Schlagwort: Stadtentwicklung

  • Neue Baugebiete in Neustrelitz

    Neue Baugebiete in Neustrelitz

    Die Umstände passen: Niedrigzinspolitik führt zu günstigen Baukrediten und die Kinder der Baby-Boomer-Generation sind im Hausbau-Alter. Auch in Neustrelitz besteht zur Zeit eine hohe Nachfrage nach Grundstücken für Einfamilienhäuser. Entsprechend den Zielen der Stadtentwicklung möchte die Stadt diesen Bedarf decken und weist deshalb neue Baugebiete aus. Dort können Bauwillige Grundstücke kaufen und bauen. Die folgenden Baugebiete befinden sich aktuell in Planung. Außerdem werfe ich einen Blick darauf wie es überhaupt zur Ausweisung der neuen Baugebiete kommt und blicke kurz in die nähere Zukunft.

    Überblick

    Neues Baugebiet Dr.-Schwentner-Straße

    Hier ist ein Baugebiet mit 25 Grundstücken und einer Straße zur Erschließung in Planung. Es liegt außerhalb des Stadtkerns, zwischen Wohnblöcken, Kleingärten und Baumreihen. Die Innenstadt ist zwar relativ nah, es wirkt hier aber doch etwas abgeschieden. Eine Bebauung mit Eigenheimen und Stadtvillen (zwei Geschosse) wird jedenfalls zur Durchmischung der Dr.-Schwentner-Straße beitragen, denn hier stehen praktisch nur Wohnblöcke.

    Plan neues Baugebiet Dr. Schwentner-Straße Stand Februar 2021
    Plan neues Baugebiet Dr. Schwentner-Straße Stand Februar 2021

    Das Gelände war Teil des „Soldatenstädtchens“, das an die ehemalige große Kaserne grenzte. Hier befanden sich Wohnungen und Einrichtungen für Offiziersfamilien. Zuerst für die Wehrmacht, dann für die Sowjetarmee. Nach der Wende fand sich keine Nutzung. Die Gebäude abgerissen und die Fläche lag lange Zeit brach.

    Die Fläche im Januar 2022

    Bedeutung dieses Baugebietes für die Stadtentwicklung

    Es bedeutet auch ein wenig „natürliche“ Stadtentwicklung. Die Bebauung an der Dr.-Schwentner-Straße ist nämlich „unnatürlich“, also nicht organisch gewachsen. Dass hier mitten in der Landschaft Mehrfamilienhäuser ohne Umfeld stehen ist im wahrsten Sinne des Wortes historisch bedingt. Die großen mehrgeschossigen Gebäude wurden in den 1930ern und in der späten DDR-Zeit in die Nähe der Kaserne und weiteren Militäreinrichtungen gebaut. Die Kaserne und die Anlagen gibt es nicht mehr. Auf diese Flächen wurde teils ein großes Solarfeld, das Krankenhaus und die Umgehungsstraße gebaut. Andere Teile wurden aufgeforstet oder sind einfach Brachland. Die heutigen Gebäude an der Dr.-Schwentner-Straße sind Reste eines ehemaligen riesigen Komplexes aus der Zeit als Neustrelitz Militärstandort war.

    Dr. Schwendtner-Straße Luftbild 1991 (Geoportal MV)
    Dr.-Schwentner-Straße Luftbild 1991 (Quelle: Geoportal MV)
    Dr.-Schwentner-Straße 2021 (Google Maps)
    Dr.-Schwentner-Straße Satellitenbild 2021 (Quelle: Google Maps)

    Dadurch, dass auch Teile der „Randbebauung“ nicht mehr existieren funktioniert die Gegend nicht wie ein eigener Stadtteil (anders als z.B. in Kiefernheide wo man auch einkaufen kann oder in die Schule geht).

