieren kann, der muss somit keine Steuern bezahlen. Hierzu muss man den Freistellungsauftrag bei der Bank angeben. https://www.finanztip.de/freistellungsauftrag/

    Wer 20 Aktien des Unternehmens X hat, der bekommt 20 x 3€ = 60€. Ohne Steuerabzug
    Wer 300 Aktien hat, der bekommt 900€. Er muss auf 99€ Steuern bezahlen (24,75€). Es bleiben 875,25€

    Keine Angst: Man braucht nicht selbst rechnen. Die Bank erledigt das alles für dich!

    Wenn man Aktien von ausländischen Unternehmen hält, dann bezahlt man auch im Ausland Steuern. Das wird automatisch abgezogen. Einen Teil davon kann man wieder bekommen. (Ist kompliziert. Infos hier: https://www.finanztip.de/indexfonds-etf/quellensteuer/)

    Vz. und St.-Aktien

    Bei deutschen Aktien gibt es manchmal für ein Unternehmen zwei Arten von Aktien. Diese haben den Zusatz „Vz.“ oder „St.“

    • „St.“ -> Stammaktien. Diese Aktien haben ein Stimmrecht auf der Hauptversammlung.
    • „Vz“ -> Vorzugsaktien. Wer diese Aktien besitzt, hat kein Stimmrecht auf der Hauptversammlung. Als Ausgleich muss per Gesetz ein wenig mehr Dividende ausgezahlt werden. (Für Kleinanleger sind sie interessanter, weil sie meist viel günstiger sind und Kleinanleger kaum in der Unternehmenspolitik aktiv sein wollen).

    Wie kaufe ich Aktien?

    Man braucht ein Aktiendepot. Die Aktien, die man besitzt sind dort aufgelistet, mit Anzahl, Einkaufspreis, aktuellem Kurs etc. Man kann dort Kauf- und Verkaufsaufträge („Order“) erstellen, mit denen dann Aktien oder andere Wertpapiere gekauft/verkauft werden. Es fallen dabei auch Gebühren an. Für einen Kauf/Verkauf bezahlt man um die 10€. Bei sehr günstigen Anbietern geht es ab 4€ los.

    Man kann das Depot entweder bei einer Bank eröffnen oder eine spezielle Plattform (Online Broker) nutzen.

    Für Empfehlungen bei welcher Bank bzw. Anbieter man es eröffnen sollte kann ich die Website finanztip.de empfehlen: https://www.finanztip.de/wertpapierdepot/ . Finanztip ist eine unabhängige Stiftung für Verbraucherinformationen zu Finanzthemen.

    Fonds: Man kauft Aktien entweder einzeln oder in Fonds. Fonds sind ein Paket von Aktien. Man kauft Anteile an dem Paket. Das hat den Vorteil, dass man an vielen verschiedene Unternehmen Anteile hat. Das senkt das Risiko und man baucht selbst nicht viel Ahnung von den einzelnen Unternehmen. Bei den Fonds sind „ETF“ sehr beliebt, weil dort die Gebühren nicht hoch sind.

    Sparplan: Wenn man automatisch einen bestimmten Geldbetrag investiert, sagen wir jeden Monat 100 €. Man kauft damit z.B. einen ETF zu einem Durchschnittspreis im Laufe der Zeit. Dann geht man nicht das Risiko ein, das Geld zu investieren, wenn der Preis hoch ist. Man braucht sich nicht darum zu kümmern, es läuft automatisch. Man kann einen Sparplan stoppen oder ändern, wenn man es möchte. Es heisst sparplan, weil man ormalerweise einen Plan hat: Z.B. „In 15 Jahren möchte ich einen Betrag von X € investiert haben“. Es gibt auch eine steuerfreie „Hilfe“ von Arbeitgebern dafür (wenn sie ihn anbieten) .Es sind ungefähr 20 € pro Monat. „Vermögenswirksame Leistungen“. Diese sind nur mit einigen ETFs möglich. Und nicht zu vergessen: Es kostet weniger als der monatliche Kauf von ETFs.

    Wie verbreitet ist der Besitz von Aktien in Deutschland?

    Risikoaversion

    Anders als in anderen vergleichbaren Ländern besitzen in Deutschland nur sehr wenige überhaupt Aktien. Das wird einmal auf historische Erfahrungen zurückgeführt: Vermögensverluste während der Hyperinflation in den 1920er Jahren, die Verluste durch den Krieg, an dessen Ende reine Finanzvermögen weniger Stellenwert als Lebensmittel und andere Tauschmittel hatten und durch Verluste in den letzten 20 Jahren. In den 1990ern wurden Staatsunternehmen privatisiert und es wurde dafür geworben dass Privatpersonen darin investierten. So zum Beispiel die Telekom-Aktie. Sehr viele hatten sie gekauft, aber nach dem Platzen der DotCom-Blase (Börsencrash 2000) sind die Aktien gefallen und haben sich seitdem nicht erholt. Das war für viele der Moment als sie begonnen hatten Aktien zu kaufen. Sie haben schlechte Erfahrungen gemacht und danach nie wieder Aktien angefasst. Zur gleichen Zeit hat das Geld auf dem Konto noch mehr Geld gebracht – und das ohne Risiko, als Zinsen. Deutsche sind einfach auf mehr Sicherheit und weniger Risiko bedacht. Renditen sollen garantiert sein, auch wenn sie dafür gering sind.

