Der rbb berichtet, dass letzte Woche der Neubau eines Rechenzentrums bei Berlin, in Märkisch Oderland gescheitert ist. Es soll sich dabei um ein Cloud-Rechenzentrum von Alphabet bzw. Google handeln.

„Dadurch hätte das Zentrum mit 1,3 Millionen Kubikmeter pro Jahr ähnlich viel Wasser verbraucht wie die Tesla-Fabrik im nahen Grünheide.“

Der örtliche Wasserverband Strausberg-Erkner hat das Projekt gekippt. Grund ist die Wasserknappheit in Ostbrandenburg. Für den angedachten Standort Neuenhagen sprach die Nähe zu Berlin und eine hier verlaufende Starkstromleitung.

Als ich das gelesen habe, hatte ich sofort die Idee, dass sich Neustrelitz als Standort anbieten sollte. Auch das Wirtschaftsministerium bzw. Ministerpräsidentin Schwesig können sich hier einschalten. Ich erinnerte mich daran, dass auch Tesla bei der Standortsuche in Mecklenburg-Vorpommern vorbeigesehen hat. Es konnte kurzfristig kein genügend großes Areal aufgetrieben werden. Ministerpräsidentin Schwesig wurde nicht durch das Wirtschaftsministerium informiert. Die Sache hätte vielleicht anders laufen können. Diesmal sollte so eine Chance nicht vertan werden…

Neustrelitz ist relativ Berlin-nah, Wasser sollte hier nicht allzu knapp sein, und eine Starkstromleitung verläuft auch an der Stadt vorbei, gut versteckt im Wald.

Wie ich dann herausfand ist es wahrscheinlich dieselbe Höchstspannungsleitung. Sie hat eine sehr hohe Kapazität und führt von der Ostsee (Lubmin bei Greifswald) an den östlichen Rand von Berlin. Sie sollte sicher das geplante Kernkraftwerk mit Ost-Berlin verbinden. Heute transportiert es Windstrom aus Vorpommern in die Metropole. Strom wäre also auch in Neustrelitz genug vorhanden, sogar näher an der Erzeugung. Und Erneuerbar sowieso.

Wie und Wo genau?

Für die nötigen Fachkräfte zu sorgen wäre eine Aufgabe der Landesregierung. Das ergibt sich aus den Zielen bezüglich Unternehmensansiedlungen. Wer Industrie ansiedeln möchte, der muss auch einen Plan haben wie die Fachkräfte „besorgt“ werden. Das Wirtschaftsministerium wäre hier gefragt. Dass solche Arbeitsplätze in der südlichen Seenplatte zumindest denkbar sind, zeigt auch der Standort des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR-Standort in Neustrelitz: 110 Mitarbeiter, für das Rechenzentrum werden 100 geschätzt). Generell: in Neustrelitz kann man nicht nur wohnen, sondern auch von Berlin einpendeln.

Es soll ein „grünes Gewerbegebiet“ in Neustrelitz entstehen. Das sollte genug Platz bieten. Durch das angrenzende Biomasseheizkraftwerk sind auch Kopplungen mit dem Fernwärmenetz denkbar. Hier könnte Abwärme genutzt werden. Der Wasserverbrauch in Brandenburg würde 1,3 Millionen Kubikmeter/Jahr betragen. Die Stadtwerke hätten hier eine Aussage treffen sollen, ob das möglich ist. (Allerdings: In Anbetracht dessen, dass generell Unternehmensansiedlungen in Neustrelitz gewünscht sind, dürfte auch die Wasserversorgung zukunftsfähig sein).

Hier soll das „Grüne Gewerbegebiet“ entstehen.

Die Emailadressen in Schwerin und Neustrelitz hatte ich schon rausgesucht

Die Emailadressen von Wirtschaftsministerium, Staatskanzlei (Ministerpräsidentin), Stadtwerke Neustrelitz und dem Bürgermeister als Chef der Verwaltung hatte ich schon rausgesucht. Ich wollte an alle eine Email schreiben und diese auch öffentlich machen. (Öffentlichkeit treibt die Dinge oft an). Kontakt zu Google könnte man irgendwie auch herstellen.

Es galt für mich noch eine Sache nachzuprüfen:

Ist Neustrelitz nah genug?

Zwar ist mir bekannt, dass die Entfernung zwischen Rechenzentrum und Verbrauchern eine Rolle spielt, aber wie viele Kilometer konkret üblich sind musste ich mir erst einmal ansehen.