    Die Dr.-Schwentner-Straße ist eher eine Randlage und hier stehen ausschließlich Wohnblöcke. Die Mieten sind günstig und ich schätze, dass ein Großteil der Einwohner erst in den 1990ern nach Abzug der Armee hingezogen sind. Zu dieser Zeit war es kein Privileg mehr eine solche Wohnungen zu bekommen. Kurz gesagt: hier finden sich viele Haushalte  mit niedrigem Einkommen. Der Anteil dürfte höher als in Kiefernheide oder an der Rudower Straße sein, wo neben den Blöcken viele andere Wohngebäude, insbesondere Einfamilienhäuser stehen.

    Mit den neuen Eigenheimen an der Dr.-Schwentner-Straße wird nicht architektonische, sondern auch die soziale Durchmischung gefördert.

    Wohnquartier zwischen Höhen- und Karbe-Wagner-Straße

    Dieses neue Wohnquartier liegt zwischen einem bestehenden Wohngebiet, der Walter-Karbe-Schule und dem Fasanerie-Park. Dass das Gelände bisher noch unbebaut ist hat auch etwas mit der ehemaligen militärischen Nutzung der Fläche zu tun. Hier entstehen 15 Eigenheimgrundstücke und es wird auch eine komplett neue Straße benötigt. Der Kaufpreis für die Grundstücke wurde in der Stadtvertretung auf 50€/qm festgelegt, wobei hier noch Erschließungskosten dazukommen. Die Fläche direkt daneben, zur Strelitzer Chaussee hin, ist unter anderem als Platz für eine möglicherweise in der Zukunft zu bauende Schwimmhalle im Gespräch.

    Zur Festlegung eines neuen Straßennamens

    Ein Name für eine neue Straße muss her! Für das „Wohnquartier zwischen Höhen- und Karbe-Wagner-Straße“. Am 21.10. wird die Neustrelitzer Stadtvertretung darüber entscheiden, ob sie „Walter-Gotsmann-Straße“ heißen soll.
    Dieser Herr Gotsmann hat bereits eine Straße in seinem Geburtsort Granzow (Ortsteil von Mirow) und in NB gibt es schon einen „Walter-Gotsmann-Weg“. Zuerst habe ich mir gedacht, dass er damit doch schon ausreichend „versorgt“ ist und es vielleicht noch Persönlichkeiten gibt, nach denen noch keine Straße benannt ist…
    Aber wenn man sich seinen Lebensweg ansieht ist der vor Allem Neustrelitz verbunden. Da scheint es verwunderlich, weshalb woanders schon, aber noch nicht hier eine Straße nach ihm benannt wurde.

    aus meinem facebook-Post vom 13.10.2021

    Neues Baugebiet Schlangenallee

    Auch an der Schlangenallee (einer der interessantesten Straßennamen in Neustrelitz) ist ein Baugebiet in Planung.

    Die andere Straßenseite ist bereits seit längerer Zeit bebaut, so dass für die neu entstehenden 10 Grundstücke keine neuen Versorgungsleitungen verlegt werden müssen.

    Neues Baugebiet Schlangenallee am 14.10.2021
    Neues Baugebiet Schlangenallee am 14.10.2021

    Es handelt sich eigentlich um eine Erweiterung des bestehenden Wohngebietes, welches abseits des Zentrums liegt. Ohne Verbindung mit anderen bewohnten Stadtteilen wirkt es mitten in die Landschaft gesetzt.

    Einer grenzt es direkt an ein Gewerbegebiet, andererseits wird das dadurch ausgeglichen, dass es an den Wald (Kalkhorst) und den entwässerten Wiesen grenzt. Das Wohnumfeld ist hier also vielfältig: Wald, Gewerbegebiet und die Kulturlandschaft um Alt-Strelitz.

    Neues Baugebiet Sandberg/Bollenacker (Erweiterung)

    Der alte Schulsportplatz und weiteres Gelände im Umfeld werden nun als Baugebiet vorbereitet. Damit wird das bestehende Wohngebiet mit Eigenheimen erweitert. Es wird nachverdichtet und damit keine neuen Flächen in Außenbereich verbraucht. Die Nachverdichtung bedeutet hier, dass alte Kleingärten durch Wohnhäuser in Innenstadtnähe ersetzt werden. Das Wohngebiet am Sandberg wächst in alte, aufgegebene Kleingärten und einen ehemaligen Sportplatz hinein.