    Ein anderer Faktor ist, dass der Sozialstaat dermaßen weit ausgebaut ist, dass es lange Zeit gar nicht notwendig war ein privates Geldvermögen für die Altersvorsorge aufzubauen. Die Rente hat immer funktioniert. Der Staat verteilt viel Geld um. Daher muss der Einzelne weniger alleine vorsorgen. Daher war der Bedarf an Aktieninvestitionen lange nicht vorhanden. Erst in den letzten Jahren hat man gemerkt, dass es durch den demografischen Wandel nicht mehr so gut funktioniert. Immer weniger Jüngere müssen für immer mehr Ältere bezahlen. Die Leute haben aber immer noch nicht erkannt wie wichtig z.B. Aktien sind. (Das gleiche Prinzip führt übrigens auch dazu, dass viele Leute zur Miete wohnen und die Wohnung nicht selbst besitzen. Mieter haben in Deutschland vergleichsweise viele Rechte. Daher braucht man nicht eine Eigentumswohnung, um sich vor Willkür von Vermietern zu schützen.)

    Wer besitzt Aktien?

    Aktien werden mit Spekulation und extrem Reichen in Verbindung gebracht. Dabei wird kaum gesehen, dass es einfach nur Anteile an Unternehmen sind. An deren Gewinne kann sich jeder beteiligen.

    Viele deutsche Unternehmen sind sehr erfolgreich und international tätig. Aber von den DAX-Unternehmen haben mehr als die Hälfte ausländische Eigentümer.

    Nur 11% der Deutschen besitzen Aktien. Davon sind die allermeisten Rentner/Pensionäre. Jüngere haben sie kaum, man weiß auch kaum wie es funktioniert.

    Welche Unternehmen basieren auf Aktien?

    Vereinfacht beschrieben sind Unternehmen, die von mehreren Menschen besessen werden „Gesellschaften“. Dabei wird zwischen Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften unterschieden. Eine Kapitalgesellschaft existiert theoretisch unabhängig von den Menschen, die sie besitzen. Es ist eigentlich „ein Haufen Geld, den irgendjemand besitzt“. Unternehmen haben eine Rechtsform, es ist die äußere Form dieses „Geldhaufens“. Aktien geben Unternehmen mit einer bestimmten Rechtsform aus:

    AG
    Die klassische deutsche Rechtsform ist die „Aktiengesellschaft“, abgekürzt AG.

    SE
    Bei sehr großen Unternehmen ist auch die Societas Europaea SE verbreitet. Das ist eine Rechtsform in der EU. Damit ist es besser möglich in den verschiedenen Staaten der EU zu agieren.

    Vergleichbar mit:

    • public limited company (abgekürzt plc) -> UK, Irland (Vodafone plc …)
    • corporations (abgekürzt Inc. oder Corp.) -> USA/Kanada (Apple Inc., Microsoft Corp. …)
    • „Société Anonyme“ (abgekürzt S.A. oder SA) -> Frankreich, Belgien (AXA S.A., L’Oréal S.A. …)

    Beispiele für börsennotierte Unternehmen

    Autohersteller und Zulieferer

    BMW AGgroßer Premiumhersteller
    Daimler AGgroßer Premiumhersteller
    Volkswagen AGder größte Autobauer der Welt

    Immobilien

    Vonovia SEdas größte Immobilien-unternehmen in Deutschland

    Energieversorgung

    E.ON SEEnergiedienstleistungen, erneuerbare Energien und Atomkraftwerke
    RWE AGEnergieversorgungs-unternehmen (Strom und Gas)
    Encavis AGbetreibt Solar- und Windparks

    Telekommunikation

    Deutsche Telekom AGMarktführer in Deutschland
    Telefónica Deutschland Holding AGTochterunternehmen der spanischen Telefónica in Deutschland. Bekannteste Marke ist O2.
    Freenet AGhat auch die Marken mobilcom debitel, gravis, klarmobil etc.