Das amerikanische Unternehmen CloudHQ hat in Offenbach ein Rechenzentrum geplant, das durch die dortige Glasfaserverbindung in weniger als einer Millisekunde mit Frankfurt verbunden ist. Zwischen Offenbach und Frankfurt liegen 10 Kilometer.

Auch das Rechenzentrum „BER1“ für Vantage Data Centers liegt 10 Kilometer südlich von Berlin.

(Übrigens scheinen Groß-Rechenzentren gerade wie Pilze aus dem Boden zu schießen.)

Frankfurt/Main. Das Zentrum ist nur 10km vom Rechenzentrum-Standort Offenbach entfernt.

„Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Low Latency (kurze Latenzzeit) ist Nähe. Das heißt: vermeiden, dass Daten um die halbe Welt zu zentralen Serverfarmen geschickt werden, von denen dann eine Antwort retour geht. Denn hier setzt die Physik Grenzen. Via Glasfaser sausen die Daten mit zwei Drittel der Lichtgeschwindigkeit durchs Netz, das sind 200 Kilometer pro Millisekunde. Für Anwendungen, die eine Latenzzeit von rund einer Millisekunde haben sollen, darf das Rechenzentrum also theoretisch maximal 100 Kilometer entfernt sein. Verzögerungen durch zwischengeschaltete Netzelemente und die Datenverarbeitung sind hier noch nicht eingerechnet. Der Schlüssel zu Low Latency ist also, Rechenleistung nicht hunderte von Kilometern vom Nutzer entfernt vorzuhalten, sondern nah bei ihm.“

https://www.telekom.com/de/konzern/details/was-ist-latenz-in-echtzeit-durchs-netz-435638

Der nördliche Rand von Berlin ist etwa 100km von Neustrelitz entfernt. Ins Zentrum sind es 110km. Damit wäre Neustrelitz wohl nur im äußersten Notfall als Standort geeignet. Wenn man schon weit in den Norden gehen würde, dann gäbe es sicher genug Alternativen, die alleine wegen der Kilometer geeignet wären – wenn auch Strom und Wasser schwieriger zu bekommen sind.

Halten wir fest:

Platz, Strom, Wasser [siehe Nachtrag] wäre wohl genug da. Auch die rund 100 Arbeitsplätze würde man irgendwie besetzt bekommen – wenn es auch nicht so leicht wäre. Neustrelitz ist aber technisch gesehen zu weit entfernt, um als Rechenzentrum-Standort für Berlin in Frage zu kommen. 100km sind gegeben. Das ist das Maximum was möglich wäre. Normalerweise sind es 10km. Neustrelitz ist für so eine Ansiedlung also meines Wissens nach nicht geeignet.

Ob nun überhaupt eine extrem geringe Latenz für dieses Rechenzentrum notwendig wäre, ob Neustrelitz genug Wasser hätte, also ob es nicht doch möglich wäre Neustrelitz zum Google-Standort zu machen… Um das kurzfristig in die Wege zu leiten fehlt mir leider ein Stab von Mitarbeitern.

Es war aber durchaus Wert dieser Idee einmal nachzugehen.

Nachtrag:

Ich habe bei Stadtwerken Neustrelitz nachgefragt. Die technischen Anlagen zur Wasserversorgung wären in der Lage einen so hohen zusätzlichen Verbrauch zu decken. Auch dann würde das Grundwasser immer noch genug Reserven für weitere Einwohner und Gewerbe haben. Die Voraussetzung wäre die Erweiterung der Nutzungsgenehmigung zur Grundwasserentnahme. Dass in Neustrelitz beim Wasserverbrauch so gut aufgestellt ist hat historische Gründe. Einerseits hatte die Stadt zu DDR-Zeiten noch wesentlich mehr Einwohner und zusätzlich als Garnisonsstadt der Sowjetarmee einen deutlich höheren Verbrauch. Auch der nie in Betrieb gegangene „Neue Schlachthof“ hätte sehr viel Wasser und Abwasser-Kapazitäten benötigt, die heutzutage nicht genutzt werden.