    „Zudem besteht die dringende Notwendigkeit einer städtebaulichen Ordnung in dem Bereich, da sich die aufgegebenen Gärten zu einem städtebaulichen Missstand entwickeln.“
    (Aus der Stadtverwaltung, Begründung der Änderung des B-Plans)

    bestehender Kleingarten direkt neben einem Neubau
    verlassener, verfallener Kleingarten

    Direkt an der Schule wurde 2020 eine neue Sportanlage gebaut. Dem Wachstum des Baugebietes in die Gärten sind aber Grenzen gesetzt. So sollten eigentlich noch mehr Gärten in Bauland umgewandelt werden, war aber wegen hohem Grundwasserspiegel baulich nicht möglich. In einem anderen Bereich haben sich Eigentümer der jetzigen Gärten dagegen ausgesprochen.

    ehemaliger Sportplatz
    Rest des Sportplatz

    Das städtebauliche Planungsgebiet Zierker Straße/Sandberg (Bebauungsplan Nr. 12/91) vergrößert sich von 11,86 ha auf 14,63 ha, also grob um ein Viertel. Die neuen Bereiche sind kein zusammenhängendes großes Neues Baugebiet, sondern mehrere auseinanderliegende Grundstücke.

    Kern des neuen Baugebietes Sandberg/Bollenacker

    Wie kommen neue Baugebiete eigentlich zustande?

    Der Anstoß für ein neues Baugebiete kommt in der Regel aus dem Amt für Stadt- und Grundstücksplanung. Grundlage dafür ist die erwartete Entwicklung von Bevölkerung und Wohnungsmarkt. Dabei spielen Bevölkerungszahl, Altersstruktur, Leerstand und der Immobilienmarkt eine Rolle.

    Ein neues Baugebiet durchläuft mehrere Phasen. Die Schaffung von Baurecht, Ankauf der Grundstücke, Einholung von Gutachten und die Planung der Erschließung. Dann auch die tatsächliche Erschließung mit Straßen und Versorgungsleitungen und am Ende der Verkauf der Grundstücke. Zwischendurch erfolgen Beschlussfassungen der Stadtvertretung. Auch Bürger können Bedenken und Änderungswünsche äußern. Alles in Allem ist es ein langwieriger bürokratisch-demokratischer Prozess

    Die Stadtverwaltung sucht also geeignete Flächen und schlägt sie vor. Die Entscheidungen treffen jedoch die gewählten Stadtvertreter. Das sind mehrere einzelne Beschlüsse in den verschiedenen Phasen, die bestimmen welche Art Gebäude errichtet werden dürfen, Grundstückaufteilung oder die Festlegung von Preisen. Die tatsächliche Umsetzung und Ausgestaltung sieht dadurch oft anders aus als die Ursprungsidee.

    Für die zukünftigen Bedarfe in Neustrelitz wird zur Zeit eine neue Wohnungsmarktstrategie in Auftrag gegeben.

    Ausblick auf die nähere Zukunft

    Es gibt natürlich interne Überlegungen im Amt, die aber noch nicht spruchreif sind. Die Information der Öffentlichkeit basiert hier auf dem Strelitzer Echo als amtliches Mitteilungsblatt.

    Abzusehen sind aber Erweiterungen von bestehenden Wohngebieten. Meiner Ansicht nach wird das Wohngebiet Sandberg weiter in die zum Teil verfallenden Kleingärten hineinwachsen. Zumindest dort, wo es vom Baugrund her möglich ist. Außerdem ist es für Neustrelitzer kein Geheimnis, dass zwischen Zierker See und Zierker Straße, wo sich gerade alte Betonflächen und Lagerhallen befinden, Baugrundstücke reißenden Absatz finden würden. So schnell ist es aber nicht zu erwarten. Momentan (Februar 2022) steht das Gelände als Lagerfläche und und Lagerhallen zum Verkauf. Hier könnte also ein privater Immobilienentwickler aktiv werden. Zwar ist der Bereich im Flächennutzungsplan der Stadt für Gewerbe ausgewiesen, das ist aber natürlich änderbar.