    Chemie

    BASF SEVom Umsatz her das größte Chemieunternehmen der Welt.
    Der Hauptsitz ist in Ludwigshafen am Rhein.
    Dort kann man eine kostenlose Besichtigung auf dem größten Chemie-Produktionsstandort der Welt mitmachen.
    Linde plcEines der weltweit führenden Unternehmen für Industriegase und Anlagen.
    Nach einer Fusion den rechtlichen Sitz in Irland als „plc“

    Konsumgüter

    Adidas AGSportartikel
    Henkel AG & Co. KGAStellt z.B. Waschmittel her. Marken sind z.B. Pritt, Persil, Pril etc.
    Hugo Boss AGKleidung
    Fielmann AGOptiker, Marktführer

    Maschinen, Anlagen, Technologie

    Siemens AGTurbinen, Kraftwerke etc.
    Washtec AGWeltmarktführer für Fahrzeugwaschanlagen
    Nordex SE baut Windkraftanlagen
    Rheinmetall AGbaut Rüstungsgüter wie Panzer

    Banken und Versicherungen

    Allianz SEMarktführer für Versicherungen in Deutschland
    Commerzbank AG

    Verkehr und Logistik

    Deutsche Post AGPaket und Postdienstleistungen. Inklusive DHL
    Lufthansa AGLuftfahrt (Auch GermanWings, EuroWings und andere)
    Fraport AG Flughafenbetreiber

    Sonstiges

    CTS Eventim AG & Co. KGaA Tickets für Konzerte, etc
    Sixt SEMietautos
    HelloFresh SEliefert Zutaten zum Kochen nach Hause
    ProsiebenSat.1 Media SEFernsehsender und Online-Plattformen
    Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaAKommerzieller Teil des Fußballvereins
    Zoologischer Garten Berlin AG
    ISIN: DE0005031801
    Der Zoo Berlin ist eine Aktiengesellschaft. 1844 Gegründet. Er ist der älteste in Deutschland und der neuntälteste in der Welt.

    Börsen und Indizes

    Börsen sind Handelsplätze auf denen Wertpapiere oder auch Rohstoffe gehandelt werden. Das läuft mittlerweile alles elektronisch, über die ganze Welt verteilt. Es gibt aber auch reale Orte, die eine Bedeutung haben. Wie z.B. die Wall Street in New York an der die „New York Stock Exchange“ sitzt. In Deutschland ist der bekannteste Börsenplatz in Frankfurt.

     Aktienindizes zeigen die Entwicklung von vielen einzelnen Aktien an. Mit nur einer Zahl kann man erkennen, ob eine ganze Branche oder Unternehmen eines Landes Wert verlieren oder gewinnen. Der bekannteste ist hier der „Dow Jones Industrial Average“ oder kurz „Dow Jones“ in dem die 30 größten Unternehmen der USA abgebildet sind. In Deutschland ist der „Deutsche Aktien Index“, kurz „DAX“ bekannt. Es gibt aber noch mehr:

    • DAX -> für große Unternehmen
    • MDAX -> für mittlere Unternehmen
    • TecDax -> für Technologieunternehmen
    • SDAX -> für „kleine“ Unternehmen

    Meine persönliche Ansicht zur Bedeutung von Aktien

    Ich selbst habe mir über Jahre ein wenig Wissen aufgebaut und investiere selbst in Aktien. Bei den meisten meiner Beispiele bin ich investiert. Dabei belasse ich es aber bei ganz klassischen Aktienkäufen und beitreibe keine „Wetten“ oder Spekulationen. Ich kaufe Anteile von Unternehmen von deren Geschäft ich überzeugt bin und die eine gute Dividende ausschütten. Ich will dabei langfristig an den Gewinnen beteiligt sein. Es ist gleichzeitig Altersvorsorge und spannendes Hobby zugleich.

    Mit Aktien kann jeder an der globalen Wirtschaft teilhaben. Und zwar nicht nur als Konsument, sondern auch als Produzent. Man braucht nicht ein ganzes Unternehmen oder eine Immobilie kaufen, sondern kann dies in kleinen Einheiten machen. Wenn man zum Beispiel nicht das Geld hat um ein ganzes Haus zu kaufen und zu vermieten, dann kauft man einfach eine Aktie eines Immobilienunternehmens. Das erledigt dann auch die ganze Bürokratie und man erhält Dividenden direkt auf sein Konto. Oder man kann zum Beispiel Aktien von seinem eigenen Mobilfunk-Anbieter kaufen. So kann man das Geld, das man jährlich als Gebühren zahlt wieder als Gewinnausschüttungen zurückerhalten. Man ist damit Kunde seines „eigenen Unternehmens“.

    Aktien sind letztendlich ein Mittel zur Demokratisierung der Wirtschaft. Sie sind perfekt dafür, dass Eigentum und Gewinne nicht in der Hand von wenigen, sondern bei möglichst vielen Menschen liegen.

Consent Management Platform von Real Cookie Banner