Möglich ist es also. Dabei ist eine Größenordnung von 1,3 Millionen cbm Wasser/Jahr Verbrauch übrigens gar nicht sicher. Die Zahl deutet darauf hin, dass für die Kühlung der Server die Verdunstungskühlung eingesetzt wird. Diese Technik ist zwar günstig, hat aber eben einen hohen Verbrauch. Es gibt mehrere andere, sparsamere Kühltechniken, die eingesetzt werden könnten. Z.B. eine Luftkühlung, die mit einem geschlossenen Wasserkreislauf arbeitet.

Hier könnten sogar noch bessere Lösungen einsetzen, um die Abwärme direkt zu nutzen. Neustrelitz hat ein Fernwärmenetz. Direkt neben dem neuen „Grünen Gewerbegebiet“ steht das Biomasse-Heizkraftwerk der Stadtwerke. Es dürfte möglich sein, einen weiteren „Wärmeerzeuger“ ohne großen Aufwand an das Fernwärmenetz anzuschließen.

Diese effiziente Nutzung/Kopplung ist die Zukunft im Bereich Energiewende/Wärmewende. Erste Projekte gibt es bereits. Z.B. im Frankfurter Gallusviertel (In und um Frankfurt entstehen sehr viele Rechenzentren, weil es ein zentraler Punkt in der Internetstruktur ist)

„Die geplanten rund 1.300 Neubauwohnungen sowie Gewerbeeinheiten am südwestlichen Rand des Frankfurter Gallusviertels mit einem Jahresbedarf von 4.000 Megawattstunden (MWh) werden künftig zu mindestens 60 Prozent aus der Abwärme des benachbarten Rechenzentrums versorgt“, erläuterte Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann. Bis zu 40 Prozent werden durch die umweltschonende Fernwärme aus den hocheffizienten Heizkraftwerken der Mainova ergänzt.

Mit der Hitze, die in den Serverfarmen entsteht, werden wir 3.000 Menschen mit Wärme versorgen – das ist in dieser Größenordnung deutschlandweit einmalig.“

https://www.mainova.de/de/ihre-mainova/presse-und-politik/pressemitteilungen/2021/innovatives-waermekonzept-fuer-frankfurter-wohnquartier-westville-vorgestellt-76622
Biomasse-Heizkraftwerk Neustrelitz (Fernwärme-Erzeugung)

Zusammengefasst:  In Neustrelitz ist erneuerbarer Strom vorhanden (Höchstspannungsleitung in der Nähe).  Die Wasserversorgung wäre auch gewährleistet. Mit Nutzung der Abwärme und Nutzung neuer Kühltechniken würde auch wesentlich weniger bzw. kaum Wasser verbraucht werden.

Außerdem: Wie man in einer Präsentation der Machbarkeitsstudie des Grünen Gewerbegebiet sehen kann liegt direkt an der angrenzenden Bundesstraße ein Anschlusspunkt an das Transeuropäisches Glasfaser-Hochgeschwindigkeitsnetz.

Der Standort ist also eigentlich wie gemacht für ein Groß-Rechenzentrum!
Wenn der Platz ausreicht (das ganze Gewerbegebiet bietet 90.000 m²).

Im Rechenzentrum sollen 100 Mitarbeiter beschäftigt werden. Das sind in etwa so viele wie im DLR-Standort Neustrelitz arbeiten (110). Die hochqualifizierten Arbeitsplätze im DLR konnten auch besetzt werden. Außerdem wird wohl niemand ernsthaft bestreiten, dass der DLR-Standort ein Gewinn für die Stadt ist.

Bleibt letztendlich noch die Frage nach der Entfernung zu Berlin, um die Daten schnell genug „verschicken“ zu können. Hier ist allerdings auch interessant zu wissen, dass Groß-Rechenzentren selbst in Island stehen (wegen dem niedrigen Kühlaufwand). Im Hinblick auf 5G, autonomes Fahren etc. wäre es für die Seenplatte selbst nicht schlecht schnell angebunden zu sein und nicht auf Berliner Digital-Infrastrukturen angewiesen zu sein.

Höchstspannungsleitung hier bei Alt-Strelitz

In Anbetracht dessen lohnt sich vielleicht doch mal Google oder das Wirtschaftsministerium in Schwerin anzuschreiben. Da hat man vielleicht die Möglichkeiten die entsprechenden Stellen bei Google zu kontaktieren. Gute, hochqualifizierte Arbeitsplätze, mit erneuerbarer Energie gespeist und in einem innovativen Zukunftsbereich… Das sollte doch die Regierung interessieren. Auf jeden Fall ist es sinnvoller als Steuergeld nach Honkong zu schicken.

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