    Weitere Baugebiete, die durch die Stadt in Vorbereitung sind:

    • Baugebiet in Vorbereitung westlich des Stargarder Ring (12 Grundstücke vorgesehen). Erweiterung des Wohngebiet „Erdbeeracker“
    • Baugebiet in Vorbereitung am Schwarzen Weg (8 Bauplätze vorgesehen)

    Übrigens: An der Wilhelm-Stolte-Straße, gegenüber dem Großen Spiegelberg sind auch neue Eigenheime entstanden. Mit der nochmaligen Erweiterung des Erdbeerackers wächst die bebaute Fläche der Stadt hier „von zwei Seiten zusammen“. Man kann in dem Bereich davon sprechen, dass die letzte große flächenmäßige Lücke zwischen dem Neuen und dem Alten Strelitz baulich geschlossen wird. Das Zusammenwachsen von Strelitz und dem „Neuen Strelitz“ soll schon bei der Gründung des neuen Strelitz vor fast 300 Jahren angedacht gewesen sein.

    Beitrag zuletzt geändert: 14.02.2022

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  • Zierker See: Sanierung und Restaurierung

    Zierker See: Sanierung und Restaurierung

    Das Problem mit dem See

    Der Zierker See prägt Neustrelitz auf verschiedenen Ebenen wesentlich. Nicht nur heute ist es angenehm an einem See zu wohnen. Die natürliche Landschaft hatte dazu beigetragen, dass die Stadt zwischen Zierker und Glambecker See gegründet wurde. Auch beim Wassersport und Tourismus hat die Stadt dem See Einiges zu verdanken.

    Leider hat die Stadt dem See wiederum nicht gut getan. Er ist heute ein Problemfall und weit von einem natürlichen Zustand entfernt. Zwar ist er von Natur aus ein Flachwassersee, jedoch ist die heutige Wassertiefe von durchschnittlich 1,6m eine Folge menschlicher Eingriffe. Auch wenn der Zierker See im natürlichen Zustand trüb und nicht klar ist, ist er heute besonders schlammig. In ihm gibt es zu viele Nährstoffe, das ökologische Gleichgewicht ist gestört. Zum Baden ist der Zierker See seit einigen Jahrzehnten ungeeignet.

    Ursache und Lösung

    Am Anfang der menschlichen Einflüsse stand der Bau des Kammerkanals 1843, der den Seespiegel abgesenkt hat. Später gab es einen zu hohen Nährstoffeintrag. Einerseits durch Düngereinsatz in der Landwirtschaft, andererseits durch städtisches Abwasser. So wurde das Abwasser der Stadt anfangs ungeklärt in den See eingeleitet und erst 1970 gab es erste Maßnahmen an der städtischen Kläranlage. Die Wasserqualität verschlechterte sich jedoch immer weiter.

    Die Stadt versucht diesem Problem der Euthropierung, Nährstoffanreicherung in einem Ökosystem, seit den 1990ern verstärkt zu begegnen. Es soll die Wasserqualität erhöht und der natürliche Zustand wieder hergestellt werden.

    Im kleinen „Hafenbecken“ an der weißen Brücke sieht man es besonders gut

    Was ist Seentherapie?

    Als Seentherapie werden Maßnahmen zur Verbesserung des ökologischen Zustandes von Seen zusammengefasst. Wenn in den Medien über den Zierker See berichtet wird findet man einerseits den Begriff „Sanierung“ und anderseits den Begriff der „Restaurierung“. Laut Wikipedia sind beides Teilgebiete der Seentherapie. Dabei bezeichnet die Sanierung von Seen Maßnahmen außerhalb des Sees, um ihn von schädlichen Einflüssen zu entlasten (z.B. Verbesserungen der städtischen Abwasserklärung). Bei der „Restaurierung“ geht es im Maßnahmen innerhalb des Sees (Bestandsregulierung von bestimmten Pflanzen  und Tieren, Schlamm ausbaggern).

    Dabei macht es Sinn zuerst mit der Sanierung zu beginnen, also zu verhindern, dass überhaupt zu viele Nährstoffe in den See gelangen, bevor man mit der Restaurierung die Folgen beseitigt. Am Zierker See wird beides gemacht, es gibt Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen.

    Maßnahmenüberblick

    bereits erfolgt:

    • Abwasserklärung der Stadt verbessern (Kläranlage, Abwassersystem), damit weniger Nährstoffe eingetragen werden. 1993 wurde eine neue Kläranlage fertiggestellt. 2005 wurde eine Versickerungsanlage für geklärte Abwässer gebaut. Das Kanalnetz wurde saniert und ein Regenrückhaltebecken gebaut.
    • Pflanzen und Fische (biologische Änderungen, Entnahme und Besatz bestimmter Arten). So wurden 2016-2020 Silber- und Marmorkarpfen abgefischt.

    Angedachte Maßnahmen:

    • weitere biologischen Änderungen erfolgen (Entnahme von Schlamm aufwirbelnden Gras- und Silberkarpfen, Einsetzen von wasserfilternden Muschelkulturen und einen vor Fischen geschützten Bereich für Wasserpflanzen)
    • Polder-Flächen im nordwestlichen Uferbereich renaturiert werden (Ein Polder ist ein eingedeichtes niedrig gelegenes Gelände in der Nähe von Gewässern. Im Falle des Zierker Sees ist es der Polder Torwitz, der durch Entwässerungsgräben und ein Schöpfwerk zur Ableitung des Wassers künstlich angelegt ist.)
    • Nährstoffeinträge reduziert werden (wenn klar ist woher die Nährstoffeinträge stammen)
    • Phosphatfällungen eingesetzt werden (falls die anderen Maßnahmen nicht wie gewünscht wirken)

    [Phosphatfällungen waren schon in der Vergangenheit angedacht, jedoch gab Befürchtungen, dass dies dem Fischbestand schaden könnte. Die zuständigen Behörden erteilten keine Genehmigung. Diese Bedenken werden von Seiten des Landes aber mittlerweile als wissenschaftlich unbegründet abgewiesen.]

    verworfene Ideen

    • Entschlämmung, das Herausholen von großen Mengen Schlamm aus dem See (Das Ausbaggern von Seen hat sich in anderen Seetherapien als nicht zielführend herausgestellt)
    • Ausbaggerung Kammerkanal (im Rahmen einer Bundeswasserstraßensanierung). Hiervon ist aber momentan keine Rede.
    • Weiteres wurde vom Land erwogen, aber ist momentan nicht im Maßnahmenpaket enthalten, wie z.B. die Anstauung des Sees um 20 Zentimeter bis hin zu einem geänderten Schleusenmanagement

    Ziele

    Ziel ist die Senkung der Nährstoffeinträge bzw. die Phosphor-Konzentration im See. Dazu sollen der Eintrag von Phosphor in den See von jetzt jährlich 600kg auf höchstens 500kg gesenkt werden. Hier muss aber noch erforscht werden woher der übermäßige Phosphor-Zufluss eigentlich stammt.

    Daneben soll die Sichttiefe erhöht werden.

    Eine kurze Geschichte der Therapie des Zierker Sees

    In den vergangenen Jahrhunderten wurde immer wieder in den See eingegriffen. Durch Landgewinnung und den Bau des Kammerkanals hat sich der Wasserspiegel immer weiter abgesenkt. Durch Nährstoffeinflüsse und vor allem die ungeklärte Einleitung von Abwasser (bis 1970) hat sich die Wasserqualität sehr verschlechtert. Seit den 80ern ist er kein Badesee mehr.

    In den 1990ern war angedacht Schlamm aus dem See zu holen. Das konnte jedoch nicht finanziert werden. Bereits im Jahr 2000 wurde eine Studie zum Wasserhaushalt, Maßnahmen zur Nährstoffreduktion und einer möglichen Ausbaggerung erstellt. (Ich vermute, dass diese die Grundlage für die Maßnahmen bis 2020 war)

    Man hat mit einer Reihe von „einfachen“ Maßnahmen versucht die Wasserqualität in den Griff zu bekommen. Bauliche und technische Änderungen am Abwassersystem sind erfolgt. Eine Maschine oder Anlage lässt sich planen und umbauen. Man braucht technisches Know-How, Geld und Arbeit. Sie funktioniert dann besser. Einen See als organisches System zu verändern ist dagegen eine langwierige, unsichere Angelegenheit. Es wurden Pflanzen und Fische dem See entnommen. Ob genau das erfolgreich war lässt sich kaum messen.

    Ende 2020 wurde klar, dass die Maßnahmen, die die Stadt in den letzten Jahren durchgeführt hatte zwar eine leichte Verbesserung der Wasserqualität zur Folge hatten, es jedoch nicht ausreichte. Es sind bereits Fördermittel des Landes eingesetzt worden, jedoch wurde das Land Mecklenburg-Vorpommern nun direkt um Hilfe gebeten. Eine Projektgruppe des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt entwickelte weitere Maßnahmen.

    Am 5. August 2021, in einer außerordentlichen Stadtvertretersitzung verkündete Landesminister Backhaus folgendes: Das Land wird eine Sanierung des Sees zu 100% fördern. Konkrete Maßnahmen müssen aber erst noch entwickelt werden. Durch Erfahrungen mit anderen Seesanierungen verspricht das Ausbaggern keine Erfolge, es wird voraussichtlich auf Phosphatfällungen und biologische Maßnahmen hinauslaufen. Im Prinzip war das nichts Neues. Es wurde nur das konkrete Jahr 2027 als Zielmarke genannt, da dieses durch eine EU-Richtlinie zum Gewässerschutz vorgegeben ist. Die Stadt Neustrelitz muss das Projekt anschieben (am wichtigsten: Einen Projektleiter suchen), wird aber keine Kosten tragen müssen.

    Im September 2021 wurde die Vereinbarung zwischen Land MV und Stadt Neustrelitz unterschrieben. Die Stadt wird Studien beauftragen, damit ein Maßnahmenpaket erstellt und umgesetzt wird. Das Land wird alle Kosten übernehmen.

    Es sollte also ein neuer Anlauf folgen, um die Wasserqualität des Zierker Sees zu verbessern. Antrieb und Finanzierung kommen letztlich von außerhalb Mecklenburg-Vorpommerns. Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie schreibt vor, dass Gewässer in der EU spätestens 2027 in einem guten ökologischen und chemischen Zustand sein müssen. Das Geld dafür kommt zum größten Teil auch aus EU-Mitteln (75%) und Bundesmitteln (15%) und nur 10% aus MV, wie eine Landtagsanfrage ergab.

    Im folgenden Jahr 2022 gab es offensichtlich keine wirksame Bearbeitung des Projektes durch die Stadtverwaltung Neustrelitz. Scheinbar gab es vorbereitende Gespräche mit Landesbehörden über den Start von Studien. Diese Untersuchungen wurden aber nicht begonnen. Erst im Januar 2023 gab es Schritte für eine Beauftragung der Untersuchungen (Beratungen im Bauausschuss der Stadtvertretung). Letztlich ist nach der rein bürokratischen Vereinbarung zwischen Bundesland und Stadt, die wenige Tage vor der Landtagswahl 2021 stattfand, eineinhalb Jahre nichts passiert. (Stand Anfang 2023)

    Das Land Mecklenburg-Vorpommern geht davon aus, dass teilweise auch 2027 nicht alle Gewässer des Landes den vorgeschriebenen Zustand erreichen. Es bleibt für den Zierker See zu hoffen, dass der Zeitdruck und die finanziellen Mittel aus EU und Bund in den nächsten Jahren das erreichen, was Stadt und Bundesland in den letzten 30 Jahren nur unzureichend geschafft haben.

    Trotz der Umweltprobleme bietet der See einen schönen Anblick. Außerdem bekommt man keine gesundheitlichen Probleme wenn man doch einmal ins Wasser fällt.

    Diesen Beitrag habe ich am 27.5.2021 veröffentlicht und zuletzt am 17.3.2023 aktualisiert.

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